Zeitschrift | Ausgabe
Ariadne. Forum für Frauen- und Geschlechtergeschichte (2023), 79
"Wohlauf denn, meine Schwestern!" Die 1848/49er Revolution und ihre Geschlechterverhältnisse
Zum 175. Jubiläumsjahr der Revolution von 1848/49 widmet sich auch die Ariadne diesem wichtigen historischen Ereignis. Dass Frauen an den revolutionären Ereignissen teilnahmen, ist in der Forschung zwar bekannt, wer diese Frauen in Persona waren, welche Rollen sie spielten und welche Bedeutung ihr Engagement hatte, hingegen weniger. Aus diesem Grund werden in der 79. Ausgabe der Ariadne AkteurInnen ins Zentrum gerückt und nach den Bedeutungsebenen ihres Handelns gefragt. Neben erfolgreichen Gründerinnen patriotischer Vereine, werden auch konservative Revolutionsgegnerinnen vorgestellt sowie Ehe- und Freundschaftspaare, die gemeinsam an der Revolution teilnahmen und deren Beziehungen maßgeblich durch die revolutionären Ereignisse geprägt wurden. Mit der Akteur:innensebene eng verbunden sind Praktiken und Handlungsräume (Barrikaden, Publizistik, Geselligkeit), die ebenfalls sichtbar gemacht werden und nach deren weiblichem Potential gefragt wird. Die Artikel speisen sich aus unterschiedlichem Quellenmaterial: Karikaturen, welche die Geschlechtervorstellungen der Zeit offenlegen, Petitionen als ein von den Akteur:innen neu entdecktes Medium sowie Briefkorrespondenzen, Alben und Zeichnungen. Mit der Betrachtung der Damengalerie in der Paulskirche wird überdies ein zentraler Ort weiblicher Teilhabe am Revolutionsgeschehen sichtbar, der ansonsten als rein männlich geprägter Ort verstanden wird. Wir blicken aber nicht nur in die Vergangenheit. So fragen wir auch nach der Relevanz der Revolutionsforschung für die Frauen- und Geschlechtergeschichte. Aufgrund der Einbettung der allgemeinen Revolutionserforschung in die gerade boomende Demokratiegeschichte nimmt die Revolution von 1848 eine bedeutende Stellung ein. Auch hier knüpfen wir an und wollen an die wichtige Rolle von Frauen erinnern und sie damit in die Narrative der Demokratiegeschichte einschreiben.
Redaktion der Ausgabe: Dr. Kerstin Wolff und Birgit Bublies-Godau, M.A.
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Inhaltsverzeichnis
Beiträge
Henning Türk
Begrenzte Politisierung. Die weiblichen Zuschauer im Paulskirchenparlament während der Märzrevolution 1848/49
Gabriella Hauch
§ Emanzipation bewegt … Im demokratischen Milieu der Wiener Revolution 1848
Kerstin Wolff
Revolutionäre Orte? Über die gar nicht so versteckten Möglichkeiten von Frauen in den 1848/49er Jahren politisch tätig zu werden
Vincent Dold
Ironie und Ernst der ›Revolutionärin‹. Diskurse und Abweichungen vom bürgerlichen Weiblichkeitsideal 1848/49
Corinna Oesch
Das Geschlecht des Mediums. Petitionen um 1848
Susanne Schötz
Organisation der Arbeit, Humanität, Frauenrechte
Louise Otto in der Revolution von 1848/49
Birgit Bublies-Godau
Getrennte Wege, vereinte Wege. Jakob Venedey und Henriette Obermüller-Venedey im Kampf um Demokratie und Gleichstellung
Derya Özdemir
Die »Beschützerin aller Demokraten«. Kathinka Zitz (1801-1877) und die Revolution 1848/49
Felix Gräfenberg / Anna Strunk
Weibliche Handlungsmacht jenseits etablierter Erinnerungsorte. Das Beispiel der Bielefelder Schulgründerin Antonie Dietrich
Irmgard Stamm
Luise Trendelenburg (1827-1902). Eine bisher unbekannte Demokratin und selbstständige Frau
Susanne Asche
150 Jahre Revolution in deutschen Südwesten – Auswertung von Forschungen und Ausstellungen vor 25 Jahren
Dokumentationen
C.: Schwesterlicher Rath für Alle, welche sich in den weiblichen Kreisen beengt fühlen, und gern mit den Männern für das Wohl der Völker kämpfen möchten
Anonym: Die Aufgabe der Frauen unserer Zeit
Louise Otto: Programm
Anonym: Zum 18. März
Helene Helbig-Tränker: Sächsisches Frauenleben in den Sturmjahren 1848-50
Aus den Beständen und Archiven
Li Gehalter / Margit Hauser
Feministische Archive in Österreich
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