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Ariadne. Forum für Frauen- und Geschlechtergeschichte 80 (2024)
Frauenemanzipation in islamischen Ländern. Vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart
Mit der neuerlichen Machtübernahme der Taliban in Afghanistan 2021 und dem Aufstand gegen die Geschlechterapartheid der Mullahs, der ein Jahr später im Nachbarland Iran begann, ist die Frage nach dem Kampf um die Würde und die Rechte von Frauen in islamischen Ländern abermals zu einem Problem von globalem Interesse aufgerückt. Wir haben diese Ereignisse mit zum Anlass genommen, um historisch zurückzuschauen: Auf Argumente, die in diesem Teil der Welt schon im 19. Jahrhundert gegen die misogyne Rede von der angeblichen Minderwertigkeit des weiblichen Geschlechts formuliert worden waren; auf literarische wie politische Strategien, die eine Auflehnung gegen verordnete Sittsamkeit und Bevormundung ermöglichten; auf Organisationen, die kollektiv und unbeobachtet an einer Verbesserung der Lage von Frauen gearbeitet haben. Jeder der zehn Beiträge dieser Ariadne-Ausgabe widmet sich einer historischen Protagonistin – bzw. mehreren Protagonistinnen oder Organisationen – in einem bestimmten Land. Die meisten davon sind im Westen unbekannt geblieben. Auch die Geschlechtergeschichte hat diesen Aspekt der globalen Feminismushistorie bislang vernachlässigt. Dabei waren die Kämpfe gegen die geschlechterpolitische Ungleichheit, die in den beiden vergangenen Jahrhunderten von Marokko bis Indonesien geführt wurden, ebenso unterschiedlich wie diejenigen, die zeitgleich im Westen für Unruhe und sozialem Wandel sorgten. In diesem Sinne ist das diesjährige Heft als Beitrag zu einem vertieften Verständnis der globalen Feminismushistorie zu verstehen, das sowohl die bisherigen aktivistischen Auslassungen der vergangenen Jahrzehnte wie auch die gängigen wissenschaftlichen Projektionen auf nicht-westliche Akteurinnen der Frauenemanzipation der Gegenwart kritisch hinterfragt.
INHALT
Bibi Khanum (1858/59-1921). Eine Frauenrechtlerin am Vorabend der konstitutionellen Revolution im Iran
Fathiyeh Naghibzadeh
S. 6-15
Rokeya Sakhawat Hossain (1880-1932). Pionierin der Frauenrechte in Südasien
Sabri Deniz Martin
S. 16-35
Die Qiriazi-Schwestern. Förderinnen der Frauenemanzipation in Albanien
Lumnije Jusufi und Ledio Hala
S. 36-57
»[…] aus eigener Kraft befreien.« Clara Zetkin über die politische Arbeit der Zhenotdel unter muslimischen Frauen im Kaukasus
Christina Engelmann
S. 58-81
Von Silahtars Gärten zu den Ruinen von Adana. Über Leben und Werk der Schriftstellerin Zabel Yesayan
Moritz Pitscheider und Linn Vertein
S. 82-103
Die Stimme des Widerstands. Nazira Zain alDin und der arabische Feminismus des 20. Jahrhunderts
Ahmad A. Omeirate
S. 104-117
Radhia Haddad (1922-2003). Eine Vorkämpferin für Frauenrechte in Tunesien
Saïda Keller-Messahli
S.118-135
Fatima Mernissi und ihre Studie »Geschlecht Ideologie Islam«
Geschlechterverhältnisse im ›Orient‹ vor der Entfaltung des Islamismus
Andreas Benl
S. 136-147
Die ewig Vergessenen. Algerische Frauen gegen Kolonialismus, Islamismus und patriarchale Bevormundung
Naïla Chikhi
S. 148-167
»RAWA«
Der Kampf um Frauenbefreiung in Afghanistan
Vojin Saša Vukadinović
S. 168-181
Dokumentation
S.182-185
Sultanas Traum
Rokeya Sakhawat Hossain
S. 186-188
Eine moderne Frauen-Hochschule am Goldenen Horn
A. Ricker (Charlottenburg)
S. 189-190
Das Erwachen der Orientalin
G .
S.191
Die Frauenfrage unserer türkischen Bundesgenossen
Anonym
S. 192-197
Aus den Beständen und andere Archive
Ein Ort der Erinnerung für Frauen in der Türkei
Die Women’s Library and Information Centre Foundation (WLICF), Istanbul
S.198-211
Rezensionen
S. 212-245
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