Zeitschrift | Ausgabe

Blätter für deutsche und internationale Politik 70 (2025), 5

Liebe Leserinnen und Leser,

In der Mai-Ausgabe beschreibt Andreas Püttmann die Abkehr der Merz- Union von ihren christdemokratischen Wurzeln als gefährlichen Schlingerkurs. Claus Leggewie fragt, wie Europa in einer immer feindseligeren Welt bestehen kann. Michael Thumann erklärt, warum sich das Putin-Regime nach Osten orientiert und zugleich auf einen langen Konflikt mit dem Westen setzt. Irina Rastorgujewa schildert die zunehmende Militarisierung und Ideologisierung der russischen Schulen und Universitäten. Jonathan Rauch analysiert, wie Trump ein personalisiertes Herrschaftssystem errichtet – das Erinnerungen an Mafiaorganisationen weckt. Felix Maschewski und Anna-Verena Nosthoff beleuchten die Hintergründe von Elon Musks Feldzug gegen die Wokeness. Klaus-Dietmar Henke beschreibt die Bedeutung der 8. Mai 1945 für das damalige wie das heutige Deutschland. Und Alexandra Klei und Annika Wienert zeigen, was der zunehmende Antisemitismus über die deutsche Gedenkkultur verrät.

Mit herzlichen Grüßen

Ihre „Blätter“-Redaktion

www.blaetter.de/ausgabe/2025/mai

KURZGEFASST

Andreas Püttmann: Zwischen Christdemokratie und Rechtspopulismus. Wie die Merz-Union ideell schlingert und schrumpft, S. 51-60
Trotz der konservativen Neuausrichtung der CDU unter Friedrich Merz fuhr die Union bei der Bundestagswahl das zweitschlechteste Ergebnis ihrer Geschichte ein. Der Politikwissenschaftler Andreas Püttmann beschreibt das Ringen der christdemokratischen Partei um die Bedeutung des „C“ in ihrem Namen und resümiert: Das Christliche muss zunehmend dem Neoliberalen, Konservativen und gar dem Rechtspopulistischen weichen.

Claus Leggewie: Die neueste Unübersichtlichkeit: Der Westen und seine Feinde, S. 61-72
Seit dem Amtsantritt Donald Trumps erleben Deutschland und Europa die eigentliche „Zeitenwende“: die Abkehr der USA von den liberaldemokratischen Werten des Westens und das drohende Ende der transatlantischen Partnerschaft. „Blätter“-Mitherausgeber Claus Leggewie analysiert die Angriffe der Anti-Europäer von Putin bis Trump – und sieht darin auch eine Chance: Trump könnte unfreiwilllig zum Geburtshelfer eines Europäischen Bundesstaates werden.

Michael Thumann: Putins Wende nach Osten – und der ewige Krieg, S. 73-82
Lange hielten die meisten Menschen in Europa die Teilung des Kontinents für unwiderruflich überwunden. Doch mit Russlands Überfall auf die Ukraine und Putins hybridem Krieg gegen die EU hat sich ein neuer Vorhang in Europa gesenkt. Der Journalist Michael Thumann zeigt auf, wie der Kreml Russland systematisch vom Westen abschottet und das Land für einen ewigen Krieg rüstet. Denn dieser dient Putin zur Festigung seiner Macht im Innern und der Hinwendung zum Osten.

Irina Rastorgujewa: Indoktrination und Militarismus. Der Putinismus in Russlands Schulen und Universitäten, S. 83-89
Parallel zum Überfall auf die Ukraine unterzieht der Putinismus auch das Bildungssystem der Russischen Föderation einer Militarisierung. Die Philologin und Kulturjournalistin Irina Rastorgujewa schildert, wie in den Hörsälen und Labors russischer Universitäten Militär und Kriegsführung eine immer wichtigere Rolle einnehmen und wissenschaftliche Standards zunehmend ideologischer Indoktrination weichen müssen.

Jonathan Rauch: Mafiaboss im Weißen Haus. Die patrimoniale Herrschaft des Donald Trump, S. 91-98
Die Entlassung vieler fähiger Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes durch die Trump-Regierung und ihre Ersetzung durch Loyalisten erscheint auf den ersten Blick irrational. Doch was sich seit dem 20. Januar in den USA abspielt, ist nichts Geringeres als einen Regimewechsel, so der Journalist Jonathan Rauch. Trump etabliere eine patrimoniale Herrschaft, wie sie für Bandenbosse und Autokraten weltweit charakteristisch ist. Das Verständnis dieses Führungsstils weise aber auch den Weg zu seiner Überwindung.

Felix Maschewski und Anna-Verena Nosthoff: Löschen als Regierungsprogramm. Musks Feldzug gegen das »Woke-Mind-Virus«, S. 99-106
Mit DOGE rückt Trump-Berater Elon Musk derzeit diversen US-Institutionen zu Leibe. Ganze Behörden, wie USAID oder das Bildungsministerium, drohen dabei ersatzlos „gelöscht” zu werden. Doch was als Bürokratieabbau im Namen der Effizienz daherkommt, darin sehen der Medien- und Kulturwissenschaftler Felix Maschewski und die Philosophin Anna-Verena Nosthoff einen Kulturkampf gegen das „Woke-Mind-Virus“. Eine Mission, der sich Musk verschrieben hat und die zur Austreibung demokratischer Werte aus den Institutionen führt.

Klaus-Dietmar Henke: Befreiung als Zusammenbruch. Wie die Deutschen 1945 das Kriegsende erlebten, S. 107-116
Am 8. Mai 2025 jährt sich das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 80. Mal. Der Historiker Klaus-Dietmar Henke beschreibt, warum die meisten Deutschen trotz der absehbaren Niederlage bis zuletzt die nationalsozialistische Diktatur stützten. Damit habe sich die düstere Einschätzung Thomas Manns von 1941 bestätigt, erst einem ausgebrannten Deutschland würde es erlaubt sein, sich in eine „auf Frieden und Gerechtigkeit gegründeten Völkerordnung einzugliedern“.

Alexandra Klei und Annika Wienert: Kein »Lernen aus der Geschichte«. Der 8. Mai und das Wiedererstarken des Antisemitismus, S. 117-124
Seit 7. Oktober 2023 erleben Jüdinnen und Juden auch in Deutschland vermehrt antisemitische Drohungen und Angriffe. Unter diesem Vorzeichen untersuchen die Architekturhistorikerin Alexandra Klei und die Kunsthistorikerin Annika Wienert die Gedenkkultur hierzulande. Sie stellen fest, dass bisher das „Lernen aus der Geschichte“ nicht zu einem tiefergehenden Verständnis von Antisemitismus und seinen Wirkungsweisen geführt hat.

KOMMENTARE

80 Jahre 8. Mai: Vom Tag der Befreiung zum Tag der Erpressung von Albrecht von Lucke, S. 5

»Weiter so« statt Gerechtigkeit: Die Steuerpläne der GroKo von Julia Jirmann, S. 9

Ohne EU-Mindestlohn kein soziales Europa von Roland Erne, S. 13

Spanien: Das Land der armen Mieter von Julia Macher, S. 17

Polen: Das Ende der populistischen Blockade? von Peter Sawicki, S. 21

Türkei: Aufstand gegen den Autokraten von Sabine Küper-Büsch, S. 25

Palästina: Freie Hand für Netanjahu? von Susanne Knaul, S. 29

Sheinbaum versus Trump: Glücksfall für Mexiko? von Anne Haas, S. 33

USA: Opposition ohne Strategie von Lukas Hermsmeier, S. 37

ANALYSEN UND ALTERNATIVEN

Andreas Püttmann: Zwischen Christdemokratie und Rechtspopulismus. Wie die Merz-Union ideell schlingert und schrumpft, S. 51

Claus Leggewie: Die neueste Unübersichtlichkeit: Der Westen und seine Feinde, S. 61

Michael Thumann: Putins Wende nach Osten – und der ewige Krieg, S. 73

Irina Rastorgujewa: Indoktrination und Militarismus. Der Putinismus in Russlands Schulen und Universitäten, S. 83

Jonathan Rauch: Mafiaboss im Weißen Haus. Die patrimoniale Herrschaft des Donald Trump, S. 91

Felix Maschewski und Anna-Verena Nosthoff: Löschen als Regierungsprogramm. Musks Feldzug gegen das »Woke-Mind-Virus«, S. 99

Klaus-Dietmar Henke: Befreiung als Zusammenbruch. Wie die Deutschen 1945 das Kriegsende erlebten, S. 107

Alexandra Klei und Annika Wienert: Kein »Lernen aus der Geschichte«. Der 8. Mai und das Wiedererstarken des Antisemitismus, S. 117

DEBATTE

Die verheerende Normalität des Fliegens – und wie wir sie Überwinden können von Kathrin Boehme und Carolin Maaßen, S. 41

IN MEMORIAM

Eine Kultur des Widerstands. Gerd Poppe (1941–2025) von Gerd Poppe, S. 45

BUCH DES MONATS

Die dunklen Seiten der Geschichte von Matthias Bertsch, S. 125

EXTRAS

Kurzgefasst, S. 49

Dokumente, S. 90

Zurückgeblättert, Impressum, Autoren und Autorinnen, S. 128

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