Zeitschrift | Ausgabe

Blätter für deutsche und internationale Politik 71 (2026), 6

Liebe Leserinnen und Leser,

Die Juni-Ausgabe der »Blätter für deutsche und internationale Politik« erscheint am 28. Mai 2026.

Die Nutzung von Smartphones wird in der politischen Debatte überwiegend als Privatproblem verhandelt, dabei sind die Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden und Selbstbild junger Menschen gravierend – ebenso wie die Folgen für die Gesellschaft insgesamt. Doch angesichts dessen ein Social-Media-Verbot für Jugendliche zu fordern, greife zu kurz, meint die Politikwissenschaftlerin Nina Kolleck in der druckfrischen Juni-Ausgabe. Dass auf Social Media besonders rechtspopulistische Parteien erfolgreich sind, thematisiert auch der Politikwissenschaftler Andreas Püttmann. Er deutet den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus, verstärkt auch durch TikTok, Instagram und Co. Der Journalist Miguel de la Riva wiederum warnt vor der demokratiegefährdenden Wirkung extremer Ungleichheit und sieht in einer Besteuerung sehr hoher Vermögen eine Chance zur Wiederbelebung der Demokratie – auch im Interesse Konservativer und Wirtschaftsliberaler. Gegen den Siegeszug der Rechten benötigen wir, 40 Jahre nach dem Historikerstreit, eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, argumentiert der Pädagoge und »Blätter«-Mitherausgeber Meron Mendel. Die Grünen-Politikern Franziska Brantner fordert dagegen eine Neubestimmung der politischen Ziele im gegenwärtigen autoritären Umbruch. Sie entwirft einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Der Friedensforscher Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während der Menschenrechtsverteidiger Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt. Und Olaf Bernau interpretiert die Konflikte in Ländern wie Mali, Niger und Burkina Faso als Ausdruck tiefgreifender gesellschaftlicher Transformationsprozesse im Sahel.

Weitere Themen im Juni: Die britische Demokratie in der Krise, Gesundheitsreform: Die Zeche zahlen die Bedürftigsten, Klimaallianz TAFF: Aufbruch aus dem fossilen Zeitalter?, Pakistan gegen Afghanistan: Der vergessene Krieg u.v.m.

Mit herzlichen Grüßen
Ihre „Blätter“-Redaktion

www.blaetter.de/ausgabe/2026/juni

KOMMENTARE

Am Rande des Abgrunds: Britische Demokratie in der Krise von Annette Dittert, S. 5

Putins Kriegswirtschaft: Propaganda und Realität von Michael R. Krätke, S. 9

Politik als Gewinnspiel: Wetten auf Krieg und Frieden von Sonja Peteranderl, S. 13

Libanon: Letzte Hoffnung Trump? von Kristian Brakel, S. 17

Pakistan gegen Afghanistan: Der vergessene Krieg von Mirco Günther und Benedikt Ivanovs, S. 21

Klimaallianz TAFF: Aufbruch aus dem fossilen Zeitalter? von Susanne Götze, S. 25

»10-Millionen-Schweiz«: Mauern gegen die Polykrise von Cédric Wermuth, S. 29

Gesundheitsreform: Die Zeche zahlen die Bedürftigsten von Ulrike Baureithel, S. 33

Politische Bildung: Parteilich für die Grundrechte von Tim Engartner und Steve Kenner, S.37

ANALYSEN UND ALTERNATIVEN

Rechtspopulismus: Eine Bewegung von Narzissten von Andreas Püttmann, S. 49

Über den Verfassungspatriotismus hinaus. Für die Pluralisierung der Erinnerungskultur 40 Jahre nach dem Historikerstreit von Meron Mendel, S. 55

Für einen neuen Liberalismus. Warum Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammengehören von Franziska Brantner, S. 63

Komplizen der Bereicherung. Wie extreme Vermögensungleichheit Demokratie und Wettbewerb gefährdet von Miguel de la Riva, S. 71

Die TikTok-Demokratie. Warum Social-Media-Nutzung kein Privatproblem ist von Nina Kolleck, S. 79

Kulturaustausch in Zeiten rauer Machtpolitik. Zum 75. Geburtstag des Goethe-Instituts von Carola Lentz, S. 85

Zwei Imperialismen und ein halber: Europa in der Großmachtzange von Wolfgang Zellner, S. 93

Bruch und Kontinuität. Wie das Völkerrecht gegen Trump verteidigt werden kann von Wolfgang Kaleck, S. 103

Hoffnung im Schatten des Terrors. Der verkannte Umbruch im Sahel von Olaf Bernau, S. 109

Infantinos Imperium. Wie die FIFA demokratische Prinzipien aushebelt und Regierungen erpresst von Martin Krauss, S. 119

BUCH DES MONATS

Hamza Abu Howidy: Muscheln am Strand von Gaza. Erinnerungen an ein zerstörtes Land., S. 125

DEBATTE

Der Genozid-Vorwurf gegen Israel und die deutsche Verantwortung von Albrecht von Lucke, S. 41

Russische Kultur im Dienst des Krieges von Oksana Havryliv, S. 45

EXTRAS

Dokumente zum Zeitgeschehen, S. 118

Impressum, S. 128

Zurückgeblättert, S. 129

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