Zeitschrift | Ausgabe
Feministische Studien 40 (2022), 2
Was wollen sie noch?
In den letzten Jahren sind im Bereich digitaler Technologien eine Fülle an neuen Anwendungen entstanden, die durch schnellere Rechenleistungen und immer effizientere Algorithmen digitale Prozesse revolutionierten. Künstliche-Intelligenz-Algorithmen ermöglichen es, nie gekannte Datenmengen in kürzester Zeit zu durchforsten und Daten miteinander in Relationen zu stellen. Daraus sind digitale Anwendungen hervorgegangen, die unser Leben, aber auch die Art und Weise verändern, wie wir uns und andere als Subjekte wahrnehmen und zu Subjekten werden. Der Informatiker Joseph Weizenbaum hat bereits in der ersten großen K. I. Welle Ende der 1970er Jahre, unter Rückgriff auf einen von Max Horkheimer geprägten Begriff – vor dem Überhandnehmen der darin implementierten instrumentellen Vernunft gewarnt (vgl. Weizenbaum 1990). Instrumentelle Vernunft meint hier in aller Kürze: eine technisch vermittelte Zweck-rationalität. Also die Unterwerfung körperlicher, gesellschaftlicher und sozialer Belange unter die Logik der Zahl, der Statistik und der Verwaltung. Durch die mit digitalen Technologien ermöglichte Intensivierung, Daten individualisierter und verkörperter Subjekte zu sammeln, entstehen neue Zugriffspunkte für verschiedene Ökonomisierungs-, Regierungs- und Herrschaftspraktiken, aber auch Möglichkeiten einer kritischen Auseinandersetzung, denen dieses Heft nachspürt.
INHALT
Subjektivierungsweisen des Digitalen
Hannah Fitsch, Katrin M. Kämpf, Elisabeth Klaus
Einleitung
Hannah Fitsch und Katrin M. Kämpf
Queerfeministische Perspektiven auf Subjekte im Digitalen
Gabriele Gramelsberger
Schlaglichter: Algorithmizität
Isabell Lorey
Subjektivierung und (Selbst)Regierung
Gerald Raunig
Dividuelle Subjektivierung
Jutta Weber
Datenbanken
Antoinette Rouvroy
Daten ohne Personen: Der Fetischismus personenbezogener Daten und die Big Data-Ideologie
Daniela Wentz
Tales from the Loop. Autismus, Technologien und Subjektivierung
Pinar TuzcuCybaltern
Feminismus, Intersektionalität und die Frage des digitalen Zugangs
Im Gespräch
»... just in a pile of bodies!«– Katrin M. Kämpf im Gespräch mit Julia Scher
Bilder und Zeichen
Lilian Haberer
Tatsiana Licheuskaya
Tatsiana Licheuskaya
»Zero degree of subject«: intra-actions with motion capture technology
Aus aktuellem Anlass
Katharina Liebsch und Uta Ruppert
Aus feministischer Perspektive auf den Krieg in der Ukraine blicken? Eine Einleitung
Hanna L. Mühlenhoff und Marijn Hoijtink
Trotz militärischer Unterstützung für die Ukraine: eine feministische Kritik der Militarisierung der EU
Rhadwa Khaled
Brot und Baumwolle. Krieg in einer entwickelten Welt
Vanessa Thompson
Überlegungen zu einer abolitionistischen Perspektive in einer zunehmend multipolaren Weltordnung
Eva Senghaas-Knobloch
Plädoyer für eine weite friedenspolitische Perspektive
Diskussion
Patricia Purtschert
»Staying with the Gender Trouble«: Wie wir feministische Theoriegeschichte (nicht) erzählen. Eine Replik auf Tanja Paulitz
Aus laufender Forschung
Lisa Bor
Helpling – Digital vermittelte Haushaltsreinigung. Warum die Forschung zu Plattformen aus feministischer Perspektive notwendig ist
Tagungsbericht
Bernadette Geiger und Josefine Went
»Digital Gender: Ethik, Macht und (Geschlechter-)Wissen in Systemen künstlicher Intelligenz«, internationale Tagung der GenderConceptGroup 24. bis 26. März 2022 in Dresden
Rezensionen
Linda Siegel
Wendy Hui Kyong Chun: Discriminating Data. Correlation, Neighborhoods, and the New Politics of Recognition
Julia OstwaldJenny Schrödl / Eike Wittrock (Hrsg.): Theater* in queerem Alltag und Aktivismus der 1970er und 1980er Jahre
Ulla Wischermann
Joachim Radkau: Malwida von Meysenbug. Revolutionärin, Dichterin, Freundin: eine Frau im 19. Jahrhundert
Michael Hunklinger
Danea Gallo Gonzáles (Hrsg.): Trans*Time. Projecting Transness in European (TV) Series
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