Zeitschrift | Ausgabe
Feministische Studien 41 (2023), 2
Feministisches Erinnern II: Kontroversen, Allianzen, Zukünfte
Wie schon in den Beiträgen zum ersten Heft in diesem Jahrgang nehmen auch die Beiträger*innen zu dieser Ausgabe zur Bearbeitung dieser Fragen gegenwärtige Praktiken und Politiken der Erinnerung aus feministischer Perspektive in den Blick, untersuchen diese in ihrer sozialen, politischen und historischen Situiertheit und analysieren exemplarisch, welche Formen der Erinnerung gefunden und welche sozialen Gruppen, Themen und Erfahrungen erinnerungspolitisch bedacht und gewürdigt oder aber ins Abseits gestellt und verworfen werden. In allen Beiträgen geht es mithin um die zentralen erinnerungspolitischen W-Fragen: An was und an wen wird erinnert, was und wer wird vergessen? Wer erinnert an wen und warum? Wieso wird erinnert oder vergessen? Wie wird erinnert? Dabei loten die Beiträger*innen das Spannungsverhältnis zwischen Erinnern und Vergessen in sehr unterschiedlichen Themenfeldern aus, etwa in der filmischen Erinnerung an die Gewaltgeschichte in deutschen NS-Konzentrationslagern oder in den Erinnerungspraktiken an migrantischen Aktivismus und Feminismus in der Bundesrepublik, im Kontext der Digitalisierung und Plattformisierung von Erinnerung oder in zeitgenössischen Selbstinszenierungs- und Resouveränisierungspraktiken männlicher Intellektueller, Politiker und Schriftsteller. Sie untersuchen, welche Geschichten erzählt werden, wie diese Geschichten nicht nur das konstituieren, was war – Vergangenheit –, sondern auch, welche Schneisen sie bahnen für das, was gewesen sein wird– Zukunft. Sie fragen also danach, wie Erinnerung Gegenwart schafft: indem sie Zugehörigkeit reguliert und indem sie organisiert, wie und als wer wir einander begegnen und zusammenleben (können).
(Auszug aus: Feministisches Erinnern II: Kontroversen, Allianzen, Zukünfte - Einleitung, S. 188.)
INHALT
Sabine_ Hark, Tanja Thomas
Feministisches Erinnern II: Kontroversen, Allianzen, Zukünfte – Einleitung
Seiten 187 - 195
Tanja Thomas, Brigitte Hipfl
Feministisches Erinnern – Erinnern an Feminismus: Digitale (Re)Artikulationen potenzialisieren
Seiten 196 - 217
Katja S. Baumgärtner
Gender, Imagination und Erinnern in Filmen über das Konzentrationslager Ravensbrück
Seiten 218 - 236
Ina Glaremin
Mindere Vergangenheit? – Die Debatte um die Gedenkkugel für lesbische Frauen in der Gedenkstätte Ravensbrück
Seiten 237 - 253
Brigitte Bargetz
Das Persönliche = politisch = männlich? Remaskulinisierung und die paradoxe Neukonfiguration des Androzentrismus
Seiten 254 - 272
Im Gespräch
»Migrantischer Feminismus geht weiter!«
Onur Suzan Nobrega und Dschihan Zamani im Gespräch mit Behshid Najafi, Ayşe Tekin, Encarnación Gutiérrez Rodríguez und Pinar Tuzcu
Seiten 273 - 288
»Erinnerung ist immer ein starkes Projekt der Gegenwart und unser gegenwärtiger Blick kann immer neue Geschichten zu Tage fördern.«
Hannah Peaceman im Gespräch mit Jalda Rebling und Lea Wohl v. Haselberg
Seiten 289 - 301
Nachhaltige Erfahrung mit Kollektiver Erinnerungsarbeit.
Regine Othmer im Gespräch mit Jutta Meyer-Siebert
Seiten 302 - 315
Bilder und Zeichen
Friederike Altmann, Susanne Altmann
Zugänge für Ravensbrück. Acrylzeichnungen, Collagen, Vernähungen, Skulptur. 2015–2022
Seiten 316 - 326
Nachruf
Juliane Jacobi
Irene Stoehr (16.2.1941–26.2.2023)
Seiten 327 - 332
Berichte
Lisa Schug, Lena Kühn
Bewegtes Berlin – Partizipative Entwicklung digitaler Angebote zu feministischer Geschichte. Bericht zu einem Vermittlungsprojekt im FFBIZ – das feministische Archiv
Seiten 333 - 336
Mahza Amini, Newal Yalcin
Eine feministische Perspektive auf »Unhaltbare Zustände«. Tagungsbericht zur Zweiten Marxistischen Arbeitswoche
Seiten 337 - 340
Julia Wurm, Alexander Eigner
»Care Migration – Care Marketization. Reflections on a Complex Interplay.« Internationales Symposium der Abteilung für Gesellschaftstheorie und Sozialanalysen des Instituts für Soziologie der Johannes Kepler Universität Linz am 23. und 24. März 2023
Seiten 341 - 344
Rezensionen
Christine Löw
Susanne Schultz: Die Politik des Kinderkriegens. Zur Kritik demographischer Regierungsweisen
Seiten 345 - 348
Michèle Kretschel-Kratz
Lisa Yashodhara und Alicia Schlender (Hrsg.): Handbuch Feministische Perspektiven auf Elternschaft Seiten 348 - 351
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