Zeitschrift | Ausgabe
Das Kursbuch 216 (2023)
Passt euch an!
»Anpassung« hat eine schlechte Presse. Die Angepassten sind diejenigen, die sich eben anpassen, statt selbst Akzente zu setzen. Es könnte fast ein Schimpfwort sein, fast ein Synonym für Feigheit, wenigstens Indifferenz, auf jeden Fall referiert es auf Passivität. Und dann kommt das Kursbuch und fordert auch noch auf: Passt euch an! Wie das?
Anpassung scheint nur auf den ersten Blick etwas Passives zu sein. Was fast alle Beiträge dieses Kursbuchs eint, ist der Hinweis darauf, dass Anpassung ein höchst komplexer Vorgang ist, der mehr verdient als jene schlechte Presse, die man ihr im ersten Moment zuspricht. Selbst unter den Herausgebern war es zunächst umstritten, ob man eine solche Aufforderung überhaupt formulieren kann – aber wenn man die Beiträge liest, wird deutlich, dass es einer solchen Aufforderung gar nicht bedarf, weil sie immer schon befolgt wurde: Wir sind immer schon angepasst! Und selbst wenn wir aktiv auf die Dinge zugreifen, gerade nicht angepasst sein wollen, bedarf es einer Anpassung an die Verhältnisse. Ohne adaptives Verhalten und adaptive Strategien keine Überwindung von Anpassung.
INHALT
Jan Schwochow
Eine Quelle, zwei Grafiken
Olaf Unverzart
Viel zu wenig
Sibylle Anderl
Bis es kippt
Suzanna Randall
Ohne Anpassung keine Marsexpedition
Armin Nassehi
Passt euch nicht an!
Philipp Staab
Mit der Welt umgehen
Joachim Müller-Jung
Heimat in der Heißzeit
Madelaine Böhme
Die Zeit ist tief
Hans-Otto Thomashoff
Manipulieren und Manipuliert-Werden
Irmhild Saake
Angepasste Alternativen zum Sterben
Berit Glanz
Vulkanseen und Torfhäuser. Islandtief (9)
Katharina Berger
Anpassung als Nebenwirkung
Frauke Kreuter
Im Taktgefühl der Technik
Juliane Engel
Agency erzeugen
Peter Felixberger FLXX | Schlussleuchten