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[Soziale Probleme] 34 (2023), 1

Die professionelle Auseinandersetzung mit islamistischer Radikalisierung bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen Sicherheitserwägungen und sozialpädagogischer Unterstützung. Während verschiedene sicherheitsbehördliche Akteur*innen vor allem auf die Gefahrenabwehr und den Schutz der Gesellschaft fokussieren, zielen sozialpädagogische Angebote insbesondere auf die Stärkung von Handlungsfähigkeit und (Re-)Integration der Klientel. Auf Grundlage einer qualitativen Interviewstudie mit Expert*innen des Handlungsfeldes werden die Verschränkungen und Kontrastierungen der institutionellen Strukturen und die daraus resultierenden Perspektiven auf die Fallarbeit und Koordination betrachtet sowie die damit zusammenhängenden Herausforderungen in der Kooperation der verschiedenen Akteur*innen analysiert. Sowohl sicherheitsbehördliches als auch zivilgesellschaftliches Handeln stellen notwendige Aspekte der Auseinandersetzung mit islamistischer Radikalisierung dar. Die Auswertung zeigt, dass sich auszuhandelnde Konflikte ergeben, die unter anderem Fragen nach gleichwertiger Anerkennung der jeweiligen Problemdeutungen und Handlungslogiken sowie den Umgang mit Daten betreffen. Die vorliegende Analyse verdeutlicht dabei, dass klare Trennlinien der Interventionsebenen sowohl die Akteur*innen der Sozialen Arbeit als auch die Sicherheitsbehörden in einer zielorientierten Wahrnehmung ihrer originären Aufgaben stärken können.

Inhalt

Interpretationen und Aushandlungen sozialpädagogischer und sicherheitspolitischer Logiken - Beispiele aus Kinderschutz und Radikalisierungsprävention
Carmen Figlestahler, Katja Schau, Anke Neuber

Radikalisierung als soziales Problem - Zwischen sicherheitspolitischen Diskursen, sozialpädagogischer Praxis und Subjektivierungen
Katharina Leimbach, Nadine Jukschat

Verschränkungen sicherheitsorientierter und (sozial)pädagogischer Zugänge und Arbeitsweisen in der Prävention islamistischer Radikalisierung
Yannick von Lautz, Eike Bösing, Mehmet Kart, Margit Stein

Die mündliche Karteikarte – zur Dokumentationspraxis des Nicht-Gefährlichen in der Präventionsarbeit
Dörte Negnal

„Was wollt ihr von mir? Ihr seid von der Polizei!“ - Radikalisierungsprävention in der Triade aus Justizbediensteten, pädagogischen Fachkräften und Inhaftierten
Maria Jakob, Maruta Herding, Anja Frank

Das „Risiko“ Familie in der massenmedialen Berichterstattung - Die diskursive Konstruktion familialer Erziehungsinkompetenzen als sicherheits- und ordnungspolitisches Instrument des Kinderschutzes
Sabrina Dahlheimer

Risikoprävention als Legitimationsfigur im Kinderschutz
Hannu Turba

Räume, Rhythmen und Hierarchien des Familialen - Zur Konstruktion des Kindeswohls im Kontext kindesschutzrechtlicher Hausbesuche
Markus Steffen, Martina Koch

Probleme und Problematisierungen - Argumente für eine reflexive und gegenstandsbezogene Integration vermeintlich gegensätzlicher Perspektiven der Soziologie sozialer Probleme
Albert Scherr

Das Hegemonie-Projekt der sogenannten Clankriminalität - Eine Diskursanalyse auf Basis qualitativer Interviews
Jens Struck

Subjektive Belastung der Betroffenen von Cybermobbing
Steffen Zdun

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