Zeitschrift | Ausgabe
sub\urban 11 (2023), 3/4
Autoritärer Urbanismus
Autoritärer Urbanismus operiert mit lauten ebenso wie mit leisen Formen; er kommt mal offen, mal schleichend, mal gar getarnt daher; er wird manchmal als solcher erkannt, verkannt oder bleibt unerkannt. Autoritärer Urbanismus ist von widersprüchlichem und changierendem Charakter. Er ändert nicht nur häufig sein Gesicht und seine Arbeits- und Funktionsweisen, sondern bewegt sich zumeist auch im Spannungsfeld zwischen autoritären und demokratischen, zwischen liberalen und illiberalen Praktiken; er tritt nie in Reinform auf, sondern ist stets komplex und widersprüchlich. Akteure, die in autoritären Kontexten agieren und versuchen, Widerstand zu leisten, sind mit eben jenen Spanungsfeldern konfrontiert, innerhalb derer sie nicht nur handeln, sondern auch fühlen und sich durch Widersprüche navigieren. Diese Spannungsfelder nimmt unser Themenschwerpunkts in diesem Heft in den Blick. Wir fragen: (Ab) wann sind städtische Dynamiken und Prozesse autoritär? Wie manifestiert und materialisiert sich Autoritarismus in und durch Städte? Und was bedeutet Widerstand im Kontext von autoritärem Urbanismus?
INHALT
Aufsätze
Autoritärer Urbanismus: zur Normativität eines Forschungsfeldes
Daniela Zupan
Seiten 17 - 42
Megaprojekt „Belgrade Waterfront“. Neugestaltung der Stadt durch autoritäre Stadtentwicklung
Nebojša Čamprag
Seiten 43 - 72
„Gegen-Neoliberalisierung“ in Budapest. Großräumige Stadtentwicklungsprojekte in der populistischen Politik der aktuellen ungarischen Regierung
Marcell Hajdu
Seiten 73 - 104
Im Zwang der Nation? Landenteignung unter Indiens neoliberalem autoritärem Urbanismus
Michael Schwind
Seiten 105 - 144
Signaturen eines autoritären Urbanismus in der Schweiz. Polizeiliche und ordnungsdienstliche Wegweisungen aus öffentlichen Räumen im Vergleich
Esteban Piñeiro
Seiten 145 - 168
Konservative Wende, milícias und die Wahlen. Überlegungen zum Fall Brasiliens
Orlando Santos Junior, Filipe Corrêa, Juciano Rodrigues
Seiten 169 - 198
Revolutionärer Antifaschismus als Stadtplan. Gewalträume, Freiräume und Traumräume
Günter Gassner
Seiten 199 - 232
Debatte
Was heißt hier Widerstand? Widerständige Praktiken im Kontext von autoritärem Urbanismus
Daniela Zupan, Matthias Naumann, Gala Nettelbladt, Kristine Beurskens
Seiten 233 - 244
Schillernde Praktiken. Widerständiges in der neoliberal-autoritären Stadt
Alke Jenss
Seiten 245 - 254
Prekäre Allianzen zwischen subalternem Widerstand und urbaner Zivilgesellschaft
Lela Rekhviashvili
Seiten 255 - 266
Erinnerung an rechte Gewalt in Ostdeutschland als widerständige Praxis
Felicitas Kübler
Seiten 267 - 272
Widerstand mit Architektur? Beispiele aus der DDR
Kirsten Angermann
Seiten 273 - 274
Widerstand und Infrastrukturen: das Beispiel Energiedemokratie
Sören Becker
Seiten 283 - 292
Widerstand wogegen? Urbane Konflikte im autoritären Russland
Andrei Semenov
Seiten 293 - 300
Was heißt hier – und dort – Widerstand?
Peter Bescherer, Leon Rosa Reichle
Seiten 301 - 310
Autoritärer Urbanismus enttarnt: Istanbul und Berlin im Dialog
Urszula Ewa Woźniak, Tuba İnal-Çekiç
Seiten 311 - 326
Festung L.A. (2006 [1990])
Mike Davis
Seiten 327 - 370
Mike Davis: Erinnerungen an einen Giganten der Großzügigkeit
Roger Keil
Seiten 371 - 378
„Es wäre ein verlegerisches Verbrechen, Mikes Bücher nicht zu übersetzen und herauszugeben.“
Rainer Wendling, Stefan Höhne, Boris Michel
Seiten 379 - 384
Zwischen radikaler Stadtanalyse, Aktivismus und kultureller Intervention
Stephan Lanz
Seiten 385 - 398
Historiografien der Extreme: Mike Davis, Reyner Banham und das Schreiben über Los Angeles
Sina Brückner-Amin
Seiten 399 - 410
Verhärtungen unter der Oberfläche – Mike Davis im Plattform-Urbanismus
Katja Schwaller
Seiten 411 - 428
Magazin
Der Palast und die Souveränität des Premierministers in Äthiopien
Rony Emmenegger, Asebe Regassa
S. 429 - 442
Staat statt Stadt. Die rechtliche Grundlage zur Untergrabung der kommunalen Planungshoheit in Ungarn am Beispiel des Budapester Südens
Lilla Kammermann, Sebastian Martini, Enikő Charlotte Zöller
S. 443 -462
Das Wohnungsbauprogramm GUS 1990-1996. 43 Siedlungen in Russland, Belarus und der Ukraine – Überblick und Einordnung
Jakob Holzer
Seiten 463 - 474
Rezensionen
Landschaften der Regression - Daniel Mullis / Judith Miggelbrink (Hg.): Lokal extrem Rechts. Analysen alltäglicher Vergesellschaftungen.
Leonie Stoll
Seiten 475 - 482
Wie verräumlicht sich Unterdrückung? - Natalie Koch (Hg.): Spatializing authoritarianism.
Victoria Grau
Seiten 483 - 490
Hegemoniekrise und autoritäre Wende - Ian Bruff / Cemal B. Tansel (Hg.): Authoritarian neoliberalism. Philosophies, practices, contestations.
Börries Nehe, Gustavo Robles
Seiten 491 - 498
Keine Angst vor der Vergangenheit?- Birgit Knauer: Gesunde Stadt. Die Assanierung der Stadt Wien (1934-1938). Basel: Birkhäuser; Harald Bodenschatz (Hg.): Städtebau für Mussolini. Auf der Suche nach der neuen Stadt im faschistischen Italien.
Jannik Noeske
Seiten 499 - 508
Buenos Aires in Zeiten der Cholera und des Gelbfiebers - Antonio Carbone: Park, tenement, slaughterhouse. Elite ima-ginaries of Buenos Aires, 1852-1880.
Teresa Huhle
Seiten 509 - 515
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