Zeitschrift | Ausgabe
Tierstudien 14 (2025), 28
Jagd
Traurige Trophäen – tiersensible Perspektiven auf eine todbringende Kulturtechnik
Die Jagd ist eine stark ritualisierte und traditionsreiche Kulturtechnik, wenn auch eine besonders blutige. Dabei können auch Tiere nicht nur Gejagte, sondern auch Jäger:innen sein. Die Tierethik und Tierphilosophie setzen sich jedoch meist mit menschlichen Jagdpraktiken auseinander. Das gewaltsame Töten von freilebenden Tieren gründet auf einem hierarchischen Mensch-Tier-Verhältnis, das heute nicht mehr unhinterfragt akzeptiert und immer häufiger als moralisch höchst fragwürdig charakterisiert wird.
Viele Jagdformen fußen aber nicht nur auf hierarchischen Mensch-Tier-Beziehungen, sondern auch auf hierarchischen Mensch-Mensch-Verhältnissen. So wurden beispielsweise Geschlechterdichotomien mit der stereotypen Aufteilung der Menschen in Jäger und Sammlerinnen festgeschrieben und Unterschiede bezüglich Klasse und race durch Jagdgesetze zementiert. Die Geschichte der Jagd kann somit auch als Herrschaftsakt und als eine Geschichte der Inklusion und Exklusion gelesen werden.
In diesem Tierstudien-Band steht die Jagd in all ihren Facetten im Mittelpunkt, immer aber mit einer tiersensiblen Haltung. Die zumeist jagdkritischen Aufsätze beschäftigen sich mit Souveränität und Macht, mit kolonialer Jagd, toxischer Männlichkeit und Jägerlatein, aber auch mit der Figur der weiblichen Jägerin. Tiere – darunter u.a. Wölfe, Wildschweine, Rehe und Vögel – tauchen als Jäger:innen, Gejagte und Trophäen auf. Auch der Hochsitz und das Jagdzimmer werden als materielle Bestandteile des Jagdkomplexes analysiert. Weitere Themen in diesem Band sind die Repräsentation und Reflexion der Jagd in Kunst und Literatur, in Unterrichtsmaterial für Kinder, in der Mode, im Tierhorrorfilm und in naturkundlichen Museen.
Editorial
Selbstverständnis und Selbstdarstellung von Jäger:innen
Laura Beck / Maurice Saß
Töten, Verwildern und Teilen. Zur Differenzfunktion der Jagd
Pamela Steen
Die (erzählte) Jagd wird weiblicher? Brüchige Identitäten zwischen Agency und Empathie in Jäger(innen)-Autobiografien – ein tierlinguistischer Blick
Vinzenz Damm
Solange es schön anzusehen ist … NEOZOONs Werke zur Trophäenjagd
Jagdtrophäen
Maximilian Preuss / Linda-Josephine Knop
Unsichtbare Akteur:innen kolonialer Jagd. Möglichkeiten praxeologischer Perspektiven in der Provenienzforschung
Verena Kuni
Trophäen der Wissenschaft. Das Naturkundemuseum als Jagdzimmer
Astrid Silvia Schönhagen
Trophäen für den Catwalk. Faux-Taxidermie-Kreationen in der Haute Couture des Maison Schiaparelli
Philosophische und pädagogische jagdkritische Reflexionen
Ulrike Schmid
Wer ist wer: Gabler, Spießer, Sechserbock? Darstellung der Jagd in österreichischen Biologie-Schulbüchern: (un-)entbehrlicher Lehrstoff?
Mara-Daria Cojocaru
Mit Jägern lernen. Ein Tagebuch mit vielen Stimmen
Kai Horsthemke
Jagdsabotage. Terrorismus oder ziviler Ungehorsam?
Jagdarchitekturen: Hochsitze und Zäune
Maria Schulze
Jagdhochsitze als Fotomotive, Beobachtungsposten, Aufenthaltsorte und Ruinen in der zeitgenössischen Kunst
Jordan Oelke / Friederike Voskamp / Eric Kamper / Ralph Scheel
Die Jagd zwischen den Zäunen. Das Verhalten des Wolfs in Zeiten der Afrikanischen Schweinepest
Jagdrhetorik: Mediale und künstlerische Auseinandersetzung mit Jagd
Jan-René Schluchter
Becoming Prey. Zum Spannungsverhältnis von Jagenden und Gejagten im Tierhorrorfilm
Julia Schmid
3762 / GW717m, 2020–2021
Kathryn Eddy
The Urban Wild Coyote Project, 2020
mit einem Kurztext von Mandy-Suzanne Wong
Angela Singer
Recycled Taxidermy, 2002–2025
Rezensionen
Abbildungsverzeichnis
Call for Papers: Tiere in der Klimakatastrophe