Zeitschrift | Ausgabe

wespennest 186

No Future

ls die Sex Pistols 1977 mit Bezug auf das silberne Thronjubiläum der Queen den Song „No Future“ lancierten und damit dem Lebensgefühl des Punk einen Namen gaben, hätte wohl niemand gedacht, dass die Königin auch ihr Platin-Jubiläum 2022 noch knapp erleben würde. So schnell lässt sich Zukunft, selbst die des britischen Königshauses, nicht abschaffen.

Die Siebzigerjahre seien „die Dekade, die den Glauben an die Zukunft verlor“, meint Philipp Felsch in seinem Buch Der lange Sommer der Theorie. Das verstärkte sich noch in den 1980er-Jahren, schon damals war die Stimmung dystopisch. Die Ängste bezogen sich auf „Umwelt“ und „Atom“, während heute die große Vorsilbe der Angst „Klima“ heißt und die Aktivist*innen sich „Last Generation“ nennen. Der wespennest-Frühjahrsschwerpunkt fragt nach dem zwielichtigen Slogan des „No Future“, der Dystopie, Hoffnungslosigkeit, Dekadenz, aber auch Rebellion, radikale Kritik und Wagemut und – in den 1980ern zumindest – Ironie in sich aufnimmt. Was hat sich inzwischen geändert an den Ängsten, der Apokalyptik und vor allem der Haltung zur Zukunft? Als Ungewissheit per se ist Zukunft ein Fluch und zugleich eine Gnade. Was würde das heißen: ohne Zukunft zu leben?

INHALT

Jonas Gren
Der Chromosomenpark. Auszug aus dem gleichnamigen Roman
4-11

Lutz Rathenow
Nichts war wirklich, wie es war
12-14

Mirko Bonné
Gegen den Uhrzeigersinn. Sieben Gedichte
15-21

SCHWERPUNKT

Hazel Rosenstrauch
A future for my past
22-25

Jens Balzer
Softies, Punks und Mettwurstscheiben. Über die popkulturelle Bewirtschaftung apokalyptischer Gefühle in den Achtzigerjahren
26-31

Elfe, Esther und Merle Brandenburger
Macht heil, was euch kaputt macht
32-36

Paulus Rainer
Als das Einhorn keinen Einlass fand. Zum Weltuntergang im Zeitalter der Kunstkammern
37-41
 

Peter Köllerer
Bundesstraße 1. Fotoarbeiten
42-51
 

Johannes D. Kaminski
Apocalyptic relief. Von der Lust am filmischen Weltende
52-56

Christian Jakob
Sehnsucht nach dem Wendepunkt der Geschichte. Zur Konjunktur des „Kipppunkt“-Gedankens
57-61

Sandra Lehmann
Ende der Zukunft, Beginn der Gegenwart
62-64

Stephan Steiner
No future, forever and a day
65-68

Nicola Cipani
Das Wort als Vexierstück. Menschliche und maschinelle Kniffe in Umgang mit der Informationsflut
69-73

Holger Rust
Ich sehe was, das ihr nicht seht. Einmal in die Zukunft und zurück mit Horx und Co.
74-77

Ulrike Draesner
Das ZumZum. Sieben Annäherungen an das Unsagbare
78-87


BÜCHER

Chris Zintzen
Marianne Fritz: Die Schwerkraft der Verhältnisse
88-91

Thomas Eder
Franz Josef Czernin: geliehene zungen
92-93

Gisela Steinlechner 
Christian Steinbacher: Scheibenwischer mit Fransen
94

Christine Frank
Robert Schindel: Flussgang
95-97

Kurt Neumann
Julian Schutting: Auf vertrauten Umwegen
98-100
Florian Neuner
Hartmut Geerken: found footage memorabilia. 3 Bände
101-102

Piero Salabè
Christian Lehnert: Das Haus und das Lamm
103

Stephan Steiner
Karl Schlögel: American Matrix
104-105

Martin Reiterer
Zerocalcare: Kobane Calling / No Sleep Till Shingal
106-109

Alle Ausgaben von

wespennest. zeitschrift für brauchbare texte und bilder

Über die Zeitschrift und weitere Ausgaben

Newsletter