Zeitschrift | Ausgabe
Zeitschrift für Ideengeschichte 18 (2024), 1
Hunger
Wie lässt sich von der existentiellen Macht "Hunger" erzählen? Literaturhistorisch gehört es zu den paradoxen Beobachtungen, dass es ein aller Sprache und Ideen vorgelagerter physischer Mangel ist, der eine reiche Fülle an Literatur aus sich herausgetrieben hat. Mit einem Gespräch über Knut Hamsuns epochalen Roman "Hunger" (1890) setzt die Ausgabe ein. Die moderne Literatur verzeichnet mit dem Kontrollverlust der alten, geordneten Erzählwelt den Auftritt eines neuen, fiebrigen Erzählers, der in einer eigenen Logik des Wahnsinns hinter dem Rücken des Autors das Geschehen voranpeitscht. Auch von diesem "Irren" handelt diese Ausgabe.
Mit Beiträgen von Jörg Baberowski, Felicitas Hoppe, Thomas Kaufmann, Liliane Weissberg und Weiteren.
INHALT
Jens Hacke, Sandra Richter
Editorial
Seite 4
Felicitas Hoppe'
Phoenix aus der Hungerasche. Ein Gespräch
Seiten 5-12
J. Alexander Bareis: Hunger, sprich! Hamsun dreht an der Schraube
Seiten 13-20
Mirko Nottscheid Brot und politische Spiele. Arthur Schnitzler überweist 100 000 Kronen
Seiten 21-24
Franziska Thun-Hohenstein
Am Kältepol. Warlam Schalamow seziert den Lagermenschen
Seiten 25 -32
Jan Bürger
Die Logik des Hungerengels. Über einige Versuche, das Unsagbare in Worte zu fassen
Seiten 33-45
Nikola Herweg
Mehlbrei, Sehnsucht, Heimweh. Mascha Kaléko streicht den Hunger durch
Seiten 46-48
Xiaocui Qiu
Ah-fu servierte Apfelstrudel. Klara Blum erzählt nicht vom Hunger in China
Seiten 49-54
Hans Sahl
Hunger
Seiten 55-57
Liliane Weissberg
Reliquie unter Milchglas. Hans Sahl umschreibt das Hungern in der Emigration
Seiten 58-66
ARCHIV
Thomas Kaufmann
Das große Kotzen. War der Bauernkrieg eine Hungerrevolte?
Seiten 67-75
Hole Rößler
Gefräßige Hungerleider
Seiten 76-79
Hermann Parzinger
Klima für die Katz. Kleine Expedition in die Kleine Eiszeit
Seiten 80-88
DENKBILD
Jörg Völlnagel
Hungerkünstler im Goldenen Zeitalter
Seiten 89-102
ESSAY
Jörg Baberowski
Dialektik der Gegenöffentlichkeit. Russland zwischen Hunger und Revolution
Seiten 103-112
KONZEPT & KRITIK
Ekaterina Pravilova
Der Rubel. Eine politische Ideengeschichte
Seiten 113-117
Peter Schöttler
Platonischer Dialog, 1944. Marc Bloch verteidigt die Philosophie
Seiten 118-123
Stephan Wackwitz
Stuttgart 1975, Heinz Schlaffer
Seiten 124-127