Zeitschrift | Ausgabe
Zeitschrift für Qualitative Forschung 25 (2024), 1
Soziale Arbeit und Forschung im Kontext (extrem) rechter Verhältnisse. Von der Notwendigkeit relationaler Perspektivierungen
Wahlerfolge der AfD; Kinder in rechten Siedlungsprojekten; der ewige „Einzeltäter“; Razzien bei Reichsbürger:innen; rassistisch motivierte Demonstrationen vor geplanten Sammelunterkünften für geflüchtete Menschen; Auswanderung von (Corona-) Verschwörungsgläubigen; Antisemitismus in Schulen, Hochschulen und Eckkneipen; neuer Autoritarismus; Kleiderspenden „für Deutsche“ von rechten Parteien wie dem III. Weg; neue staatliche Abtreibungsverbote; die Soziale Arbeit der 1990er und ihr Zusammenhang mit dem NSU; der antisemitisch motivierte Versuch eines Massenmordes in Halle (Oktober 2019); der rassistische Mordanschlag in Hanau (Februar 2020); und zuletzt als Resonanz auf das Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 eine von rechts angetriebene Abschiebungsdebatte gegen muslimische Menschen, in der der hiesige alteingesessene Antisemitismus lautstark ignoriert und eine Konferenz, auf der die Ausbürgerung nach rassistischen Maßgaben diskutiert wird. Das Spektrum öffentlicher Debatten rund um den Rechtsextremismus nimmt zunehmend mehr Problembereiche in den Blick. Sozialwissenschaftliche Forschung muss den fortwährend dynamischen Entwicklungen im Feld reflexiv folgen und ihre Methoden anpassen. Gleiches gilt für pädagogische und sozialarbeiterische Antworten auf die skizzierten gesellschaftlichen Herausforderungen.
Der vorliegende Schwerpunkt greift diese Herausforderung in vielfältiger Weise auf und bearbeitet die Frage danach, wo die empirische Forschung zu Rechtsextremismus und Sozialer Arbeit steht: Welche Zugänge wählt sie – und welche Bedingungen sind mit diesen Zugängen verbunden?
INHALT
Lisa Janotta & Johanna Sigl
Soziale Arbeit und Forschung im Kontext (extrem) rechter Verhältnisse. Von der Notwendigkeit relationaler Perspektivierungen. Editorial
Seiten 3-15
Julian Sehmer, Stephanie Simon & Julia Besche
Rechte Dynamiken (auch) in der Wissenschaft. Überlegungen zu den Herausforderungen bei der Identifikation problematischer Ablehnungskonstruktionen in wissenschaftlichen Texten
Seiten 16-33
Ursina Jaeger
„Schau hier, alles Reichsbürger, so sehen heutzutage Nazis aus!“ Ethnografische Forschung mit deutschen Auswanderfamilien in Paraguay im Angesicht komplexer Positioniertheiten
Seiten 34-50
Sebastian Winter
Unheimlich Nah. Überlegungen zum Verstehen des Rechtsextremismus in Forschung und Sozialer Arbeit
Seiten 51-65
Gabriele Fischer
Ein Mord ist ein Mord ist ein Mord!? Der Beitrag akzeptierender Jugendarbeit zur Dethematisierung rechten Terrors
Seiten 66-81
Katharina Leimbach
„Was wir alles schon wissen“. Verfestigte Wissensmuster zu Rechtsextremismus in der institutionellen Bearbeitung
Seiten 82-98
Debatte
Inga Reimers
Forschung aufführen. Zu epistemologischen Potenzialen und Herausforderungen im Spannungsfeld von Ethnografie und performativer Kunst
Seiten 99-113
Nina Tessa Zahner
Bruno Latours Denken als performative Sozialwissenschaft
Seiten 114-131
Freier Teil
Markus Hoffmann & Michael Stralla
Deutungsmusteranalyse und Dokumentarische Methode im Vergleich. Überschneidungen, Unterscheidungen, gemeinsame Bezüge
Seiten 132-145
Tagungsbericht
Juliana Gras & Christoph Stamann
„Praktiken der qualitativen Methodenlehre“. Erste Tagung des Netzwerks Lehrwerkstätten
Seiten 146-149
Rezensionen
Aysun Doğmuş
Kathrin Schulze: Antiziganismus in der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Ethnographische Erkundungen des ,Eigenen‘ im ,Anderen‘
Seiten 150-154
Sabine Zeymer
Maria Jakob/Nadine Jukschat/Maruta Herding: Radikalisierungsprävention im Gefängnis. (Sozial-)Pädagogisches Handeln unter erschwerten Bedingungen
Seiten 154-157
Thorsten Benkel
Daniel Schönefeld/Wolfgang von Gahlen-Hoops (Hrsg.): Soziale Ordnungen des Sterbens. Theorie, Methodik und Einblicke in die Vergänglichkeit
Seiten 158-161