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Zeitschrift für Theoretische Soziologie (ZTS) 13 (2024), 1

Forum: Volkhard Krechs "Die Evolution der Religion" (II); Schwerpunkt: Affektivität als Herausforderung für die soziologische Theorie (II)

Das erste Heft eines neuen Jahres eignet sich gut, um gefasste Vorsätze zu überprüfen. Die Redaktion hat sich vorgenommen, Themen beharrlich zu verfolgen und neuen, unterbelichteten Aspekten der soziologischen Theorie einen publizistischen Ort zu geben. Die Entwicklung der Differenzierungstheorie ist eines der ältesten Themen des Fachs, weswegen wir uns an dieser Stelle freuen, ein baldiges Erscheinen unseres Sonderbands zu »Differenzierung und Integration. Zur Ausdifferenzierung der Differenzierungstheorie« bekanntgeben zu können.
Zuvor müssen wir noch einen traurigen Blick zurückwerfen. Der Tod unseres Gründungsmitherausgebers Rainer Schützeichel Ende des vergangenen Jahres hat nicht nur uns tief erschüttert und berührt. Ohne ihn hätte es diese Zeitschrift in dieser Form nicht gegeben, das Jahr und dieses Heft beginnen daher mit einem Nachruf.
Das weitere Heft kontinuiert wichtige Themen der Gegenwartssoziologie, deren Diskussionsstränge gleichwohl unterschiedlich alt sind. Religion und Gesellschaftstheorie zu verknüpfen, war schon ein Ansinnen der Gründergeneration. So setzen wir zunächst das Forum zu Volkhard Krechs »Evolution der Religion« fort. Die Kommentare aus dem letzten Heft werden um die Beiträge von Rafael Walthert, Monika Wohlrab-Sahr und Joachim Renn ergänzt. Wie immer schließt eine Replik des Autors unser Forum ab. Die Diskussionen um den Stellenwert des Religiösen als auch um die Sprache der Evolutionstheorie zur Beschreibung gesellschaftlicher Entwicklung werden darüber hinaus fortgeführt – nicht zuletzt in unserer Zeitschrift.
Affekte als ein soziologisches Thema aufzufassen, kann nicht auf eine so lange Befassung zurückblicken, wie dies für die Religion gilt. Dafür wird Affekten gegenwärtig ein besonders hoher Stellenwert zugesprochen, wenn es um das Verstehen gesellschaftlicher Vorgänge und Prozesse geht. Auch hier zeigt sich unsere Zeitschrift beharrlich, denn wir setzen den Themenschwerpunkt Affektivität ebenfalls fort. Wie breit sich Affekte sozial- und gesellschaftstheoretisch thematisieren lassen, zeigen die Beiträge von Christian Helge Peters, Marc Strotmann, Nils Kumkar, Sarah Mönkeberg, Kerstin Jürgens & Markus Kurth sowie Anna Staab.
Der für Affektivität wichtige und maßgebliche Theoretiker Brian Massumi sprach von einer »affective contagion«, also von dem Phänomen, dass etwas vermeintlich Subjektives und nur Fühlbares gesellschaftlich streuen, weil ansteckend wirken kann. Eine vernetzte Gesellschaft ist dafür ein idealer Nährboden. Auch dieser Bezug macht Urs Stähelis »Soziologie der Entnetzung« zu einem interessanten Diskussionspartner. Diesem Buch widmet sich abschließend eine Rezension von Jasmin Siri.
Wir danken allen, die mit ihren Beiträgen und Gutachten zum Gelingen dieses Hefts beigetragen haben. Außerdem bedanken wir uns bei unseren Leser:innen für das Interesse. Sie können uns übrigens auch auf X (@ZtsHrsg) und Mastodon (@ZTS_ZeitTheoSoz@mastodon.social) folgen und weiterempfehlen.
Für die Hg.,
Marc Mölders

Inhalt 1-24

Editorial

Nachruf auf Rainer Schützeichel

Forum: Die Evolution der Religion (II)

Rafael Walthert
Ausdifferenzierung, Symbole und die gesellschaftliche Virulenz der Religion

Monika Wohlrab-Sahr
Ist Religion gesellschaftlich wirklich unhintergehbar?

Joachim Renn
Evolution am Beispiel der Religion – oder Religion als evolutionäres Faktum?

Volkhard Krech
Was steckt hinter (religiösen) Zeichen?

Schwerpunkt: Affektivität als Herausforderung für die soziologische Theorie (II)

Sarah Mönkeberg, Moritz von Stetten
Affektivität als Herausforderung für die soziologische Theorie
Einleitende Anmerkungen zu Teil 2

Helge Peters
Antimoderne Narrative in vitalistischen Affekttheorien

Sarah Mönkeberg, Kerstin Jürgens, Markus Kurth
In der Gegenwart der Affekte
Affizierungen in Tier Mensch Beziehungen

Nils Kumkar
Das Böse dahinter: Verschwörungstheorie, Populismus und die Kommunikation affektiver Polarisierung

Anna Staab
Affiziertes Erleben
Zur kommunikativen Form der Scham in Annie Ernaux’ La honte

Marc Strotmann
Auf der Suche nach Formen
Zur erzählerischen Darstellung von Affekten

Rezension

Jasmin Siri
Kein Anschluss unter dieser Nummer
Eine Rezension zu Urs Stähelis »Soziologie der Entnetzung« (2021)

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