Zeitschrift | Ausgabe

Mittelweg 36. Zeitschrift des Hamburger Instituts für Sozialforschung 32 (2023), 1

Renegaten. Konjunktur einer Kippfigur

Eine fast vergessene Sozialfigur ist auf die politische Bühne zurückgekehrt: der Renegat. Während sich in vielen Debatten die Fronten verhärten, erfreut sich die Selbsterzählung vom heroischen Wechsel der Seiten großer Beliebtheit. Die aktuelle Ausgabe widmet sich dieser Figur, ihren Auftritten und Inszenierungen und damit einem aktuellen Modus politischer Ab- und Ausgrenzungen.

»Die Renegateninszenierungen, die wir gegenwärtig beobachten, entsprechen nicht dem Muster der stigmatisierenden Fremdzuschreibung. Das Renegatentum wird vielmehr bewusst aufgesucht und ausgestellt, geradezu lustvoll zelebriert. Gemeinsam ist diesen Selbsterzählungen die heroische Pose, die Hand in Hand geht mit einer ausgeprägten Selbstviktimisierung. Die Renegatenfigur wird aufgegriffen, um sich gleichzeitig als Ausgestoßener, Geächteter und als mutiger Widerstandskämpfer oder rebellischer Freigeist inszenieren zu können.« Carolin Amlinger / Nicola Gess / Lea Liese

INHALT

Carolin Amlinger, Nicola Gess, Lea Liese
Renegaten. Zur Gegenwart politischer Ab- und Ausgrenzungen

Julian Müller
Der politische Konvertit als Fürsprecher seiner selbst

Philipp Felsch
Augenblick und Ewigkeit. Fluchtpunkte intellektueller Ernüchterung

Wolfgang Ullrich
»... eine solche, nahezu unbeschränkte Freiheit ist auch der Wunschtraum aller Rechten«. Ein Gespräch mit Wolfgang Ullrich

Adrian Daub
Der Campusroman der Neurotiker. Ursprünge und langer Nachhall der neokonservativen Renegatenpoetik

Albrecht Koschorke
Lechts und rinks. Seitenwechsel in Zeiten der Polarisierung

Astrid Séville
Renegatentum als politische Pose im Rechtspopulismus

Dirk Baecker
Ortstermin: Die Universität Bielefeld

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