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Mittelweg 36. Zeitschrift des Hamburger Instituts für Sozialforschung 35 (2026), 2

Auserzählt. Narrative vom Ende und das Ende der Narrative

Die Apokalypse ist die Geschichte vom Ende der Welt und sie wird seit Jahrhunderten immer neu erzählt. Angesichts von Klimawandel, Kriegen und Katastrophen haben apokalyptische Motive gegenwärtig wieder einmal Konjunktur: in Kunst, Literatur, Film und Politik. Woher stammt die anhaltende Faszination der Endzeiterzählungen? Und welche Rolle spielt das Ende für die Form des Erzählens? Kommt diese womöglich selbst an ihr Ende?

Den Auftakt machen die Gastherausgeber:innen Carolin Amlinger, David-Christopher Assmann, Urs Büttner und Florian Schmidt, die mit ihrem Text nicht nur in das Thema einführen, sondern einen eigenen Beitrag „Zur Kritik der Endzeiterzählung“ leisten. Anschließend beschreibt Niels Werber, wie „Ereignis und Erregung“ im politischen Diskurs der digitalen Gegenwart kurzgeschlossen werden und eine „Postnarrative Kommunikation“ hervorbringen, die zwar allgegenwärtig ist, aber mit ihrer Erzählstruktur auch ihrer sinnstiftenden Funktion verlustig geht. Was die „Zombieapokalypse und das Ende der Erzählung“ miteinander zu tun haben und welche Ängste die Sprachlosigkeit der Toten bei den Lebenden weckt, erläutert Elana Gomel anhand genretypischer Beispiele in ihrem Text „INVASION DER TOTEN (SPRACHEN)“. Einen anderen Akzent setzt Achim Landwehr. In „Folglich, nicht endlich“ wirbt er für eine kontextualisierende Geschichtsschreibung, die sich „Von den porösen Zeiten des Anthropozäns“ belehren lässt und historische Geschehnisse auf ihre Zusammenhänge befragt, statt sie von ihrem vermeintlichen Ende her zu denken. Mit der Form des Erzählens setzt sich sodann Sascha Michel auseinander, der anhand ausgewählter Texte zeigt, wie die Kritik an teleologischen, kausalen und realistischen Formen die Literatur verändert und „In den Ruinen der Narration“ neue Darstellungsweisen hervorgebracht hat. Zum Schluss des Themenschwerpunktes sprechen Ulrich Bröckling und Laura Wolters über Varianten und Wirkungen politischer Apokalyptik und deren besondere Attraktivität für linke wie rechte Theoretiker:innen und Bewegungen: „Die Welt geht unter, und wir sind dabei gewesen“.

Zum „Ortstermin“ begeben wir uns diesmal in die „Hamburger Volkshochschule, Schanzenstraße“, wo uns Noah Serve bei einem Rundgang durch das umliegende Viertel mit der wechselvollen Geschichte sowohl des Gebäudes als auch der in ihm beheimateten Institution vertraut macht.

Carolin Amlinger / David-Christopher Assmann / Urs Büttner / Florian Schmidt
Zur Kritik der Endzeiterzählung (S. 3)

Niels Werber
Ereignis und Erregung. Postnarrative Kommunikation (S. 16)

Elana Gomel
INVASION DER TOTEN (SPRACHEN). Zombieapokalypse und das Ende der Erzählung (S. 40)

Achim Landwehr
Folglich, nicht endlich. Von den porösen Zeiten des Anthropozäns (S. 57)

Sascha Michel
In den Ruinen der Narration (S. 81)

»Die Welt geht unter, und wir sind dabei gewesen« ( S. 103)
Ein Gespräch mit Ulrich Bröckling und Laura Wolters

Noah Serve
Ortstermin: Hamburger Volkshochschule, Schanzenstraße (S. 116)

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