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Mittelweg 36. Zeitschrift des Hamburger Instituts für Sozialforschung 35 (2026), 3

Unter Reichen

Glaubt man Hochglanzbildern und Social-Media-Posts, dann spielt sich das Leben der Schönen und Reichen vor unser aller Augen in der Öffentlichkeit ab. Doch der Eindruck täuscht. Die meisten Vermögenden scheuen das Rampenlicht und leben lieber im Verborgenen. Sie pflegen vornehme Zurückhaltung und bleiben unter sich. Grund genug, einmal genauer hinzuschauen und zu fragen, nach welchen Regeln diese exklusive Welt funktioniert: Wie wird man Teil der besitzenden Klasse? Welche Traditionen pflegt sie? Mittels welcher Praktiken erhält sie sich? Und welche Probleme treiben sie um? Kurz: Wie lebt es sich "Unter Reichen"?

In ihrer Einleitung beschreiben die Gastherausgeber:innen Nicole Burzan und Berthold Vogel, warum die Sozialwissenschaften „Auf der Suche nach gesellschaftlicher Wirklichkeit“ gut beraten sind, „Reichtum“ nicht nur in materieller, sondern auch in kultureller und habitueller Hinsicht in den Blick zu nehmen. Unter dem Titel „Spannungsfeld Vermögen“ präsentieren sodann Marliese Weißmann, Benjamin Neumann, Nicole Burzan und Berthold Vogel die Ergebnisse eines Forschungsprojekts, in dem sie mit Angehörigen vermögender Familien über deren Lebenssituation gesprochen und diese gefragt haben, was „Reichsein zwischen Freiheit und Bürde“ für sie bedeutet. „Die Mythen des verdienten Vermögens“ sind Gegenstand des Beitrags von Stefan Gosepath, Philipp Lepenies, Martyna Linartas, Christian Neuhäuser, Laura Opolka und Isabella Pfusterer. Sie analysieren, welche Narrative von interessierter Seite um die Begriffe Freiheit, Eigentum, Leistung und Erfolg gestrickt werden, und zeigen, wie diese zur Legitimierung von Reichtum und sozialer Ungleichheit dienen. „Langzeitperspektiven auf eine Geschichte mit vielen Akteur:innen“ entwirft Simone Derix, die beschreibt, warum es zumeist Familien und nicht Einzelne sind, die „Reich werden und reich bleiben“, und wieso es dafür in der Regel mehrere Generationen braucht. Um das spezifische Milieu des Adels und die Praktiken seiner sozialen Reproduktion geht es bei Käthe von Bose. In „Wahrscheinlich alles reiche Familien“ zeigt sie auf der Basis qualitativer Forschung zu Adelsverbänden, wie sich Exklusive „Zugehörigkeit als Kapital“ verstehen und gesellschaftlich ummünzen lässt. Wie Vermögende sozialisiert werden und „Besitzen lernen“, erläutert Hanna Kuusela, deren Beitrag „Generationenübergreifende Bedeutungen des Reichtums und die Klassenbildung in reichen finnischen Familien“ thematisiert. Am Ende des Themenschwerpunkts steht „Ein Gespräch mit Victoria Köcher“, die aus ihrem Arbeitsalltag als Abteilungsleiterin im Bereich Wealth Management der Deutschen Bank berichtet: „Das ist unser größtes Asset: Diskretion“.

Zum „Ortstermin“ bitten wir diesmal standesgemäß nach Schloss Assenheim, wo sich der Familiensitz der Grafen zu Solms-Rödelheim und Assenheim befindet. Während die Anlage heute privat genutzt wird, bildete das feudale Herrenhaus zwischen 1924 und 1932 einen exklusiven Wissensort, an dem sich Angehörige der Geistes- und Sozialwissenschaften zum Gedankenaustausch trafen. Alexander Wierzock macht uns mit den illustren Gästen bekannt, die „Im Forscherheim Assenheim“ verkehrten, lässt uns an ihren Gesprächen teilhaben und erzählt die Geschichte der für ihre Zeit einmaligen Institution.

Berthold Vogel / Nicole Burzan
Reichtum. Auf der Suche nach gesellschaftlicher Wirklichkeit (S. 3)

Marliese Weißmann / Benjamin Neumann / Nicole Burzan / Berthold Vogel
Spannungsfeld Vermögen. Reichsein zwischen Freiheit und Bürde (S. 9)

Stefan Gosepath / Philipp Lepenies / Martyna Linartas / Christian Neuhäuser / Laura Opolka / Isabella Pfusterer
Die Mythen des verdienten Vermögens (S. 45)

Simone Derix
Reich werden und reich bleiben. Langzeitperspektiven auf eine Geschichte mit vielen Akteur:innen (S. 67)

Käthe von Bose
„Wahrscheinlich alles reiche Familien". Exklusive Zugehörigkeit als Kapital (S. 84)

Hanna Kuusela
Besitzen lernen. Generationsübergreifende Bedeutungen des Reichtums und die Klassenbildung in reichen finnischen Familien (S. 100)

„Das ist unser größtes Asset: Diskretion" (S. 122)
Ein Gespräch mit Victoria Köcher

Alexander Wierzock
Ortstermin: Im Forscherheim Assenheim (S. 131)

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