Christian Dries | Literaturessay |

Jenaer Selbstdiagnose

Literaturessay zu „Situation und Konstellation. Vom Verschwinden des Spielraums“ von Hartmut Rosa

Abbildung Buchcover Situation und Konstellation von Rosa

Hartmut Rosa:
Situation und Konstellation. Vom Verschwinden des Spielraums
Deutschland
Berlin 2026: Suhrkamp
247 S., 25,00 EUR
ISBN 978-3-518-58833-8

Die moderne Gesellschaft, so erfahren wir in Hartmut Rosas neuestem Werk Situation und Konstellation, hat ein Problem. Es ist dieses Mal nicht das Zuviel an Beschleunigung, das Rosa ihr vor über zwanzig Jahren attestierte, und auch nicht ein Zuwenig an Resonanz (Rosas Antidot gegen überhöhtes Sozialtempo),[1] sondern die Verwandlung situativ, erfahrungsgesättigt und urteilskräftig handelnder Menschen in entfremdete Vollzugsbeamte gesellschaftlicher Regeln und – zunehmend digitalisierter – Vorgaben (vgl. S. 10 f.). Wo „an die Stelle menschlichen Urteilens und erfahrungsbasierten Handelns agentielles Vollziehen tritt, […] verschwinden die Ermessensspielräume, verkümmert die Urteilskraft und wird die Kreativität menschlichen Handelns aus den alltäglichen Praxisvollzügen eliminiert“, so Rosa (S. 18). Dieses unheilvolle „Verschwinden des Ermessens- und Handlungsspielraums“ mündet bei dem Jenaer Soziologen mit ausgewiesenem Faible für heikle physikalische Metaphern[2] in die Diagnose eines „individuellen und kollektiven Energieverlust[s] der Gesellschaft“ (S. 21), dem nur mit einer „Rehabilitierung menschlicher Urteilskraft und (kreativer) Handlungsfähigkeit auf allen Ebenen der sozialen Existenz“ beizukommen sei (S. 19; meine Hervorh., C.D.).

Seinem abschließenden Plädoyer – mit dem das Buch in Kapitel IX endet – nähert sich Rosa (abzüglich der Einleitung (Kap. I)) in acht Schritten: Auf den anekdotenhaften Einstieg (Kap. II) folgt das Versprechen einer gleichermaßen „systemisch[en] und systematisch[en]“ (S. 47) Klärung der beiden titelgebenden Grundbegriffe und des philosophischen (in diesem Fall an Kant orientierten) Konzepts der Urteilskraft (Kap. III), dem sich ein Lob der konstellativen Klarheit anschließt, dessen Funktion es freilich ist, die Behauptung vom Überhandnehmen des Konstellativen zu stützen (Kap. IV). Die Kapitel V bis VII spielen die Grundgedanken des Buchs auf zwei gesellschaftlichen Feldern – Politik beziehungsweise Gesetzgebung und Wissenschaft beziehungsweise Philosophie – durch und bündeln das zuvor Gesagte in Überlegungen zur (digitalisierungsbedingten) „Verschiebung von Aufmerksamkeitsfokus und Willensstruktur“ (S. 145), um auf dieser Basis in Kapitel VIII die These vom kollektiven Energieverlust („Mehltau des Lebens“, S. 161) zu entfalten.

Auch in diesem Buch geht es also wieder ums ganz große Sozialformat, das Rosa in mehrfach bewährter Manier über die – in der Erzähltechnik stark an Richard Sennett erinnernde[3] –Schilderung eigener wie fiktionalisierter individueller Widerfahrnisse und die Überzeugungskraft der (bisweilen ziemlich märchenhaften) Anekdote erschließt. Auftritt: das elfjährige Mädchen, dem in „einer hippen Fast-Food-Kette“ (S. 7) der vom zusammengesparten Taschengeld sehnsüchtig erworbene Burger auf den Boden fällt, ohne dass der vom Kinderschicksal gerührte, aber durch Vorschriften gehemmte Angestellte ihn ersetzen dürfte. Ähnlich ergeht es bei Rosa dem Fußballschiedsrichter, der sich im emotional aufgeladenen Abschiedsspiel des scheidenden Freiburger Publikumslieblings Nils Petersen gezwungen sah, dessen „Traumtor“ nachträglich abzuerkennen, weil der „Video-Assistant-Referee (VAR)“ aus dem fernen „Kölner Videokeller“ auf vorhergegangenes Foulspiel entschied; ein Stimmungskiller, der angeblich sogar die gegnerischen Fans „betroffen“ machte, wie Rosa zu berichten weiß (S. 8 f.).

Die moderne Konstellation

Hier wie in anderen Fällen seien die Beteiligten gefangen in einer Konstellation. Darunter versteht der als passionierter Hobbyastronom bekannte Rosa im Anschluss an den Phänomenologen Hermann Schmitz[4] „eine Anordnung von eindeutig identifizierbaren Einzeldingen, die zueinander in einer festgelegten, messbaren und oft binär codierten Beziehung stehen“ (S. 12). Handlungskonstellationen, so Rosa, zergliedern und reduzieren menschliches Handeln demzufolge in einzelne, aufeinander abgestimmte und in ihrer Ausführung vorbestimmte (wissenschaftlich-technisch und juristisch reduzierte), eben konstellierte Handlungsschritte. Diese ließen sich nun idealerweise (technisch) erfassen und bewerten und somit kontrolliert, aber auch unreflektiert ausführen respektive unabhängig von der konkreten Handlungssituation wiederholen, was aus Handelnden bloße Agenten, ja letztlich bessere Sozialmaschinen mache (vgl. S. 47). Eine besonders unselige Rolle spielt dabei, was Rosa auf den Begriff der „parametrischen Optimierung“ (S. 146) bringt, das heißt der „Prozess, in dem mehr und mehr Aspekte des Lebens digital erfasst und vermessen, systematisch verglichen und schließlich zielstrebig optimiert (oder jedenfalls bearbeitet) werden“ (S. 148). Alles, was genuin menschliche Erfahrung auszeichne, also die individuelle Aneignung, Beurteilung und Bemeisterung einer Situation (oder einer Fähigkeit) – in Rosas Resonanzterminologie: „die Anverwandlung eines Weltausschnittes“ –, bleibe so „auf der Strecke“ (S. 43). Und wo es keine echten Handlungsspielräume mehr gibt, da verschwindet Rosa zufolge auch der Mensch als moralisches, das heißt handlungsmächtiges und daher für sein Handeln verantwortliches Wesen (vgl. S. 34).[5]

Auch wenn er sich mit seinem jüngsten Buch in die anschwellenden Klagegesänge auf die Regelwut der Moderne einreiht,[6] eine simple Verfallsgeschichte erzählt Rosa nicht. Mit den klassischen Gewährsmännern Max Weber und Georg Simmel betont er zugleich, dass spezifisch moderne Rationalisierungs- und Individualisierungsprozesse menschliche Handlungsspielräume (zunächst) durchaus erheblich erweitern – nicht zuletzt deshalb, weil sie die Privilegien und die Willkür Weniger zugunsten erweiterter Handlungsmöglichkeiten Vieler beschränken, etwa indem sie für Rechtssicherheit und Planbarkeit sorgen (vgl. S. 79 und S. 92). Rosa ist sich durchaus darüber im Klaren, dass es meist die Mächtigen sind, die sich über mangelnde Handlungsspielräume beklagen und, wie unlängst der ehemalige Vorstandsvorsitzende des VW-Konzerns Matthias Müller, gerne das kollektive Abdriften in den handlungsenergetisch bankrotten „Vollkaskostaat“ herbeifabulieren.[7] Regeln, Normen und kodifizierte Verfahrensweisen sind daher auch für ihn nicht bloß restriktiv, sondern (wie die Macht bei Michel Foucault) immer auch produktiv; sie schränken Freiheit ein – manchmal über Gebühr –, ermöglichen sie aber auch.

Mehr Handeln wagen!

Demgegenüber erweisen sich die von Rosa grundbegrifflich von Konstellationen abgesetzten Handlungssituationen als „konstitutiv unscharf“ (S. 48), das heißt, sie haben „einen Überschuss an (auch diffusen und atmosphärischen) Bedeutungen“ (S. 52 f.), was bekanntlich zwar die Bewegungsfreiheit erhöht, aber auch allen möglichen Formen der Eigenmächtigkeit und des Missbrauchs Tür und Tor öffnet. Rosa ist sich dessen voll bewusst (vgl. S. 205) und endet dennoch meist auf einem beherzten ‚Ja, aber‘. So können uns „Augenmaß und Fingerspitzengefühl“ – Rosas Westentaschendefinition von Urteilskraft und das quasi-aristotelische Mantra seines Buchs (S. 59; vgl. auch S. 65) – zwar in praktisch jeder Situation verlassen. Dass die Urteilskraft immer wieder versage, sei jedoch „einfach eine unvermeidliche Begleiterscheinung menschlichen Handelns“ (S. 88), die in Kauf genommen werden müsse, wolle man den sozialen Burnout der konstellativen Spätmoderne vermeiden.

Zu diesem Behufe mobilisiert Rosa – man ist versucht zu sagen: wie heute üblich – „die Lebensweisheit außereuropäischer (Wissens‑)Traditionen“, um sie gegen den Ungeist der Moderne in Stellung zu bringen, und zwar in Gestalt zweier Konzepte, die er vom in Rio de Janeiro lehrenden Rechtstheoretiker Florian Hoffmann übernimmt und die praktischerweise 

„die Notwendigkeit der flexiblen Erschließung von kreativen, innovativen, situativen Handlungsspielräumen sowohl mit der Logik von Bürokratie, Routine und Technik als auch gegen sie sprachlich und praktisch anerkennen und sie immer schon mitbedenken“ (S. 195). 

Das aus dem indischen Punjabi stammende Wort Jugaad dient Rosa dabei als Label für die (wenig neue) Kreativtechnik, Neues aus Vorhandenem zu machen, während Jeitinho – Portugiesisch für ,kleiner Weg‘ – bei ihm „ebenfalls das kreative, flexible, innovative und oft improvisierte Umgehen eines formal vorgegebenen, praktisch aber nicht gangbaren Pfades zu einer situationsadäquaten Lösung“ meint (S. 196). Beide Begriffe bezeichnen auf ihre Weise also „das Außerkraftsetzen einer konstellativen Vollzugslogik zugunsten einer angemessenen oder brauchbaren Antwort auf eine Handlungssituation“ (S. 197). Mehr Handeln wagen, lautet die Devise!

Neben dieser ziemlich allgemeinen Empfehlung plädiert Rosa vor allem – und auch hier recht wolkig – für ein revitalisiertes „Vertrauen in die erfahrungsbasierte Urteilskraft des jeweils anderen“ als „Grundmodus der Interaktion“ sowie für eine institutionell zu etablierende „Hermeneutik des Zutrauens“ (S. 216 f.). Die Evidenz, dass dieser erhoffte Kulturwandel „die Zufriedenheit, die Handlungsenergie und sogar die Produktivität von Arbeitskräften“ steigere, erscheint dem Kritiker der modernen Steigerungslogik „überwältigend“ – vorausgesetzt freilich, die dadurch (wieder-)gewonnenen Spielräume würden nicht „im Sinne neoliberaler Interessen“ vereinnahmt, was Rosa im Einzelfall durch die Installation (logischerweise konstellativer) „Meta-Supervisionssystem[e]“ zu verhindern gedenkt (S. 217 f.).

Grundbegrifflicher Manichäismus oder: Böses Lego, gutes Lego

Spätestens hier beschleicht den geneigten Leser der Verdacht, dass Rosas Rechnung nicht aufgeht. Zwar kann die von ihm versammelte „Vielzahl von sehr heterogenen Beobachtungen und Erfahrungen“ (S. 134) im Sinne einer Phänopathologie des konstellativen Alltagslebens einige Plausibilität beanspruchen. Wer wäre nicht schon vor einer digitalen Eingabemaske oder im Brandschutzvorschriftenlabyrinth verzweifelt? Auch ließe sich Rosas Tableau problemlos erweitern, etwa um die Sozialfigur des Spekulanten, über die Urs Stäheli schon vor über 15 Jahren schrieb, sie habe sich vom virtuosen „Zukunftskünstler und Kontingenz-Junkie“ zum Technokraten gewandelt,[8] sprich: zum bloßen Vollstrecker algorithmenbasierter trading machines. Darüber hinaus wartet Rosa sogar mit handfesten Belegen für den diagnostizierten sozialen Klimawandel auf, zum Beispiel das faktische Überhandnehmen bürokratischer Regulierung in Unternehmen und Behörden (vgl. Anm. 15 auf S. 30). In der Gesamtschau aber erweist sich manche auf den ersten Blick einleuchtende Beobachtung oder Fallgeschichte schließlich als „zweifelhafte Behauptung“, wie Christoph Möllers in seiner Buchbesprechung konstatiert.[9] Eigenwillig, so Möllers, seien ferner die Verweise. Selbst einschlägige Autoren würden nur „pflichtschuldig“ erwähnt, sodass das ganze Unterfangen begrifflich „dürftig“ bleibe.[10] Dem ist in allen Punkten zuzustimmen.

Es sind Rosas eigene Lieblingsbeispiele – Legobauen nach Anleitung (vgl. 55 f., S. 71, S. 73 f., S. 82 ff., S. 166 und S. 177) und Kochen mit dem Thermomix (vgl. S. 59, S. 74, S. 166, S. 188 und S. 219) –, die dieses harsche Urteil stützen. Schon an ihnen lassen sich die theoretischen Defizite des Buches festmachen: Weder kann der Autor stichhaltige Belege dafür angeben, dass und inwiefern die kreative Lego-Bricolage und das traditionelle Selberkochen dem nach Bauplan zusammengefügten Piratenschiff oder einer automatisch zubereiteten Mahlzeit vorzuziehen wären, noch legt er schlüssig dar, warum das Legobauen nach Anleitung ebenso wie das Kochen mit dem Thermomix bei regelmäßiger Ausführung zu den unterstellten Nebenwirkungen (Erfahrungsverlust, Urteilskraftlosigkeit, bloßes Vollziehen statt Handeln) führen. Zudem zieht er trotz gelegentlicher rhetorischer Zugeständnisse (vgl. S. 134 f.) nicht ernsthaft in Betracht, dass der Thermomix manchem Küchenmuffel womöglich erst den Zugang zu eigenständigeren Formen der Nahrungszubereitung eröffnet, die im Übrigen auch ohne entsprechende Geräte meist eine ziemlich konstellative, das heißt regelbasierte und repetitive Tätigkeit ist. Und man muss beileibe kein Experte für frühkindliche Entwicklung sein, um sich klarzumachen, dass gerade das von Rosa so geschmähte Bauen nach Anleitung eine der wesentlichen Voraussetzungen für die Entfaltung freien Spiels ist – wie fast überall und später im Leben ein gerüttelt Maß an regelgeleitetem Nachvollzug, Auswendiglernen und stupider Wiederholung Basis jedweder kreativer Durchbrüche ist, auch und gerade dort, wo Höchstleitungen vollbracht werden.

Wer überdies (auch hier: ohne jeden Beleg) behauptet, dass im angeleiteten Legobauen Gefühle „gegenüber der vollziehenden Tätigkeit irrelevant“ bleiben und Handeln und Gefühl sich nicht wechselseitig „formen und färben“ (S. 166), hat noch nie ein Kind seinen ersten Legobausatz fertigstellen sehen. Diese und ähnliche Passagen legen nahe, dass Rosa wesentliche Einsichten des eigenen Ansatzes nicht beherzigt, gehört es doch zu den bereits bei Martin Heidegger formulierten Grundgedanken der phänomenologischen Tradition, der Rosa den für ihn zentralen Situationsbegriff entnimmt, dass jede Tätigkeit „je schon immer gestimmt ist“, und nicht nur die „gehobene Stimmung“ das menschliche Dasein für sich selbst „erschließt“.[11] Wenn aber jede Weltbegegnung gestimmt ist, kann auch die konstellative Tätigkeit nicht affektneutral gedacht werden. Für Rosa hingegen spielen Gefühle in Konstellationen „keine Rolle“ und sind „in der konstellativen Tätigkeit geradewegs stillgestellt und ausgeschlossen, oder […] ausgeklammert“ (S. 165). Das passt zum grundbegrifflichen Manichäismus, der Rosas Buch durchzieht und der die bisweilen ausgestellte Ambiguitätstoleranz Lügen straft: „Konstellationen schließen uns als handelnde Akteure gleichsam aus, Situationen schließen uns ein.“ (S. 158) Oder: 

„Wenn uns der Alltag heute farblos, freudlos und grau erscheint, dann liegt dies (auch) daran, dass unsere Subjektivität in der vollziehenden Tätigkeit als irrelevant, stillgestellt oder als Störfaktor erscheint. Das Produkt oder Ergebnis unseres Tuns mag dabei perfekt sein […]. Aber die Wechselwirkung zwischen uns und der sozialen wie der materialen Welt ist in ihrer technisierten (oder bürokratisierten) Form nicht nur entemotionalisiert, sondern auch entsubjektiviert: Sie bringt nichts von uns zum Ausdruck.“ (S. 192; meine Hervorh., C.D.)

Konstellative Kolonisierung: Entfremdung à la Rosa

Für einen Autor, der sich selbst der Kritischen Theorie zuschlägt, dokumentieren diese Passagen einen erstaunlichen Mangel an dialektischer Finesse. Dabei hätte Rosa schon vom Stammvater der Theoriefamilie lernen können, dass das kreative „Reich der Freiheit“ erst auf der Basis eines – gut konstellierten – Reichs der Notwendigkeit erblüht,[12] von den nicht intendierten Autonomiegewinnen der Herr-Knecht-Konstellation ganz zu schweigen.[13] Allein, der olle Marx kann ihn mal, wie Rosa im ZEIT-Interview freimütig gesteht.[14] Ähnlich nachlässig bis ignorant geht er mit anderen einschlägigen Referenzgrößen um, allen voran Immanuel Kant, dessen Urteilskraftbegriff er lediglich pflichtschuldig und unvollständig zitiert. Zwar erkennt Rosa, dass Urteilskraft in Digitalisierungsprozessen „technisch […] materialisiert“ wird, lässt Kants grundlegende Unterscheidung zwischen reflektierender und bestimmender Urteilskraft aber ebenso links liegen wie Max Horkheimers einschlägige Studie Zur Kritik der instrumentellen Vernunft.[15] Grundlegende Differenzen sind dafür sicher keine Ursache, eher vielleicht zu große Familienähnlichkeiten. Denn auch bei Rosa hat sich das „Programm der Modernisierung“ (S. 95) vom kulturellen „Projekt der Moderne“ (Jürgen Habermas) abgekoppelt; aus dem Versprechen der Entfesselung menschlicher Spontaneität ist die Dystopie der verwalteten Welt geworden, in der die „Kreativität des Handelns […] geradezu erstickt“ wird (S. 97). Das ist alter Theoriewein in neuen Schläuchen.

Doch ihr eigentliches Pathos bezieht Rosas habermasianisch anmutende These von der modernen Tendenz zur konstellativen Kolonisierung der Lebenswelt ohnehin von einer anderen Denkfigur, die über Friedrich Schiller und den von diesem inspirierten jungen Marx deutliche Spuren in der Kritischen Theorie hinterlassen hat. Sie wird im Buch nicht explizit genannt, obwohl sie es zweifellos prägt – und letztlich auch scheitern lässt. Das ist zuvor schon Christoph Möllers aufgefallen, der in seiner Rezension auf Rosas „Jenenser Vordenker“ Novalis verweist.[16] Und tatsächlich lässt Rosa im letzten Kapitel endlich die entfremdungstheoretische Katze aus dem Sack: Hier tritt uns die Moderne als eine Welt der „Erfahrungsblockaden“, ja des „Verlust[s] von Erfahrungen“ (S. 184, S. 186 und S. 189) und der „Stillstellung der Emotionen“ (S. 189) entgegen; ein Sozialraum des konstellativen Vollziehens, dessen Produkte nicht mehr „expressiv“ sind, das heißt „kein (adäquater) Selbstausdruck ihres Schöpfers“ (S. 188), und in dem man sich nicht mehr „[i]m Handeln selbst aufs Spiel setzen“ kann (S. 189), weil sich der „Mehltau des Lebens“ (S. 161) über jede Initiative legt. Wie heißt es dazu schon bei Schiller? 

„[E]wig nur das eintönige Geräusch des Rades, das er umtreibt, im Ohre, entwickelt er nie die Harmonie seines Wesens, und anstatt die Menschheit in seiner Natur auszuprägen, wird er bloß zu einem Abdruck seines Geschäfts, seiner Wissenschaft.“[17] 

Und dass der Proletarier sich unter kapitalistischen Produktionsbedingungen nicht mehr in seinen eigenen Arbeitsprodukten ausdrückt, kann man bereits in Marx’ Ökonomisch-philosophischen Manuskripten von 1844 nachlesen, deren Autor die dort entfaltete Entfremdungstheorie unter dem Eindruck seiner Stirner-Lektüre kaum ein Jahr später wieder korrigiert hat.[18]

Weil er in diesen romantischen Bahnen denkt, entgeht Rosa letztlich auch die Crux an der Geschichte, die er erzählt: dass das authentischere Leben vor den konstellativen Zumutungen der Moderne – das gute Leben vor dem Thermomix – eine Illusion ist. Gegen diese Arten ideologischen Scheins war die Soziologie einst angetreten. Zu ihren Waffen gehörte dabei stets ein elaboriertes Geschichtsverständnis, dessen Mangel viele Zeitdiagnosen unbrauchbar macht. Man frage sich nur, was die Zeitgenossen Franz Kafkas zu Rosas Konstellationsthese gesagt hätten. Waren ihre Handlungsspielräume größer oder kleiner? Haben sie ohne Thermomix kreativer gekocht und sich dabei besser gefühlt? Wie alle Entfremdungsdiagnosen, die ihre eigenen theoretischen Voraussetzungen nicht explizieren, erhält man bei Rosa darauf keine befriedigende Antwort (die es obendrein wohl auch nicht geben kann).

Wiederverzauberung der Moderne

Was also bleibt von Rosas „Verdacht, dass mit dem spätmodernen Gefühlshaushalt etwas nicht stimmt“ (S. 163), von der Großthese des gesamtgesellschaftlichen Energieverlusts? Auch hier schlägt zu Buche, was Dieter Thomä in seiner Kritik der Rosa’schen Metaphorologie als Neigung zum „Wischiwaschi“ bezeichnet hat.[19] Wer seine Tage bloß vollzieht, fühlt sich nach Rosa energielos; wer wieder handelt, oder wie es heute im Beratersprech heißt: ,ins Handeln kommt‘, der ,tankt‘ neue Energie (vgl. S. 168). Wie das genau funktioniert, woher die Energie kommt, wohin sie geht, wer sie warum verliert oder (von wem) erhält und was eigentlich ein stimmiger sozialer Gefühlshaushalt wäre – all das bleibt in Rosas sozialer Physik, die offenbar noch nie etwas vom Energieerhaltungssatz gehört hat, unbekannt. Auch die Thesen zur ansteigenden Jugendgewalt oder zum erstarkenden Rechtspopulismus und Autoritarismus der Gegenwart, die Rosa en passant als Ausbruch konstellativ gestauter Handlungsenergie deutet, wirken regelrecht hingeschludert. Und glaubt der Autor wirklich, dass „westliche Gesellschaften“ – zu denen ja auch Portugal gehört, dessen Sprachspiel das Konzept des Jeitinho entstammt – „über kein kulturell etabliertes, legitimiertes, alltagspraktisch verankertes Konzept für die kreative Erschließung von Spielräumen“ verfügen (S. 199)? Als gäbe es neben dem von Stefan Kühl so benannten (und von Rosa auch zitierten) Prinzip „brauchbarer Illegalität“ in Organisationen[20] – in denen ein Großteil unseres alltäglichen Handelns stattfindet – keine anderen etablierten Strategien des Durchwurschtelns und der unkonventionellen Problemlösung.

Aufschlussreich ist immerhin, was man zwischen den Zeilen über Rosas Vorstellung vom guten Leben erfährt. Es besteht, wie der Autor zu Beginn des zentralen siebten Kapitels lapidar schreibt, im „Handeln“ (S. 161), das heißt genauer darin, dass Menschen „Handlungsmöglichkeiten tastend ausprobieren und dabei sich selbst und die Welt fortwährend formen und umformen“ (S. 186), um auf diese Weise „zunehmend Augenmaß, Fingerspitzengefühl und Urteilskraft“ zu entwickeln (S. 191). Offensichtlich gehorcht die Jenaer Soziologie der Weltbeziehungen selbst dem aktivistischen Paradigma, das Rosa in seiner Beschleunigungsdiagnose kritisiert: Der heroisch-expressive Lebensvollzug des spätmodernen Situationsromantikers steht unter dem Primat der Potenzierung aller Selbst- und Weltverhältnisse. In der hochenergetischen Resonanzgesellschaft wird „fortwährend“ und „immerfort“ (S. 186) agiert, um sich „zunehmend“ (S. 191) in der Welt auszuprobieren und auszubreiten, wobei das Idealbild dieser von konstellativen Fesseln weitgehend befreiten Sozialform dem ewigen gesellschaftlichen Spielenachmittag zu entsprechen scheint, den Marx und Engels (wohl nicht ohne Ironie) im Konvolut zur Deutschen Ideologie skizziert haben.[21] Darüber hinaus verbindet Rosa mit der Gesellschaftskritik der kritisch-theoretischen Urväter wenig. Sein Appell zur Wiederverzauberung der Moderne richtet sich in erster Linie ans überforderte Individuum: gesellschaftlicher Wandel als energetische Aktivierungsübung. Kapitalismus und Klassenkonflikte, technische Infrastrukturen und die Macht der Tech-Oligarchen (deren Konstellativprodukte uns einspannen und ausbeuten, die wir aber auch lustvoll bedienen[22]) – Fehlanzeige. Darüber hinaus fragt man sich, von welchen Zeitgenossen bei Rosa eigentlich die Rede ist. Von uns allen, suggerieren die Beispiele. Soziologisch kann das kaum befriedigen.

Ganz abgesehen davon krankt das Buch grundlegend an der von Robert Merton als Post factum-Interpretation bezeichneten Malaise: Man baut die Theorie um vorgefundene (oder in diesem Fall auch ausgedachte) Beispiele herum und passt notfalls die Beispiele der Theorie an, statt sie dem Stresstest der – möglicherweise scheiternden – Prognose auszusetzen.[23] Vielleicht sollte man es daher einfach als großen Seufzer eines vom akademischen Betrieb mit seinen bürokratischen Exzessen, Drittmittelpsychosen und Gremien-Gremlins entnervten Ordinarius verstehen. Als flott von der Seele geschriebener Befreiungsschlag im experimentell-essayistischen Theoriegewand erlaubt es sich jedenfalls selbst mindestens so viel Spielraum, wie Rosa dem begabten Nachwuchs zugesteht, wenn er Bestnoten für originelle Hausarbeiten verteilt, denen es ‚nur‘ noch an Form und Stringenz mangelt (vgl. S. 24 ff.).

Das Elend der Zeitdiagnose

Das ist nun einerseits alles derart spitzbübisch-sympathisch, dass man dem Autor die zahlreichen Unzulänglichkeiten seines neuesten Werks gerne durchgehen ließe. Diese scheint Rosa bisweilen selbst zu sehen, etwa wenn er sich der Spekulation zeiht (vgl. S. 109), und man muss ihn beinahe dafür bewundern, wie er die Einsicht in eigene Widerfahrnisse und menschliche Schwächen (nicht zum ersten Mal) zum methodischen Prinzip promoviert. Damit hat er sich erfolgreich zum ewigen Stenz der Gegenwartssoziologie hochgeschrieben: ein bisserl was geht bei ihm immer.[24] Und freilich muss, wer aus der Hüfte zielt, ja noch lange nicht danebenschießen! Aber es bleibt andererseits doch meist nur beim Zufallstreffer. Genau das ist wahrscheinlich ein Ausdruck jener aufmerksamkeitsökonomischen und von Rosa selbst als Beschleunigungsnebenfolge hinlänglich beschriebenen Konstellation, die heute – um ebenfalls eine These zum Genre beizutragen – immer mehr zeitdiagnostische Schnellschüsse hervorbringt. Denn auch die akademische Sphäre funktioniert längst nach plattformökonomischen Produktions- und Verwertungslogiken, wie Tanja Prokić bemerkt, wenn sie gegenwärtig zirkulierende Theorieangebote mit digitalem Content vergleicht, der sich vor allem dadurch auszeichnet, dass er „,sticky‘, ,flat‘ und ,spreadable‘“ ist, das heißt, beim Publikum verfängt und weiter zirkuliert, „ohne allzu spezifische Erklärungskraft zu entfalten“.[25]

Anders und frei nach Pascal gesagt, liegt das Elend der Zeitdiagnostik gewiss zu einem Großteil darin begründet, dass ihre Protagonisten keine Zeit mehr finden, ruhig in einem Zimmer zu sitzen und ein Buch zu lesen. So rächt sich an vielen neuralgischen Stellen von Rosas Buch, dass der in der Konstellation des eigenen Erfolgs gefangene Autor keine Muße für gründliche Begriffsarbeit zu theoretischen Großkonzepten wie Erfahrung, Urteilskraft, Spiel und nicht zuletzt Energie[26] mehr findet, vom Regelbegriff ganz zu schweigen. Immerhin bleibt Rosa in dieser Hinsicht erfrischend ehrlich: Statt eine dürre These mit dem guten alten Hausmittel überlanger Literaturverzeichnisse gegen den Vorwurf frei flottierender Assoziation zu immunisieren, findet man bei ihm an Referenzen vor allem das, was er entweder schon lange im Gepäck hat oder was ihm dort zugefallen ist, wo er sich akademisch (meistens) aufhält. Am aufschlussreichsten an diesem Stück Gegenwartsdiagnostik sind daher seine Produktionsbedingungen, über die das Nachwort ebenso beredte Auskunft gibt wie das anekdotische Erzählgerüst und die von Möllers „eigenwillig“ genannten Literaturverweise[27] – darunter auffallend häufig Arbeiten langjähriger Kolleginnen, Jenaer Habilitationsschriften oder zufällige Kongressbegegnungen. Auf diese Weise ist, wie Norman Philippen treffend schreibt, ein „eloquent harmlose[s] Buch“[28] zustande gekommen, das weniger eine Zeitdiagnose ist als vielmehr eine Selbstdiagnose der Jenaer Konstellation.

  1. Vgl. Hartmut Rosa, Beschleunigung. Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne, Frankfurt am Main 2005; und ders., Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehungen, Berlin 2016.
  2. Vgl. die kritische Betrachtung von Holger Schulze, Klangkolumne. Resonanz, in: Merkur 70 (2016), 808, S. 75–80; sowie die Rezension von Dieter Thomä, Soziologie mit der Stimmgabel, in: Die Zeit, 16.6.2016.
  3. Man vergleiche Sennetts sozialphilosophische Storytelling in Der flexible Mensch. Die Kultur des neuen Kapitalismus (übers. von Martin Richter, Berlin 1998) oder das Intro von Handwerk (übers. von Michael Bischoff, Berlin 2008).
  4. Vgl. Hermann Schmitz, Situation und Konstellation. Wider die Ideologie totaler Vernetzung, Freiburg/München 2005.
  5. „Wo es Spielräume gibt, begegnen wir uns als Wesen, die moralische Erwartungen an einander haben“, so Rosa (S. 34). Dass Rosas Buch auch und vor allem als „moralphilosophische Untersuchung“, mithin als Beitrag zur philosophischen Anthropologie verstanden werden kann, bemerkt treffend Iley Fröhlich, Hartmut Rosa: Situation und Konstellation. Vom Verschwinden der Spielräume [26.3.2026], in: Zeitschrift für Ethik und Moralphilosophie 9 (2026), 1. Fröhlich weist zudem darauf hin, dass Günther Anders bereits 1956 einen in mancher Hinsicht verwandten, aber ungleich elaborierteren Ansatz zur Frage des Handelns in (hochgradig technologisierten) Konstellationen vorgelegt hat. Vgl. Günther Anders, Die Antiquiertheit des Menschen, Bd. 1: Über die Seele im Zeitalter der zweiten industriellen Revolution, Neuausg., München 2018.
  6. Vgl. Lorraine Daston, Regeln. Eine kurze Geschichte, übers. von Michael Bischoff, Berlin 2023, S. 33. Nebenbei bemerkt: Eine belastbare Zeitdiagnose hätte diesen Befund der zunehmenden Klagegesänge, zu denen sie selbst gehört, selbstverständlich mitzureflektieren.
  7. Siehe https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_101167718/ex-vw-chef-matthias-mueller-wir-sind-auf-dem-weg-in-eine-ddr-2-0-.html [26.3.2026].
  8. Vgl. Urs Stäheli, Der Spekulant, in: Stephan Moebius / Markus Schroer (Hg.), Diven, Hacker, Spekulanten. Sozialfiguren der Gegenwart, Berlin 2010, S. 353–365, hier S. 356 und S. 360 f.
  9. Vgl. Christoph Möllers, Jetzt kämpft Hartmut Rosa gegen den Regelwahn [26.3.2026], in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.1.2026.
  10. Ebd.
  11. Martin Heidegger, Sein und Zeit [1927], 19. Aufl., Tübingen 2006, S. 134.
  12. Vgl. Karl Marx, Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Dritter Bd., Hamburg 1894, mit einem Geleitw. von Bertram Schefold, bearb. von Regina Roth, Eike Kopf und Carl-Erich Vollgraf, unter Mitw. von Gerald Hubmann (= Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA), Band II.15, hrsg. von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung Amsterdam), Berlin 2004, S. 794.
  13. Vgl. Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Gesammelte Werke, Bd. 9: Phänomenologie des Geistes [1807], hrsg. von Wolfgang Bonsiepen / Reinhard Heede, in Verb. mit der Hegel-Kommission der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste und dem Hegel-Archiv der Ruhr-Universität Bochum, Hamburg 1968, S. 109–116.
  14. Vgl. Hartmut Rosa, Welchen Spielraum haben wir noch? [26.3.2026], in: Zeit Online, 18.1.2026.
  15. Vgl. Immanuel Kant, Kritik der Urteilskraft, in: ders., Werke in sechs Bänden, Bd. 5, hrsg. von Wilhelm Weischedel, 6. Aufl., Darmstadt 2005, S. 233–620, hier S. 251 (B xxvi); und ders., Kritik der reinen Vernunft (= Werke in sechs Bänden, Bd. 2), hrsg. von Wilhelm Weischedel, 6. Aufl., Darmstadt 2005, S. 566 f. (A 646 f.); sowie Max Horkheimer, Zur Kritik der instrumentellen Vernunft, in: ders., Gesammelte Schriften, Bd. 6, hrsg. von Alfred Schmidt, Frankfurt am Main 1991, S. 19–186. Auch von Horkheimers instruktiver Habilitationsschrift zu Kants dritter Kritik hätte Rosa etwas lernen können, zum Beispiel über die „ursprüngliche Scheidung, die der Kantischen Philosophie zugrunde liegt“, und die auch Rosas Buch eingeschrieben ist, sofern es sich mit Kant auf Urteilskraft beruft. Vgl. Max Horkheimer, Über Kants Kritik der Urteilskraft als Bindeglied zwischen theoretischer und praktischer Philosophie [1925], in: ders., Gesammelte Schriften, Bd. 2: Philosophische Frühschriften 1922–1932, hrsg. von Gunzelin Schmid Noerr, Frankfurt am Main 1987, S. 73–146, hier S. 90.
  16. Möllers, Jetzt kämpft Hartmut Rosa gegen den Regelwahn [26.3.2026].
  17. Friedrich Schiller, Ueber die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen, in: ders., Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen. Mit den Augustenburger Briefen, hrsg. von Klaus L. Berghahn, Stuttgart 2000, S. 5–123, hier S. 25.
  18. „Eben in der Bearbeitung der gegenständlichen Welt bewährt sich der Mensch daher erst wirklich als Gattungswesen. Diese Production ist sein Werkthätiges Gattungsleben. Durch sie erscheint die Natur als sein Werk und seine Wirklichkeit. Der Gegenstand der Arbeit ist daher die Vergegenständlichung des Gattungslebens des Menschen; indem er sich nicht nur, wie im Bewußtsein, intellektuell, sondern werkthätig, wirklich verdoppelt, und sich selbst daher in einer von ihm geschaffnen Welt anschaut. Indem daher die entfremdete Arbeit dem Menschen den Gegenstand seiner Production entreißt, entreißt sie ihm sein Gattungsleben, seine wirkliche Gattungsgegenständlichkeit und verwandelt seinen Vorzug vor dem Thier in den Nachtheil, daß sein unorganischer Leib, die Natur, ihm entzogen wird.“ Karl Marx, Ökonomisch-philosophische Manuskripte (Zweite Wiedergabe), in: Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA), Bd. I.2, bearb. von Inge Taubert (Leiter), Ileana Bauer und Bemhard Dohm, unter Mitarb. von Johanna Dehnert, Christa Krause und Rosemarie Lüdemann, hrsg. vom Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion und vom Institut für Marxismus-Leninismus beim Zentralkomitee der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Berlin 1982, S. 323–438, hier S. 370. Zu Marx und Stirner vgl. Wolfgang Eßbach, Max Stirner – Geburtshelfer und böse Fee an der Wiege des Marxismus, in: Harald Bluhm (Hg.), Karl Marx/Friedrich Engels. Die deutsche Ideologie, Berlin 2010, S. 165–183, hier S. 101–438.
  19. Vgl. Thomä, Soziologie mit der Stimmgabel.
  20. Vgl. Stefan Kühl, Brauchbare Illegalität. Vom Nutzen des Regelbruchs in Organisationen, Frankfurt am Main / New York 2020.
  21. Vgl. Karl Marx / Friedrich Engels, Deutsche Ideologie. Manuskripte und Drucke, bearb. von Ulrich Pagel, Gerald Hubmann und Christine Weckwerth (= Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA), Bd. I.5, hrsg., von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung Amsterdam), Berlin / Boston, IL 2017, S. 34 und S. 38.
  22. Auch dieser Aspekt entgeht Rosas Diagnostik völlig. Vgl. dazu Roberto Simanowski, Data Love, Berlin 2014.
  23. Vgl. dazu Robert Merton, Social Theory and Social Structure. 1968 Enlarged Edition, New York / London 1968, S. 156–171; sowie Gregg Lee Carter, The Pitfalls of Post-factum Sociological Interpretation. A Classroom Demonstration, in: Teaching Sociology 17 (1989), 3, S. 341–345.
  24. Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Monaco_Franze_–_Der_ewige_Stenz [26.3.2026].
  25. Tanja Prokić, Alltag als Arbeit. Wie Influencer:innen unser Selbstbild verändern, Stuttgart 2026, S. 112.
  26. Auch dazu hätte Rosa womöglich in der von Sigmund Freud inspirierten, frühen Kritischen Theorie (etwa bei Erich Fromm) oder bei Freud selbst einige für sein Anliegen brauchbare Hinweise finden können.
  27. Möllers, Jetzt kämpft Hartmut Rosa gegen den Regelwahn [26.3.2026].
  28. So Norman Philippen, Plötzlich waren sie weg [26.3.2026], in: Junge Welt, 23.1.2026, S. 11.

Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Henriette Liebhart.

Kategorien: Gesellschaftstheorie Interaktion Moderne / Postmoderne Normen / Regeln / Konventionen Philosophie

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Christian Dries

PD Dr. Christian Dries leitet die Günther-Anders-Forschungsstelle an der Universität Freiburg und ist Lehrbeauftragter an der Universität Basel.

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