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Kapitalismus und Kapitalismuskritik

Podcast zur Ringvorlesung an der Universität Basel

Dieser Podcast wird vom Lehrstuhl Sozialstrukturanalyse (Prof. Dr. Oliver Nachtwey) der Universität Basel betrieben. In Form einer Ringvorlesung kommen die mitunter wichtigsten Stimmen der zeitgenössischen Soziologie zu aktuellen Themen zu Wort. Die aktuelle Vorlesungsreihe wird von Helene Thaa und Mirela Ivanova organisiert und beschäftigt sich mit dem Kapitalismus, seinem Wandel und der Kritik an ihm.

Folge 1: Alex Demirovic: "Was ist (wünschenswerte) Kapitalismuskritik?"

Das Thema der Vorlesung ist die Kritik des Kapitalismus. Kritiken des Kapitalismus gibt es in verschiedenen Formen. Die kritische Theorie der Gesellschaft hat in den vergangenen Jahrzehnten eine spezifische kritische Sicht ausgearbeitet, die umfassend viele Bereiche der kapitalistischen Lebensweise thematisiert und dabei nicht allein nur die Ökonomisierung zum Gegenstand der Kritik macht. Auch das zerstörerische Naturverhältnis, die Kriegsdynamik, der Rassismus, Antisemitismus und der Sexismus werden in den Blick genommen. Doch vor allem geht es um das entgangene Lebensglück, die die irrationale Aufrechterhaltung längst überholter Verhältnisse zur Folge hat.

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Folge 2: Ursula Huws: "Digitalisation, commodification and social reproduction"

The history of capitalism can be viewed as one in which more and more aspects of life are drawn within the scope of the adversarial relationship whereby the value created by living labour is appropriated by capital. This is an ongoing process in which technological change plays an important role. This presentation will look at some of the ways in which the current wave of digitalisation is leading to a marketisation and commodification of social reproduction.

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Folge 3: Manuela Bojadzijev: "Migration, digitale Technologie und Logistik"

Die globale Verbreitung der Covid-19 Pandemie hat sowohl die Praktiken wie auch die Regierung von Mobilität und Immobilität verändert. Dies hat bereits gravierende Auswirkungen auf Grenzen, Arbeit und soziale Reproduktion gezeitigt. Es sind der Ausbau digitaler Infrastrukturen und globaler Logistiken, die Boten einer veränderten Konfiguration unserer Lebenswelten sind.

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Folge 4: Lutz Raphael: "Abschied vom Fordismus? Deindustrialisierung und der Kapitalismus in Westeuropa (1970-2000)"

Die Deindustrialisierungswellen in Westeuropa in den letzten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts werden aus kapitalismuskritischer Sicht immer wieder mit der „Krise“ des fordistischen Akkumulationsregimes in Westeuropa in Verbindung gebracht. Was bleibt von dieser Krise aus der Rückschau? Welche Produktionsregime traten an seine Stelle? Der Vortrag vergleicht britische, französische und westdeutsche Varianten industriekapitalistischer Entwicklung „nach dem Boom“ und fragt nach Spielräumen und Gestaltungsoptionen in der Deindustrialisierung.

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Folge 5: Jason W. Moore: "Holocene, Capitalocene & the Climates of History, or, Class Struggles in the Web of Life"

In this lecture, the environmental historian Jason W. Moore explores the history class, civilizational crisis, and climate change in the Holocene. Arguing against the neo-Malthusianism implicit in the Anthropocene narrative, Moore argues for an alternative: not “Man and Nature” but “Climate and Class.” Exploring great climate/class crises from the Bronze Age to the Little Ice Age, Moore shows how climate changes have been entangled with civilizational crises. Viewing civilizations as world-ecologies of power and re/production in the web of life, we can bring into focus of the unity of today’s climate crisis as one of “social formation” entwined with “earth formation.” In this planetary crisis, rising atmospheric greenhouse gas concentrations are joined with the climate class divide, climate apartheid, and climate patriarchy.

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Folge 6: Christoph Deutschmann: "Die Deutung des Kapitalismus als Religion. Begründung, Erkenntnischancen, Kritik"

Die Vorlesung beginnt mit einigen Klärungen zu dem hier zugrunde gelegten Begriff des Kapitalismus als eines Systems entgrenzter Märkte. Es wird dann gezeigt, inwiefern ein solcher Kapitalismusbegriff für eine religionssoziologische Perspektive anschlussfähig ist. Die These lautet, dass beide, Kapitalismus und Religion, je spezifische Antworten auf das von Luhmann aufgewiesene Problem der Intransparenz der modernen Gesellschaft für sich selbst darstellen, und es wird untersucht, worin sich diese Antworten unterscheiden.

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Folge 7: Frank Adloff: "Kapitalismus im Anthropozän – eine anti-utilitaristische Kritik"

Mit dem Konzept des Anthropozäns beschreibt man derzeit die gegenwärtige ökologische Krise, wobei der Begriff durchaus umstritten ist. Wir leben vielmehr im Kapitalozän, im Zeitalter des Kapitalismus, so der Einwand der Kritiker*innen. Der Vortrag versucht dieser Gegenüberstellung zu entkommen und eine anti-utilitaristische Kritik sowohl des Anthropozän- als auch des Kapitalozän-Konzepts zu entwickeln, um produktiver nach einer möglichen Überwindung der Ausbeutung der Natur durch den Menschen fragen zu können.

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Folge 8: Jakob Tanner: "Krisen und Konjunkturen des Kapitalismus in der Schweiz des 20. Jahrhunderts"

Die Schweiz war und ist wirtschaftlich und gesellschaftlich stark verflochten mit Europa und der Welt, so dass sich hier die globalen Transformationen des Kapita­lismus in allen Facetten nachvollziehen lassen. Gleichzeitig hat die schweizerische Volkswirtschaft die nationalstaatliche Strukturierung globaler Märkte verteidigt. Mit der internationalen Steuerkonkurrenz (Bankgeheimnis) und im Transithandel hat sie sich rentable Nischen geschaffen, die das Bild eines kleinen, aber reichen Landes prägten.

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Folge 9: Christoph Henning: "Entfremdung im Kapitalismus: Was Ritalin, "fake news" und brennende Regenwälder damit zu tun haben"

Die Diagnose einer kapitalistischen "Entfremdung" wird von vielen als veraltete Diagnose empfunden, die nur auf ölverschmierte Blaumänner in dunklen Fabrikhallen des 19. Jahrhunderts zutreffe. Weit gefehlt: Mit der Dynamisierung der Arbeitswelt, der Familien und der Kommunikationswege ist auch die Entfremdung "fluider" geworden. Der Vortrag umreißt und analysiert aktuelle Ausformungen heutiger Entfremdung samt ihrer Kritikwege und diskutiert verschiedene Auswege.

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Folge 10: Richard Gebhardt: "...gegen die Logik des Kapitals, gegen die Entwurzelung der Völker und die Ausmerzung der Kulturen" – Was ist "Antikapitalismus" von rechts?"

Der Vortrag widmet sich den Entwicklungslinien sowie den Spezifika einer Kapitalismuskritik von rechts, die als Sonderform einer antiliberalen Kulturkritik analysiert und mit den Grundlagen einer idealtypisch linken Kritik der politischen Ökonomie kontrastiert wird.

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Folge 11: Oliver Decker: "Verschwörungsmentalität und Antisemitismus: eine dunkle Ressource in Zeiten der Covid-19-Krise?"

Die als Leipziger “Mitte”­Studien bekannt gewordene Untersuchungsreihe wurde 2020 zum 10. Mal durchgeführt und ge­stattet den Verlauf der antidemokratischen Einstellungen in Deutschland über 18 Jahre nachzuzeichnen. Dadurch wird sichtbar, dass die autoritäre Dynamik in der Bundesrepublik unterschiedliche Ausprägungen hat. Seit Beginn prägte ein sekundärer Autoritarismus die postnationalsozialistische Gesellschaft, die Identifikation mit der abstrakten Autorität einer “starken deutschen Wirtschaft”. Sie bot die Prothesensicherheit von Stärke und Selbstwert, beides hätte nach dem Untergang Nazi­Deutschlands sonst aufgegeben werden müssen. Ganz obsolet ist dieser Befund nicht, aber unter dem Druck der Covid­19 Pandemie zeigt die sozialpsychologische Analyse der Leipziger Autoritarismus Studien etwas Neues: Mit Verschwörungsmythen und Antisemitismus treten wieder Elemente einer alten autoritären Dynamik zu Tage. Sie bringt eine anti­moderne Bewegung hervor, die gegenwärtig auch ohne personelle Autorität auskommt, und doch eine Prothesensicherheit bietet. Oliver Decker wird die Ergebnisse vor­stellen und die Frage diskutieren, ob auch in modernen Gesellschaften mit den Verschwörungsmythen und dem Anti­semitismus eine dunkle Ressource zur Verfügung steht, die im Falle von Krisen aktiviert wird.

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Folge 12: Sabine Pfeiffer: "Digitalisierung als Distributivkraft. Das wirklich Neue am digitalen Kapitalismus"

Plattform, Click­Work, Daten und Algorith­men – ist das das Neue am digitalen Kapitalismus oder ist es nur ein Kapi­talismus mit anderen, nicht­materiellen Mitteln? Der Beitrag analysiert den aktuellen Kapitalismus aus einer politischen­ökonomischen Perspektive mit dem Blick auf die Dynamik der Wertrealisierung.

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Folge 13: Christa Wichterich: "Who cares? Kapitalismus, Gender und Soziale Reproduktion in der Corona-Krise"

Die Covid­19­Krise hat die Systemrelevanz von Care Arbeit und die Verschränkung von Produktion und Reproduktion deutlich gemacht und damit gezeigt, dass der globale neoliberale Kapitalismus bezüglich der Reproduktion des Sozialen und der Natur an einen Kipppunkt gelangt ist. Der Vortrag schlägt – analog zu Ressourcenextraktivismus – das Konzept ‚Care Extraktivismus’ vor, um die aktuelle Rekonfiguration der sozialen Reproduktion intersektional zu analysieren.

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Folge 14: Lisa Vollmer: "Wohnungsfrage Mieter*innenbewegung in der kapitalistischen Stadt"

Die gebaute Umwelt und mit ihr die Wohn­raumversorgung nehmen in kapitalis­tischen Gesellschaften eine besondere Rolle in der Kapitalakkumulation ein, nicht erst, aber besonders im Finanzmarkt­Kapitalismus. Deshalb ist „die Wohnungs­frage“, anders als von Engels in den 1870er Jahre beschrieben, kein Neben­widerspruch des Kapitalismus und ist folglich immer wieder Anlass für Konflikte und die Formierung sozialer Bewegun­gen. Diese Mieter*innenbewegung wird im Vortrag in ihren unterschiedlichen Ausprägungen in der Krise des Laissez­Faire­Kapitalismus, des Fordismus und des Neoliberalismus heute vorgestellt.

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Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Hannah Schmidt-Ott.

Kategorien: Kapitalismus / Postkapitalismus

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