Buchforum

Kybernetik und Kritik

Zum neuen Buch von Anna-Verena Nosthoff

„Die Kybernetik ist überall, wie Luft.“ Kaum ein Satz bringt die These von Anna-Verena Nosthoffs Studie Kybernetik und Kritik. Eine Theorie digitaler Regierungskunst so treffend auf den Punkt wie dieses Bonmot des Wearable-Pioniers Alex Pentland. Nosthoff argumentiert, dass kybernetische Technik und kybernetisches Denken die Gegenwartsgesellschaft so sehr prägen, dass sie ob ihrer Omnipräsenz schlicht unsichtbar geworden sind. Wer die Digitalisierung verstehen will, so die Überzeugung der Autorin, muss ihre kybernetischen Ursprünge untersuchen. Und wer die kybernetisierte Gegenwart kritisieren will, tut gut daran, einen Blick in die Geschichte der Kybernetikkritik zu werfen. Wir haben Wissenschaftler:innen dazu eingeladen, Anna-Verena Nosthoffs jüngste Publikation in einem Buchforum zu würdigen. 

Den Aufschlag macht Jeanette Hofmann, Leiterin der Forschungsgruppe „Politik der Digitalisierung“ am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Sie betont in ihrem Beitrag die Möglichkeit des Scheiterns von Kynernetik-Projekten und erörtert Ursachen für die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit kybernetischer Verhaltenssteuerung. Obwohl Nosthoff selbst die Systemtheorie als „Nachfolgerin“ (S. 20) und „Kind“ (S. 588, Fußnote 27) der Kybernetik bezeichnet, spart die Autorin diesen Aspekt weitgehend aus. Dirk Baecker schließt diese Lücke und zeigt, dass sowohl die Reichweite kybernetischer Konzepte als auch die Realität der gegenwärtigen Überwachungsgesellschaft systemtheoretisch erhellt werden können. Frederik R. Heinz setzt sich mit der Kybernetisierung des Politischen auseinander und argumentiert, dass die aus Nosthoffs Diagnose eines kybernetischen Vorzeichens abgeleitete These eines postpolitischen Zustandes dazu tendiert, institutionelle Konstellationen nicht hinreichend zu bestimmen und den Staat als möglichen Ort politischer Gegensteuerung vorschnell aus dem Blick zu verlieren. Sandra Sieron setzt sich mit dem Kapitel zur „Kybernetisierung des Kapitalismus“ auseinander, in dem Nosthoff anhand einschlägiger Dokumente und theoretischer Texte die Genese eines kybernetischen Kapitalismus rekonstruiert. Wir danken allen Autor:innen herzlich für ihre Mitwirkung am Buchforum. 

Die Redaktion

Jeanette Hofmann | Rezension

Kybernetik und Eigensinn

Rezension zu „Kybernetik und Kritik. Eine Theorie digitaler Regierungskunst“ von Anna-Verena Nosthoff

Artikel lesen

Dirk Baecker | Rezension

Kybernetik und Systemtheorie

Rezension zu „Kybernetik und Kritik. Eine Theorie digitaler Regierungskunst“ von Anna-Verena Nosthoff

Artikel lesen

Frederik R. Heinz | Rezension

Kybernetik und Staat

Rezension zu „Kybernetik und Kritik. Eine Theorie digitaler Regierungskunst“ von Anna-Verena Nosthoff

Artikel lesen

Sandra Sieron | Rezension

Kybernetik und Kapitalismus

Rezension zu „Kybernetik und Kritik. Eine Theorie digitaler Regierungskunst“ von Anna-Verena Nosthoff

Artikel lesen

Newsletter