Eine Klasse für sich

Patrick Eiden-Offe unternimmt eine Neuvermessung der frühen Arbeiterbewegung

Universität und Proletariat haben mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick vermutet. Zwar wird derzeit von rechter Seite eine vermeintlich liberale, akademisch gebildete Elite zum Feind des vergessenen weißen Arbeiters stilisiert und die Universitäten werden als Hochburgen des verschwenderischen, ineffizienten Sozialstaates angegriffen, doch erinnert die Lage der Hochschulen und ihrer Angestellten weltweit eher an turbokapitalistische Unternehmen mit Saisonarbeiterinnen und -arbeitern.[1] Parallelen zwischen universitärem und wirtschaftlichem Betrieb beschrieb schon 1917 Max Weber in seinem Vortrag „Wissenschaft als Beruf“:

„Und es tritt da der gleiche Umstand ein wie überall, wo der kapitalistische Betrieb einsetzt: die ‚Trennung des Arbeiters von den Produktionsmitteln‘. Der Arbeiter, der Assistent also, ist angewiesen auf die Arbeitsmittel, die vom Staat zur Verfügung gestellt werden; er ist infolgedessen vom Institutsdirektor ebenso abhängig wie ein Angestellter in einer Fabrik […] und er steht häufig ähnlich prekär wie jede ‚proletaroide‘ Existenz und wie der assistant der amerikanischen Universität.“[2]

Hundert Jahre nach Weber verortet auch der Literaturwissenschaftler Patrick Eiden-Offe in seiner Habilitationsschrift Poesie der Klasse die akademischen Arbeiter in der Nähe des Proletariats und verweist auf die ältere Geschichte und gleichzeitig die neuste Gegenwart des Intellektuellen als „virtuelle[n] Pauper[s]“. Er stellt freie Schriftsteller und Wissenschaftler „diesseits der Lebenszeitstelle“ gleich neben den Gesellen und den Fabrikarbeiter und zählt sie zu einer noch zu Zeiten der Publikation des Kommunistischen Manifests „heterogen-buntscheckige[n]“ (S. 37) Gruppe vom Abstieg bedrohter prekärer Existenzen (S. 114). Ermöglicht wird diese für die literatursoziologische und -historische Auseinandersetzung mit dem Vormärz vergleichsweise offene und inklusive Perspektive durch Eiden-Offes methodische Entscheidung, die Proletarisierung anstelle des Proletariats in den Blick zu nehmen und damit einen latenten Prozess und keine vermeintlich feste Personengruppe in den Mittelpunkt der eigenen Untersuchung zu stellen.

Ausgehend von dieser Vorentscheidung widmet sich Eiden-Offes Studie der vormärzlichen Literatur eines romantischen Antikapitalismus, die sich als Poesie einer ihrer selbst noch nicht bewussten, von Verelendung bedrohten Klasse begreift, die sich mit ihren Mitteln der „Prosa der Zustände“ (Vischer), also der Teilung der Arbeit und ihres Wandels unter veränderten Produktionsbedingungen, widersetzt. Ein zentrales Motiv der Literatur des romantischen Antikapitalismus besteht in der – mitunter zur Verklärung gesteigerten – Imagination eines vergangenen, durch Harmonie gekennzeichneten Gesellschaftszustands vor der Klassentrennung, der infolge der einsetzenden Modernisierungsschübe zerstört worden sei. Wie Eiden-Offe betont, handelt es sich dabei um einen Zustand, der – unabhängig von der Tatsache, dass er nie real existiert hat – dazu dient, bestimmte Mythen, Sprechweisen, Vorstellungsmuster und Bildersprachen zu konstruieren, die dann mit dem Begriff des „Klassenbewusstseins“ gebündelt werden (S. 23). Damit stellt sich die Studie in eine Traditionslinie mit Ansätzen wie E. P. Thompsons Making of the English Working Class oder Eric Hobsbawms und Terence Rangers Invention of Tradition.

Die für literaturwissenschaftliche Publikationen ungewohnte mediale Resonanz,[3] die das Buch bislang erfahren hat und die – so wie hier – selbst Thema etlicher Rezensionen ist, markiert bereits eine der Stärken des Buches, nämlich seine Multiperspektivität, die es über Fachgrenzen hinweg zur Pflichtlektüre von Germanisten, Historikern und Soziologen macht. Diese Multiperspektivität äußert sich nicht nur in der breit gefächerten Quellenauswahl, die so heterogene Autorinnen und Autoren wie Karl Marx, Georg Weerth, Ernst Willkomm, Ludwig Börne, Mary Shelley, Moses Heß, Ernst Dronke, Wilhelm Weitling, Louise Otto-Peters und Georg Büchner nebeneinanderstellt und -liest, sondern macht sich auch in der Auseinandersetzung mit der Forschungsgeschichte zur Arbeiterklasse bemerkbar, bei der neben E. P. Thompson auch Eric Hobsbawm oder Jacques Rancière Berücksichtigung finden. Entsprechend verspricht der Autor schon in seiner programmatischen Einleitung, Literatur wie Theorie und Theorie wie Literatur zu lesen (S. 34).

Eine weitere Entscheidung bei der Quellenauswahl, die auch in den Besprechungen des Bandes wiederholt eine Rolle gespielt hat, betrifft die literarische Qualität und Kanontauglichkeit der von Eiden-Offe für seine Untersuchung herangezogenen Quellen. Exemplarisch erwähnt sei hier die Kritik von Manfred Koch, der dem Autor vorhält, sich mit zurecht in Vergessenheit geratenen Autoren abzugeben, deren literarische Erzeugnisse mitunter nur schwer genießbar seien. Enttäuscht gibt er sich auch darüber, dass trotz der Verknüpfung von Spätromantik und Frühsozialismus ein Werk wie Goethes Faust II in der Studie unerwähnt geblieben sei. Diese erwartbare Kritik zeigt nicht nur die Widerständigkeit eher traditioneller Vorstellungen von Literaturwissenschaft, sondern unterstreicht gerade damit die Bedeutung von Arbeiten wie Eiden-Offes Poesie der Klasse für die Disziplin, und ihr Potenzial, deren gesellschaftliche Wahrnehmung zu verschieben. Denn literaturwissenschaftliche Arbeiten haben weder die Funktion, Leseempfehlungen zu bieten, noch ist es ihre Aufgabe, die schönsten, gelungensten, ästhetisch anspruchsvollsten oder besonders formbewussten Schätze der Nationalliteratur aufzubereiten, zu sammeln und zu kuratieren. Vielmehr muss die Aufgabe einer zeitgemäßen Literaturwissenschaft darin bestehen, eine Art bessere und präzisere Geschichtswissenschaft zu sein (wofür Eiden-Offe in seiner Auseinandersetzung mit Jürgen Kockas Forschungen zur Arbeiterbewegung selbst ein Beispiel gibt, S. 71–75)[4], die ästhetische Phänomene und diskursive Strategien über Sprachräume, Textgattungen und Stile hinweg als Teil eines historischen Diskurses, einer Sicht auf die und Vorstellung von der Realität begreift, die es in ihrer jeweiligen Art differenziert und facettenreich zu rekonstruieren gilt. Sogenannte Trivial- und Unterhaltungsliteratur, Tendenz- und Schundliteratur oder zeitgebundene Bestseller können dabei wichtige Beiträge zur Erforschung der sozialen, politischen, kulturellen oder ästhetischen Ansichten früherer Epochen und ihrer Imaginationsräume leisten. Dafür braucht es jedoch ein hinreichend offenes Verständnis von Literaturwissenschaft, das sich von überkommenen bildungsbürgerlichen Vorgaben emanzipiert und zahlreiche literarische Erzeugnisse nicht von vornherein aufgrund ihrer vermeintlichen Unterkomplexität, ihrer reaktionären Gesinnung oder ihrer ästhetischen Defizite von der wissenschaftlichen Erörterung ausschließt. In diesem Sinne konstatiert Eiden-Offe:

„Das – ästhetisch vielleicht mediokre – ‚sociale Gedicht‘ eines heute weithin vergessenen Poeten verspricht den gleichen Erkenntnisgewinn wie das sozialtheoretische Traktat eines weltberühmten Philosophen, und jenes Traktat wiederum gibt nur dann seinen ganzen Gehalt frei, wenn es auch in seiner künstlerischen Durchformung betrachtet wird.“ (S. 34)

Den Einstiegspunkt für Eiden-Offes Untersuchung bildet die Einführung der Gewerbefreiheit in Preußen 1811, die nicht zuletzt aufgrund ihrer weitreichenden Auswirkungen auf das Zunftsystem und die damit verbundenen gesellschaftlichen Folgen literatursoziologisch- und -geschichtlich interessante Einsichten verspricht. Als ein verhältnismäßig frühes literarisches Zeugnis der damit angestoßenen Prozesse dient ihm Ludwig Tiecks 1836 erschienene Novelle Der junge Tischlermeister. Das Urteil über die Folgen der gesellschaftlichen Modernisierung, das der Rede des Protagonisten Leonhard zu entnehmen ist, fällt denkbar negativ aus: Er sieht eine zersplitterte Gesellschaft, in der die bisherigen traditionellen und institutionellen Bindungen ihre integrierende Kraft verloren haben, ohne dass ein Ersatz an ihre Stelle getreten wäre. Exemplifiziert wird diese Sichtweise von Tieck anhand des titelgebenden „jungen Handwerkers“, der nicht mehr an Repräsentationsrituale anknüpfen kann, nicht mehr auf Wanderschaft geht und für nichts anderes mehr steht als die eigene Arbeitskraft, die er gegen Lohn verkaufen muss (S. 57).

Die ambivalenten Reaktionen auf die gesellschaftlichen Veränderungen und die schwankenden Urteile der von Eiden-Offe untersuchten Schriftsteller, deren mitunter restaurative und anti-moderne Haltungen und Stilmittel mit hellsichtigen kapitalismuskritischen Einsichten einher gehen, verfolgt der Autor weiter anhand so unterschiedlicher Texte wie Weitlings begriffshistorischen Schriften, einem zeitgenössischen Gesellenlied und Weerths Gedichten. Dabei betont er, mithilfe von Weerths Ausführungen, dass nicht nur der politische Kampf und die Unzufriedenheit mit den herrschenden Verhältnissen, sondern auch positive Werte – Feste, die Liebe zur Natur und die Poesie – „Energiequellen proletarischer Politik“ waren und maßgeblichen Einfluss auf den Prozess der Klassenbildung hatten (S. 105).

Wie komplex und vielschichtig sich die Ausbildung einer kollektiven Identität gestaltete, demonstriert der Autor in einem weiteren Kapitel anhand einer Reihe zeitgenössischer Zeitschriftenprojekte, die – wie etwa Der Urwähler, Der Hülferuf, Der Gesellschaftsspiegel, Das Deutsche Bürgerbuch oder Der Hessische Landbote –, mit Hilfe von Statistiken und Zahlen, Schilderungen und Dichtungen, aber auch mittels expliziter Aufrufe ein gemeinsames Publikum zu adressieren und zwischen den derart Adressierten eine Gemeinschaft zu stiften versuchten. Diese imaginierte Gemeinschaft umfasste ausdrücklich auch Frauen, deren Benachteiligung im Arbeitsleben Zeitgenossen wie Weitling und Engels sehr wohl bewusst war. Ausgespart blieb in diesem Zusammenhang der Anteil, den die weißen männlichen Arbeiter an der gesteigerten Misere der Frauen (S. 134, S. 162) zu verantworten hatten. Immer wieder macht Eiden-Offe in seiner Studie auf die sich verändernde Rolle der Frau in der angehenden Arbeiterbewegung und Blindflecken des zeitgenössischen Diskurses aufmerksam. Von einer Mitkämpferin, Zeitschriften-Abonnentin und aktiven Angehörigen eines durch ein „Wir“-Gefühl verbundenen Kollektivs wird die Arbeiterin zunehmend auf die Rolle eines hilflosen Opfers der sich wandelnden gesellschaftlichen Umstände reduziert (S. 281), die durch die Inhumanität der Kapitalisten wahlweise in die Fabrik oder in die Prostitution gezwungen wird und ihre häusliche Domäne verlassen muss. So entlarvt die Studie das kleinbürgerliche Familienideal, in dem die züchtige Hausfrau in der Küche waltet, während ausschließlich der Mann in der gefährlichen Außenwelt den Unterhalt der Familie erkämpft, nicht als vergangenes Idyll, sondern als einen romantisch-antikapitalistischen Mythos, der seine Verwirklichung erst sehr viel später und unter kräftiger Mitwirkung der Arbeiterbewegung erfahren sollte (S. 310f.).

Im 4. Kapitel geht es von den Zeitschriften mit ihren Statistiken und den stereotyp erzählten Polizei-Prostitutions-Geschichten, wie sie insbesondere für den Gesellschaftsspiegel typisch waren, zu den Darstellungen von Verelendung und Misere in Theorie und Literatur. Eiden-Offe weist ausdrücklich darauf hin, dass die unterschiedlichen Arten und Weisen der Beschreibung von Elend und Armut von entscheidender Bedeutung für deren jeweilige politische Aussage und Wirksamkeit waren. So kritisiert kein Geringerer als Friedrich Engels ein bloßes „Nebeneinander“ von Arm und Reich in den Schilderungen kleinbürgerlicher Sozialisten wie Karl Beck und Ernst Dronke (S. 167, S. 170) und vermisst die Darstellung des innerlichen Zusammenhangs und der gegenseitigen Bedingtheit von beiden.

Das von Engels mit Blick auf die Literatur seiner Zeit kritisierte Nebeneinander kann auch zur Beschreibung einer der methodischen Eigentümlichkeiten von Eiden-Offes Studie dienen. Denn häufig werden die Schriften von Autoren wie Marx und Engels von ihm neben die Werke von Dronke, Willkomm und anderen gestellt, ohne dass inhaltliche Zusammenhänge jenseits der von Marx und Engels unablässig geübten Qualitätskritik ersichtlich würden. So glaubt Engels, den weniger begabten Literaten mit seinen Sozialreportagen ein positives Vorbild gegeben zu haben. Die Auseinandersetzung mit der Textsorte der Reportage führt noch einmal die heterogen-buntscheckige Fülle an Klassen- und Arbeiterkonzepten ebenso wie an deren medialen Repräsentationen vor Augen. Während die breite Auswahl der von Eiden-Offe herangezogenen Textsorten, die von Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln über Romane, Novellen, Gedichte und Lieder bis hin zu Traktaten, Reportagen, Aufrufen, Fragmenten und Statistiken reicht, beeindruckend ist, bleiben die materiell-medialen Bedingungen der Texterzeugung allerdings erstaunlich unterbelichtet.

An Dronkes Novelle Reich und Arm und Louise Otto-Peters Schloss und Fabrik zeigt Eiden-Offe die Rolle der Familie und ihres strukturellen Einflusses auf die Figuren und ihre Haltungen als eine Schwäche der frühsozialistischen Vormärz-Literatur auf, die unabdingbar zu einer Trennung zwischen den Sphären des Privaten und des Politischen führe und dadurch zum Fortbestand der Ausbeutung in der Arbeitssphäre beitrage. Die zeitgenössische ästhetische Kritik an seiner Literatur als Tendenzliteratur weiß Dronke gekonnt abzuweisen: Die Kunstform könne bei seinen Novellen kein Kriterium zu deren Beurteilung sein, denn sie sei nicht das Ziel, sondern lediglich das Mittel zur realistischen, lebensnahen, evidenten Darstellung der zeitgenössischen Lebensumstände (S. 182). Gerade im neuartigen Material der untersuchten Literatur und in ihrem ausdrücklichen Selbstverständnis als Gebrauchsliteratur und weniger in der von ihr verwendeten Sprache und Form macht denn auch Eiden-Offe den eigentlichen Wert und Nutzen einer Relektüre der Autoren des Vormärz und ihrer Werke aus. Allerdings kann er es sich an einigen Stellen dann doch nicht verkneifen, Stil und Qualität der vorgestellten Texte zu entschuldigen (S. 184, S. 237) und seine Auswahl durch Verweise auf die „Größe“ von Dronkes und auch Willkomms Literatur zu rechtfertigen und ihre literarische Qualität an einzelnen Szenen und Darstellungen zu verdeutlichen.

Die Möglichkeiten des Klassenkampfes stehen im Zentrum des letzten Kapitels, in dem der Autor Bauernrevolte, Streik und die destruktiven Handlungen der Ludditen typologisch nebeneinanderstellt und in der Form von langen Blockzitaten gegeneinander ausspielt. Der Streik, so stellt sich in den Ausführungen heraus, wurde von den Zeitgenossen ständig als eines von vielen Mitteln des Widerstands erörtert, mit dem sich – wie Eiden-Offe anhand von Weerths Romanfragment ausführt – die Hoffnung verband, aus den noch partikularisierten Arbeitern ein homogenes Ganzes zu machen (S. 301). Dass die Arbeiterbewegung selbst in ihrem Kampf um Familienlohn die arbeitende Frau aus dieser „ganzen Bevölkerung“ ausschloss, verdeutlicht der Autor in Anlehnung an Erhard Lucas’ Studie Vom Scheitern der deutschen Arbeiterbewegung.

Am Ende unternimmt Eiden-Offe proleptische Sprünge in die Zwanziger und Siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts sowie in die Gegenwart, um die Beharrlichkeit ähnlicher Formen des Arbeitswiderstands aufzuzeigen. Eine Gemeinsamkeit, die die heutigen ArbeiterInnen mit den Protagonisten seiner Studie verbinde, sieht Eiden-Offe in dem Bedürfnis nach einem neuen Mythos der Klasse (S. 330).

Dass die Uniformierung der Arbeiterklasse mit deren Nationalisierung einhergeht, merkt der Autor erst zum Schluss an (S. 350) und eröffnet damit eine weitere, in der Studie unterrepräsentierte Perspektive auf die Geschichte der frühen Arbeiterbewegung, die vor allem vor dem Hintergrund eines erneut virulenten Bedürfnisses nach neuen Mythen und Forderungen nach einem linken Populismus (Mouffe) Relevanz beanspruchen kann. Denn der heutige romantische Antikapitalismus, so könnte man die Geschichte Eiden-Offes weiterschreiben, entwirft eine weiße, männliche und heteronormative Arbeiterklasse, die sich einem homogenen und autarken, gegen Migration abgekapselten Nationalstaat anvertraut. Dieser muss als krasser Gegensatz zu der ihrem Anspruch nach stets internationalen Arbeiterbewegung wahrgenommen werden. So bleibt auch im Kontext von Eiden-Offes innerhalb und außerhalb der Literaturwissenschaft wichtiger und gelungener Studie nach den nationalen und vor allem den von ihm nur am Rande thematisierten internationalen Seiten der Proletarisierten, ihrer Bilder und Texte zu fragen, die sie nicht nur als Engländer, Franzosen oder Deutsche, sondern als „Angehörige der großen und internationalen Familie der Menschheit“ (Engels) adressiert.

Fußnoten

[1] Flexible Dienstleister der Wissenschaft, in: FAZ online, 27.3.2018. Patrick Eiden-Offe selbst beschreibt die Ausmaße der gegenwärtigen universitären Präkarisierung an anderer Stelle wie folgt: „Dann werden aus Sozialhilfeempfängern plötzlich wieder Ein-Euro-Jobber; aus akademischen Mittelbauern wissenschaftliche Saisonwanderarbeiter, die sich jeweils für die Vorlesungszeiten sechs Monate im Jahr in Bacheloristan verdingen und in den vorlesungsfreien Zeiten dann wieder entlassen werden und ‚hartzen‘ gehen müssen; aus festangestellten Redakteuren werden feste Freie, aus den ,bisherigen‘ Freien: nun ja, was eigentlich – Möbelverkäufer?“ Patrick Eiden-Offe, Der Prolet ist ein Anderer. Klasse und Imaginäres heute, in: Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken, Februar 2018, S. 15–30. Vgl. dazu auch die Arbeit der Berliner Gruppe undercurrents unter: undercurrentsforum.com/category/action/.

[2] Max Weber, Wissenschaft als Beruf, Berlin 1991, S. 7.

[3] Vgl. u.a. Manfred Koch, Als das Proletariat erwachte. Handwerkerkommunisten auf Wanderschaft: Patrick Eiden-Offe begeistert sich für die Frühgeschichte der deutschen Arbeiterbewegung, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.11.2017; Thomas Steinfeld, Die kommende Gefahr. Patrick Eiden-Offe fragt, wie die Vorstellung vom Proletariat entstand und die Wirklichkeit prägte, in: Süddeutsche Zeitung, 19.10.2017; Stephan Gregory, P. Eiden-Offe: Poesie der Klasse, in: H-Soz-Kult, 7.6.2018; Katharina Kreuzpaintner, Möglichkeitssinn linker Literaturwissenschaft, in: undercurrents. Forum für linke Literaturwissenschaft, 16.5.2018. Ein Überblick über das Medienecho findet sich online unter: www.zfl-berlin.org/publikationen-detail/items/die-poesie-der-klasse.html.

[4] Eine ähnlich gut informierte Auseinandersetzung hätte man sich vom Autor auch für die in diesem Kontext einschlägigen kulturhistorischen Forschungen von Thomas Welskopp gewünscht, die in der Arbeit jedoch keine Rolle spielen. Vgl. insbesondere Thomas Welskopp, Das Banner der Brüderlichkeit. Die deutsche Sozialdemokratie zwischen Vormärz und Sozialistengesetz, Bonn 2000.

Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Karsten Malowitz.