Mechthild Bereswill | Rezension | 03.03.2026
Eine bescheidene Vision
Rezension zu „Patriarchy Inc. What We Get Wrong About Gender Equality and Why Men Still Win at Work“ von Cordelia Fine
Zu den grundlegenden Einsichten der interdisziplinären Geschlechterforschung gehört die strukturierende Bedeutung der gesellschaftlichen Arbeitsteilung für die Organisation von Geschlechterverhältnissen. Dabei hängen Arbeitsteilung und Ungleichheiten eng zusammen. Das ist aber nicht nur in sozioökonomischer Hinsicht von Bedeutung, denn Tätigkeiten sind darüber hinaus auch Teil von symbolischen Ordnungen, gehen mit Auf- und Abwertungen einher, sind mit Anerkennungskämpfen verbunden. Die herrschafts- und ordnungskritischen Analysen des Verhältnisses von Arbeit und Geschlecht stoßen dabei bis heute auf scharfe, auch wissenschaftlich begründete Gegenreden, in denen überzeitliche Ontologisierungen von Geschlechterdifferenz als Begründung für ungleiche Arbeitsteilungen angeführt werden. Gleichzeitig hat die kritische Auseinandersetzung mit dem Zusammenhang von Arbeit, Geschlecht und Ungleichheit dazu beigetragen, Gleichstellungsmaßnahmen zu entwickeln, die zur Überwindung geschlechtsbezogener Arbeitsteilung beitragen sollen.
In ihrer Monografie greift die kanadisch-britische Philosophin und Psychologin Cordelia Fine die komplizierte Konstellation, dass einerseits Egalität garantiert werden und andererseits die Ontologisierung von Differenz Ungleichheit rechtfertigen soll, auf. Der Titel Patriarchy Inc. verweist darauf, dass Ungleichheitsmechanismen auch aus den wohlständigen Gegenwartsgesellschaften nicht wegzudenken sind (im Fokus der Analyse stehen die „advanced economies of the Global North“, S. 3). Die Autorin ordnet diese Mechanismen durchgängig als Ausdruck eines, im Buch theoretisch nur vage bestimmten, Patriarchats ein. Die sprachliche Wendung „Patriarchy Incorporated“ betont diese Perspektive auf eine patriarchal geprägte Arbeitswelt.
Fine ist Professorin für „History & Philosophy of Science“ an der Universität in Melbourne. Ihre Forschung im Bereich der Gender Studies ist international breit aufgestellt. Das verdeutlichen auch die zahlreichen Bezüge, die sie in dem vorliegenden Buch zu einer großen Bandbreite an Forschungsarbeiten zu Geschlechterdifferenzen und -ungleichheiten herstellt. Dabei fasst sie Geschlecht recht eng binär codiert, wenn sie durchgehend von Männern und Frauen spricht und darüber hinaus auch anklingen lässt, dass sie der Unterscheidung zwischen sex und gender folgt. Zugleich zieht sich eine Differenzierung von Geschlecht als heterogene und multidimensionale Kategorie durch alle Kapitel, auch wenn die Autorin diese konkreten Differenzierungen nicht als intersektional einordnet.
In der Einleitung konstatiert Cordelia Fine, „divisions of labour“ (S. 2) seien sowohl der Grund für als auch die Folge von „sex-based“ (S. 3) Statushierarchien sowie ungleich verteilter Verfügungsmacht über Ressourcen. Ihre Ausgangsthese lautet, dass alle Bemühungen, diese Arrangements aufzudecken, bislang an zwei den Mainstream der Debatten dominierenden Visionen gescheitert seien: an der „Different But Equal“-Perspektive (S. 3) und am „business-case Diversity, Equality and Inclusion (DEI) approach“ (S. 6). Die Different But Equal-Perspektive begründet die ungleiche Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern in offenen, an Gleichheitsgrundsätzen orientierten Gesellschaften damit, dass Frauen und Männer gerade unter Bedingungen maximaler Selbstbestimmung das wählen würden, was ihrer ‚Natur‘ oder ‚Neigung‘ entspräche. Den DEI-approach problematisiert Fine, weil Diversität in diesem Ansatz zur Steigerung von Produktivität eingesetzt werden und die Inklusion von Frauen und marginalisierten Gruppen mit Hilfe von Selbstoptimierungsstrategien erfolgen soll. Damit wirft der Ansatz aus Sicht der Autorin über Bord, was für sie im Fokus der Befassung mit Ungleichheit und Inklusion stehen sollte, nämlich „to create a fairer society“ (S. 3).
Die Prämisse einer gerechteren, an sozialen Beziehungen (Relationalität) orientierten Gesellschaft, die sich nicht vollständig den Logiken des Marktes unterwirft, leitet wie ein roter Faden durch die detailreiche, durch unzählige empirische Befunde fundierte Auseinandersetzung der Autorin. In den neun Kapiteln ihrer Monografie entfaltet Fine ein Kaleidoskop von Forschungsergebnissen, Kontroversen und eigenen Anekdoten zum Zusammenhang von gesellschaftlicher Arbeitsteilung, Ungleichheit und Geschlecht.
Im ersten Kapitel Divisions dekonstruiert die Autorin die Argumentationslinien der Evolutionspsychologie von innen heraus. Selbst Psychologin, greift sie deren lerntheoretische Perspektive auf und buchstabiert sie weiter aus, hinterfragt aber die damit verbundenen Ontologisierungen von Geschlecht grundsätzlich. Sie betont Aspekte von sozialem Lernen und Kooperation, die dazu beitragen, dass Menschen sich Geschlechterrollen und damit verbundene Tätigkeiten aneignen. Im zweiten Kapitel Sex and Status reflektiert sie den Zusammenhang zwischen sozialen Kategorisierungen und der Anerkennung eines hohen professionellen Status aus der Perspektive von „front-office women“ (S.42), die keinesfalls eine homogene Gruppe darstellen. In diesem Abschnitt werden wesentliche Einsichten zum Zusammenhang von Differenzierung und Hierarchisierung zusammengetragen und gebündelt.
Im anschließenden Kapitel (Re)Producing Fatherhood legt Fine den Fokus auf das „work-family-narrative“ (S. 64), nachdem Frauen grundsätzlich eher daran interessiert seien, ihre Erwerbsarbeit bei der Familiengründung aufzugeben. Die Autorin greift hierbei Positionen auf, die diese Konstellation im Kontext des Equal but Different-approaches als Ausdruck einer lustvollen Selbstbestimmung von Frauen in reichen postindustriellen Gesellschaften auslegen. Im Rahmen ihrer kritischen Auseinandersetzung mit diesem Ansatz fragt Fine danach, was Väter daran hindert, „hyper-traditional arrangements“ (S. 71) zu verlassen. Sie entfaltet eine historisch informierte und empirisch fundierte Analyse der Struktureigentümlichkeiten männlich konnotierter Arbeit in postindustriellen kapitalistischen Gesellschaften.
In Kapitel 4 Beyond Market Thinking arbeitet die Autorin unter anderem heraus, dass Care Work als eine Form von Arbeit konstruiert wird, die sich den Logiken des Marktes entzieht, und es genau diese Idealisierung ist, die das Einfallstor für die Begründung ihrer schlechten beziehungsweise fehlenden Bezahlung öffnet. Unter dem Titel Border Control zeichnet Fine daraufhin nach, wie implizite Schließungsmechanismen gegenüber Frauen und Minderheiten in Organisationen zu hierarchischen Grenzziehungen und Ausschlüssen führen, die nur schwer zu greifen sind. Im Fokus des folgenden Kapitels über Differences steht die Dekonstruktion wissenschaftlicher Behauptungen von einer hormongesteuerten und evolutionsgeschichtlich vorgeprägten Geschlechterdifferenz.
Anschließend geht sie in Kapitel 6 unter der Überschrift Girl, Uninterrupted der Frage nach, warum bestimmte Tätigkeiten derart eng mit Weiblichkeit in Verbindung gebracht werden, gleichwohl diese Tätigkeiten vielmehr mit sozioökonomischer Benachteiligung und mangelnder Anerkennung verbunden sind. Sie schreibt: „The gender system is built into the very economic structure of our post-industrial economies. It is built into the ideal worker norm, which in turn is built into wages, interactions and workplace infrastructure.“ (S.192) Vor dem Hintergrund dieser strukturellen Perspektive entwickelt Fine im folgenden Kapitel From Equality to DEI eine pointierte Kritik an der DEI-Perspektive, die aus ihrer Sicht darin besteht, „that business must help women to help itself“ (S.196). Sie erinnert an die ambivalente Historie von Diversity-Ansätzen zwischen Bürgerrechtsbewegung und unternehmerischen Human Ressource-Strategien und analysiert schließlich mit scharfer Kritik einen prominenten Ansatz der Selbstoptimierung: „The Fix the Women approach also neglects the possibility that it might be the women‘s jobs and workplaces that need fixing not women themselves.“ (S. 206)
In ihrem Schlusskapitel A New Vision formuliert Fine konkrete Ansatzpunkte für eine grundlegende Veränderung der Verhältnisse. Erstens plädiert sie dafür, gesellschaftliche Arbeit so zu reorganisieren, dass alle erwerbstätigen Menschen generell oder in bestimmten Phasen ihres Arbeitslebens auch Sorgeverantwortung tragen. Dafür sei die Realisierung einer „reasonable work week“ (S. 227) erforderlich. Erst eine solche angemessene Arbeitswoche ohne starr vorgegebene Arbeitszeiten erlaube es den Menschen, ihre Erwerbstätigkeit zwischen Überarbeitung und Unterforderung auszubalancieren, und gewähre ihnen Zeit für andere Aktivitäten, etwa Care Arbeit oder Freizeitbeschäftigungen.
Was ein solches Modell zur Überwindung von geschlechtsspezifischen Ungleichheiten beiträgt, liegt für alle, die sich mit der Arbeitsteilung in spätkapitalistischen Gesellschaften auseinandersetzen, auf der Hand. Ihre keineswegs neue Vision verbindet Fine mit einem breiten Blick auf jene positiven Effekte, die kürzere Arbeitszeiten für alle Menschen in der Gesellschaft hätten: Sie wären ausgeruhter, hätten mehr Zeit und Energie für sinnvolle Aktivitäten jeglicher Art, auch im Interesse des Gemeinwesens, und nicht zu vergessen: „a slower lifestyle […] helps to reduce carbon admissions“ (S. 229).
Ein zweiter Ansatzpunkt für Wandel wäre es nach Fine „to mindshape the gender system out of jobs“ (ebd.). Im übertragenen Sinne meint sie damit, die Geschlechtercodierung von Berufen zu überwinden, indem deren impliziter wie expliziter Einfluss auf die Gestaltung und Bewertung von Tätigkeiten und ganzen Berufsfeldern reflektiert und verändert wird. Dabei hat Fine sowohl die symbolischen Ko-Konstruktionen von Arbeit und Geschlecht auf der Ebene der Tätigkeiten im Sinn als auch die Verknüpfung von Führungspositionen mit Männlichkeit. Dass die Decodierung solcher Konstruktionen möglich ist, illustriert Fine anhand der Ergebnisse einer ethnografischen Untersuchung des Arbeitslebens auf einer von Shell betriebenen Offshore-Ölplattform im Golf von Mexico. Die dortige Arbeitskultur ist von einem Idealbild geprägt, das Männer als stets risikobereit und männliche Körper als unverletzlich darstellt – mit dem Ergebnis einer besonders hohen Unfallrate. Ein Bündel von Maßnahmen zur Minimierung von Unfallrisiken habe dort den Effekt gezeigt, so Fine im Anschluss an die Befunde der Studie, dass „men no longer had to prove how tough and infallible they were“ (S. 230).
Das von Fine aufgegriffene Beispiel ist in mehrfacher Hinsicht interessant, um der Decodierung der äußerst hartnäckigen Verbindung von Arbeit und Geschlecht weiter auf den Grund zu gehen: Die auf der Plattform tätigen Männer wurden nicht aus geschlechterpolitischen Gründen, sondern aufgrund von Sicherheitserwägungen und dem mit Unfällen einhergehenden Gewinnverlust für Shell durch gezielte Sicherheitsmaßnahmen adressiert. Diese Maßnahmen veränderten ihre Handlungsmuster in einem Arbeitskontext, der exklusiv männlich konnotierten Körpern vorbehalten und raum-zeitlich strikt vom restlichen Alltag der Männer getrennt war. Diese kurzen Hinweise verdeutlichen, dass die Dekodierung von Arbeit und Geschlecht kontextabhängig und durch ein zähes Wechselspiel von Persistenz und Wandel geprägt ist. Insofern verwundert es nicht, dass Fines Vision nicht neu, deren konsequente Verwirklichung aber zugleich in weiter Ferne scheint.
Der dritte von der Autorin unterbreitete Vorschlag bezieht sich ebenfalls auf eine frühe, immer noch aktuelle Erkenntnis der interdisziplinären Geschlechterforschung, wenn Fine feststellt, „how deeply embedded the gender system is in childhood“ (S. 235). Die alltägliche, immer noch weitgehend binär strukturierte Geschlechtersozialisation, inklusive ihrer Kommerzialisierung beispielsweise durch die Spielzeugindustrie, kanalisiere die Handlungsorientierungen von Kindern als ‚Mädchen‘ oder ‚Jungen‘. Deren Berufswahl werde so unter Berufung auf die Maxime ‚verschieden, aber gleich‘ als ‚natürliche Präferenz‘ ausgelegt. Hierauf Bezug nehmend stellt die Autorin klar, wie ungerecht es sei, solche individuellen Präferenzen als Erklärung heranzuziehen, ohne zu hinterfragen, dass diese Vorlieben „are eased and deterred by the valleys and hills of the gender system – destination patriarchy […] (S. 236). Zudem kritisiert sie die Schlagseite von Gleichstellungsansätzen, die Mädchen zwar für MINT-Studienfächer (STEM), keineswegs aber gleichermaßen Jungen für Tätigkeiten in „health, education, administration and literacy fields“ (S. 236) zu gewinnen suchen.
In diesem Ansatzpunkt spiegelt sich die doppelte Kritik, die Fines Argumentationsgang strukturiert: Die Präferenz-These verweist auf die Evolutionspsychologie und deren Annahme einer modernisierungs- wie individualisierungsbedingten Durchsetzung der ontologischen Geschlechterdifferenz als ‚freie Wahl‘. Die Kritik an den konkreten Gleichstellungsmaßnahmen wiederum verweist auf deren Einseitigkeit, weil sie die Selbstoptimierung von Frauen vorsehen, ohne die Geschlechterverhältnisse grundsätzlich in den Blick zu nehmen.
An die bestens bekannte programmatische Forderung einer Überwindung von geschlechterbezogenen Sozialisationsmechanismen schließt Fines vierter Ansatzpunkt an: die Demokratisierung von Karrieresystemen mit dem Ziel, die Diversität in Management-Positionen, aber auch generell in Unternehmen mit flachen Hierarchien, voranzubringen. Fine nennt konkrete Maßnahmen zur Stärkung des Selbstmanagements von Teams, beispielweise im Hinblick auf die Gestaltung von Arbeitszeiten, Mentoring-Programme für alle statt nur für „future stars“ oder bestimmte benachteiligte Gruppen sowie die Begegnung ganz unterschiedlicher Berufsgruppen und Menschen in Teams. Mit ihrer Feststellung, dass „[n]otably none of these practices involve ‚fixing‘ women, singling them out in divisive ways for extra ‚help‘ “ (S. 237), grenzt Fine sich von Ansätzen ab, die Gleichstellung erreichen wollen, indem sie Geschlechterstereotype aufrufen, um sie zu überwinden. Die Autorin plädiert hingegen für den Einsatz von Konzepten, die auf einem relationalen Denken basieren, dass die Interessen ganz verschiedener, benachteiligter Positionen in Organisationen einbezieht und verbindet. Das sieht sie als Grundlage dafür an, dass Organisationen ihre Perspektive öffnen, in Richtung von „being more egalitarian about who benefits from organizational resources“ (ebd.).
Im Anschluss an die bislang skizzierten Ansatzpunkte für einen Wandel fragt Fine nach der Verteilungsgerechtigkeit, besser gesagt thematisiert sie die ungleiche Verteilung von Geld und Anerkennung im Hinblick auf die finanzielle und ideelle Anerkennung gesellschaftlicher Arbeit. Sie hinterfragt die herrschende Marktorientierung und argumentiert erneut für einen relationalen Ansatz, der zu einer Aufwertung von Sorgearbeit beitragen soll. Zudem weist sie auf die marginalisierte Position bestimmter Gruppen von Frauen hin: „Women, especially working-class women and racial-minority women, are often overrepresented among the exploited and underrepresented among the exploiters.“ (S. 238) Folgerichtig plädiert die Autorin mit Nachdruck für angemessene Mindestlöhne und Arbeitsbedingungen, die soziale Sicherheit garantieren.
Entsprechend wirbt Fine im letzten Absatz ihres Ausblicks für den Ausbau von Wohlfahrtspflege (public services) und eine „financial transaction tax“ (S. 240): „More funding for those public services would also mean that paid care workers, mostly women, could enjoy higher wages, more training and better work conditions“ (S. 241). Ironisch ergänzt die Autorin in kursiver Schrift, dies sei ja nur ein Vorschlag („I‘m just saying“, S. 240) – womit sie ihre Überlegungen als wenig erfolgreich rahmt, was die aktuelle politische Lage betrifft.
Das Buch von Cordelia Fine ist eingängig geschrieben, der Humor der Autorin pointiert ihre wesentlichen Einsichten auf originelle Weise. Ihre Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge anschaulich zu erklären und geschlossene Argumentationsketten kritisch zu dekonstruieren, ist beeindruckend. Dies gilt ebenfalls für die enorme empirische Evidenz, mit der sie e eigenen Überlegungen unterlegt. Damit fundiert sie über alle Kapitel hinweg, dass wissenschaftliche Thesen zur Bedeutung und Beharrung von Geschlechterdifferenzen wissenschaftstheoretisch kritisch eingeordnet und durch empirische Befunde in Frage gestellt werden können. Genauso verhält es sich mit Praxisansätzen, in denen das Verhältnis von Egalität und Differenz ohne Ungleichheitskritik bestimmt wird.
Zugleich erzeugt die Lektüre eine tiefe Müdigkeit, ergeben sich aus den empirischen Befunden – strukturell betrachtet – doch keinerlei neue Erkenntnisse. Die von Fine vorgetragenen unzähligen Belege und argumentativen Differenzierungen verdeutlichen die Hartnäckigkeit einer komplexen Ungleichheitskonstellation, die mit einem indifferenten Patriarchatskonzept nicht bis in die Tiefe erfasst werden kann. Die potenzielle Überwindung dieser Ungleichheits- und Herrschaftskonstellation rüttelt an den Grundfesten der spätkapitalistischen Gesellschaft – auch das verdeutlichen die Ausführungen Fines. Ihre Vision bleibt dieser Gesellschaftsform aber verhaftet und verspricht eine gezähmte, regulierte Version einer marktliberalen Gesellschaft, deren vernunftbegabte Mitglieder gemeinwesenorientierte Entscheidungen treffen, die gesellschaftlich notwendige Arbeit gerechter verteilen, ihre Re/Produktivität wechselseitig anerkennen und soziale Gerechtigkeit gegen die Übergriffe des Finanzkapitals verteidigen. Das ist eine hoffnungsvolle Counter-Narration, deren Realisierung im Kontext gegenwärtiger Kräfteverhältnisse (weltweit) allerdings mehr als unwahrscheinlich und zugleich mehr als naiv scheint.
Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Stephanie Kappacher.
Kategorien: Arbeit / Industrie Bildung / Erziehung Care Diversity Feminismus Geld / Finanzen Gender Gesellschaft Kultur Rassismus / Diskriminierung Soziale Ungleichheit Sozialer Wandel
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