Marc Strotmann | Rezension |

Wer bin ich und von welcher Position aus spreche ich?

Rezension zu „Ich-Sagen. Eine Genealogie der Situiertheit“ von Florian Sprenger

Abbildung Buchcover Ich-Sagen von Sprenger

Florian Sprenger:
Ich-Sagen. Eine Genealogie der Situiertheit
Deutschland
Berlin 2025: August Verlag
430 S., 32,00 EUR
ISBN 978-3-751-89030-4

Die breite Rezeption der französischen Autor:innen Annie Ernaux, Didier Eribon und Édouard Louis hat in den Sozial- und Geisteswissenschaften Diskussionen über autobiografische Erzählformen angeregt.[1] Autobiografische Anteile und das Schreiben über sich selbst sind in sozial- und geisteswissenschaftlichen Texten nicht neu. Aktuell stellt sich die Frage danach, wie viel „Ich“ notwendig ist, um Erfahrungen sozialer Benachteiligung, Ausgrenzung und Marginalisierung zur Sprache zu bringen und (anhand der eigenen Lebensgeschichte) sichtbar zu machen. Derlei Selbstthematisierungen können entweder als gewinnbringende Analyse oder aber als pathetische oder banale Selbstentblößung wahrgenommen werden.[2]

Der Medienwissenschaftler Florian Sprenger widmet sich in seinem Buch Ich-Sagen. Eine Genealogie der Situiertheiteiner anderen Form der Selbstthematisierung, mit der sich soziale Machtverhältnisse reflektieren lassen und die zu einem kontroversen Gegenstand aktueller identitätspolitischer Debatten geworden ist: die Situierung. Sich zu situieren, geht mit einem Sprechakt einher, in dem ein Subjekt den sozialen Ort benennt, von dem aus es spricht, also welche Bedingungen, Privilegien und Diskriminierungen einfließen, wenn es Ich sagt.[3] Warum wendet sich Sprenger gerade Sprechakten und Praktiken des Situierens zu, um Klarheit darüber zu gewinnen, welche Rolle es spielt, Ich zu sagen? In seiner Einleitung (Kap. 1) konstatiert er, dass Sprechakte und Praktiken des Situierens seit den 1980er-Jahren „zu wirkmächtigen Formaten gesellschaftlicher Aushandlungen geworden“ sind und inzwischen selbstverständlich erscheinen, „weil sie die individuelle Perspektive auf die mit einer sozialen Position verbundenen Privilegien oder Benachteiligungen beziehen“ (S. 10). Soziale Ungleichheiten werden an einer konkreten Person sicht- und erfahrbar. Darüber lässt sich mitunter eine wirkmächtige Sprecherposition gewinnen – dies hat situierenden Sprechakten den abwertenden Ruf der ‚wokeness‘ eingebracht.[4] Sprenger selbst gesteht, ein „Unbehagen an den Imperativen des Situierens“ (S. 48) zu verspüren, setzt diesem aber das Anliegen entgegen, an ein emanzipatives Verständnis „situierter, aber nicht an einen fixen Ort gebundener und uneindeutiger Subjektivität“ (S. 23) erinnern zu wollen, das er in älteren feministischen Texten zur Situierung ausmacht.

Allerdings will Sprenger nicht zu einer orthodoxen Lesart klassischer feministischer Texte zurückkehren. Ich-Sagen wählt zwei andere Wege, um die Potenziale des situierten Sprechens auszuloten. Erstens begibt sich Sprenger auf eine begriffsgeschichtliche Spurensuche: Martin Heideggers Bestimmung der Befindlichkeit sickerte, ins Englische übertragen von Hubert Dreyfus, in technikphilosophische Bewertungen ein und wurde schließlich zu einem wichtigen Bezugspunkt feministischer Autorinnen. Zweitens verbindet Sprenger seine Wissensgeschichte der Situierung mit der Frage, wie sich Subjekte im Akt des Situierens in ein Verhältnis zu Macht und Wahrheit setzen.

Kapitel 2 zeugt von der kritischen Haltung des Autors. Noch bevor sich Sprenger in die Genealogie des Begriffs vertieft, fragt er, wie man ein Buch über Situiertheit schreibt. Er untersucht zunächst aktuelle Praktiken (z.B. Techniken des Awareness-Trainings) und vergangene Sprechakte des Situierens (der Situationsbegriff in der Phänomenologie), um „Situiertheit unselbstverständlich zu machen“ (S. 27). Dieser Streifzug lässt Sprengers ambivalentes Verhältnis zur Situierung erkennbar werden. Denn einerseits erklärt er, Ich-Sagen zu schreiben, „um den rechten Angriffen“ auf als ‚woke‘ diffamierte Wissensbereiche (z.B. den Gender Studies) „entgegenzutreten“ (S. 56). Die „neuen Wege, die die feministischen Debatten der 1980er Jahre eröffnet haben“ (ebd.) böten dazu eine wertvolle Orientierung. Andererseits wendet er sich „gegen das Situieren, insofern dieser Sprechakt mit dem Versprechen auf Transparenz und Selbstidentität verbunden wird“ (S. 54).

Sprengers Vorbehalte richten sich gegen die vermeintliche Selbstsicherheit situierter Sprechakte, ein bereits vorhandenes Wissen über das Ich, das sich äußert, zu besitzen und offenlegen zu können. Mit seinen fortlaufenden Reflexionen, von einer privilegierten Position aus zu sprechen (als weißer Mann und Professor), demonstriert Sprenger ebendiese von ihm zugleich untersuchte Form des Ich-Sagens, die ihre Konstitutionsbedingungen permanent selbst befragt. Obgleich der Ton seines Buches uneitel ist und die Leser:in (zumindest zunächst) kaum etwas über die Biografie des Autors Florian Sprenger erfährt, vermittelt sein tastendes, sich immer wieder selbst befragendes Vorgehen ein Zaudern: Dieses bezieht sich zum einen auf die Sorge, sich Praktiken situierenden Sprechens illegitim anzueignen, zum anderen auf Transparenz und Selbstidentität, die mit ihnen assoziiert werden. Sprengers in Kapitel 3 beschriebener methodologischer Zugriff, Praktiken und Sprechakte des Situierens als Technologien des Selbst zu analysieren, ist daher als eine zweifache Operation anzusehen. Erstens gibt sie dem Medienwissenschaftler das nötige theoretische Rüstzeug an die Hand, um Situierung als ein Wahrsprechen zu verstehen, „wodurch das Subjekt durch spezifische Akte des Sprechens […] Wissen über sich selbst“ erzeugt (S. 163). Zweitens rekurriert Sprenger auf Michel Foucault und vor allem auf dessen Konzeption von Kritik,[5] um „einen Raum für das Nichtnotwendige zu schaffen und Selbstverständnisse auszuhebeln“ (S. 167), also Situierung als eine unabgeschlossene Praxis zu begreifen.

Die Kapitel 4, 5 und 6 widmet Sprenger seiner titelgebenden Genealogie der Situierung. Dabei arbeitet er zunächst die Beziehung zwischen wegbereitenden Autorinnen feministischer Epistemologie und den ab den 1970er-Jahren aufkommenden ökofeministischen Bewegungen heraus. An dieser von Sprenger nachgezeichneten Verbindungslinie zeigt sich weniger die historische Entstehung des Begriffs der Situierung als vielmehr eine gemeinsame, ökologisch inspirierte Emphase auf das Zusammenleben von menschlichen und nicht-menschlichen Wesen und ihren Umgebungen. Auch wenn Sprenger anmerkt, dass sich erkenntnistheoretisch engagierte Autorinnen wie Donna Haraway wiederholt kritisch zu ökofeministischen Ansätzen geäußert haben, erweist sich die ökologisch begründete Relationalität als unverzichtbar für die Analyse situierter Praktiken.

Befindlichkeit drücke stattdessen eine „tiefer liegende Bezogenheit der Existenz auf ihren Ort“ (S. 207) aus und verweise auf ein Umgebungsverhältnis, das bei Heidegger mit Heimat verknüpft und gegen eine moderne „Bodenlosigkeit“ (S. 210) gerichtet gewesen sei.

Das Herzstück von Sprengers genealogischer Untersuchung ist eine Serie von begrifflichen Übersetzungen. Anhand dessen wird die bislang wenig beachtete theoretische Nähe zwischen der Phänomenologie und der feministischen Epistemologie deutlich, nämlich das Subjekt in seiner Verkörperung und räumlichen Gebundenheit zu verstehen. Dabei ist es nicht der Begriff der Situation, in der Phänomenologie unter anderem diskutiert von Autor:innen wie Jean-Paul Sartre, Maurice Merleau-Ponty und Simone de Beauvoir,[6] den Sprenger als primären Bezugspunkt identifiziert, sondern Heideggers Konzept der Befindlichkeit in Sein und Zeit.[7] Mit Befindlichkeit beschreibt Heidegger einen „Zustand des Weltzugangs, ohne den es kein Subjekt gibt“ (S. 204), der aber nicht mit Bewusstheit oder Reflexion gleichgesetzt werden kann. Befindlichkeit drücke stattdessen eine „tiefer liegende Bezogenheit der Existenz auf ihren Ort“ (S. 207) aus und verweise auf ein Umgebungsverhältnis, das bei Heidegger mit Heimat verknüpft und gegen eine moderne „Bodenlosigkeit“ (S. 210) gerichtet gewesen sei. Sprenger zeichnet nach, dass Heideggers mit antimodernem Ressentiment durchzogener Begriff der Befindlichkeit in der Nachkriegszeit eine überraschende Transformation durchlief.

Als Schlüsselfigur präsentiert Sprenger den US-amerikanischen Philosophen Hubert Dreyfus, der sich in den 1960er-Jahren kritisch an der zeitgenössischen KI-Forschung abarbeitete. Dreyfus war der Ansicht, „dass alles Verhalten verkörpert ist und eine Maschine daher einen Körper benötigt, um sich in einer Situation zurechtzufinden“ (S. 217). Um diesen Einwand gegen die damalige KI-Forschung zu stützen, bezog sich Dreyfus auf eine der kursierenden Übersetzungen von Heideggers Begriff der Befindlichkeit ins Englische: situatedness. Nachdem dem Philosophen im Bereich der KI-Entwicklung zunächst kein Gehör geschenkt wurde, avancierte sein Verständnis situierter Verkörperung in den 1980er-Jahren zu einem entscheidenden Impuls für die Robotik und für die Theoretisierung von Mensch-Maschinen-Interkationen in alltagsweltlichen Kontexten. Die ethnomethodologisch geschulte Technikanthropologin Lucy Suchman machte Ende der 1980er-Jahre mit ihrer einflussreichen Arbeit Plans and Situated Action[8] den Begriff der Situiertheit für sozialwissenschaftliche Interaktionsanalysen anschlussfähig. Sprenger gelingt es durch seine wissenschaftshistorisch kenntnisreiche Rekonstruktion darzulegen, dass trotz bestehender Differenzen zwischen so unterschiedlichen Feldern wie der Robotik, den Kognitionswissenschaften und der Ethnomethodologie die Verwendung von Situiertheit in diesen Kontexten zeitgleich bedeutsam wird, um die „Abhängigkeit des Situierten von den sozialen, technischen und körperlichen Bedingungen, die es prägen“ (S. 247), zu beschreiben.

Welche Wirkung hatte der Begriff der Situierung auf feministische Erkenntnistheorien und die in den 1980er-Jahren hitzig geführten methodologischen Diskussionen zum Standpunkt des Subjekts? Welche Konsequenzen hat zudem die phänomenologische Herkunft für das Verständnis von Situierung innerhalb feministischer Theoriebildung? Um diesen komplexen Fragen gerecht zu werden, zeichnet Sprenger überaus umsichtig die zentralen argumentativen Stränge der marxistisch beeinflussten standpoint epistemologies nach und begegnet im Zuge dessen typischen Einwänden, die Standpunkttheorien würden Erfahrungen und Identitäten essenzialisieren. Autor:innen wie Nancy Hartsock und Sandra Harding haben damit gerungen, was es bedeutet, eine marginalisierte Erfahrung zur Sprache zu bringen und so eine Position in sozialen Auseinandersetzungen einzunehmen. Donna Haraway knüpfte Ende der 1980er-Jahre mit ihrem prägenden Aufsatz „Situiertes Wissen“ an diese Problemstellungen an, verschob aber, wie Sprenger festhält, „den marxistischen Fokus dieser Debatten […] hin zu einer unterschwellig phänomenologisch ausgeprägten Auseinandersetzung mit der Gegebenheit der Situation, die nur aus der individuellen Situiertheit zu erfassen ist“ (S. 255). Sie visierte zwei Korrekturen der Standpunkttheorien an: Zum einen resultiere das Wissen des Subjekts nicht aus einer fixen gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Position (z.B. als Frau). Zum anderen sei jegliche Wissensgenerierung nur partiell, sie müsse somit notwendigerweise in Beziehung zu anderen Perspektiven gesetzt werden und bedürfe einer stetigen Revision.

Sprengers genealogischer Nachvollzug plausibilisiert eine Begriffsverschiebung, die von der marxistischen „Auseinandersetzung mit der objektiven Realität der gesellschaftlichen Ausbeutungsverhältnisse“ zur „Auseinandersetzung mit individuellen Erfahrungen von Unterdrückung“ (S. 309) tendiert.

Es ist fraglich, wie ausschlaggebend der von Sprenger herausgestellte phänomenologische Bedeutungshorizont für Haraways Entscheidung gewesen ist, den Begriff der Situierung in feministische Diskussionen einzubringen.[9] Dennoch plausibiliert der genealogische Nachvollzug eine Bewegung, die von der marxistischen „Auseinandersetzung mit der objektiven Realität der gesellschaftlichen Ausbeutungsverhältnisse“ zur „Auseinandersetzung mit individuellen Erfahrungen von Unterdrückung“ (S. 309) tendiert. Für die Argumentation in Ich-Sagen ist diese Bedeutungsverschiebung relevant, um situierende Praktiken als reflexive Form der Selbstthematisierung zu präsentieren. In den beiden letzten Kapiteln verknüpft Sprenger die Einsichten aus der begriffsgeschichtlichen Untersuchung mit seiner kritischen Haltung, Sprechakte und Praktiken des Situierens als gegenwärtige Technologien des Selbst zu reflektieren. Er wählt dafür die überaus persönliche Auseinandersetzung mit seiner Familiengeschichte im Nationalsozialismus. Die beiden Erzählungen, die von Vertreibung und Verwicklung während der NS-Zeit handeln, dokumentieren nicht die Leiden und die Schuld ihrer Protagonist:innen. Vielmehr beschreiben sie Sprengers eigene Ungewissheiten und somit die Irrwege derjenigen Person, die das vergangene Erleben eines/einer Verwandten zu ihrer eigenen Geschichte macht. Sprenger erkennt an, dass es „keinen Boden“ gibt, „von dem aus ich wissen könnte, wie es wirklich gewesen ist“ (S. 369). Diese Bodenlosigkeit – in Sprengers begrifflicher Umwertung des von Heidegger modernekritisch und antisemitisch verwendeten Ausdrucks[10] – erscheint nicht als Makel. Sprenger erkennt in ihr vielmehr das von ihm antizipierte kritische Potenzial der Situierung. Der Terminus der bodenlosen Situierung[11] betont die Unabgeschlossenheit situierter Praktiken. Sich selbst zu situieren, setzt in Sprengers Lesart voraus, die Vorläufigkeit des eigenen Standorts anzuerkennen.

Sprenger hätte eine deutlich weniger persönliche Auseinandersetzung wählen können, um sein Plädoyer für „ein bodenloses Situieren und für ein Verorten, das den Ort, an dem es steht, nicht als gegeben nimmt“ (S. 397), zum Ausdruck zu bringen. Die Aufarbeitung seiner Familiengeschichte ist eindrücklich, lässt aber den/die Leser:in etwas konsterniert zurück: Unklar bleibt, wie sie im Licht der zuvor herausgestellten Karriere des Situierungsbegriffs zu begreifen ist. Womöglich hätte eine andere Platzierung seiner Familiengeschichte, also nicht erst zum Abschluss des Buches, einen anderen Eindruck erzeugt. Es wäre zudem sicher lohnend gewesen, hätte Sprenger Datenmaterial aus eigener Forschung genutzt, um die von ihm erarbeite Perspektive auf situierende Praktiken exemplarisch darzulegen, empirisch zu fundieren und weiterführend zu reflektieren. Wie eine bodenlose Situierung im akademischen Alltag aussehen könnte, welche solidarischen Beziehungen sich aus ihr ergeben und welche Fragen sich diesbezüglich stellen, wäre auf diese Weise plastischer geworden.[12] Die Einwände schmälern aber nicht die zahlreichen Erkenntnisse, die das Buch für all jene Sozial- und Geisteswissenschaftler:innen bereithält, die sich für aktuelle Formen der Selbstthematisierung interessieren und die nach Wegen suchen, sich in den gegenwärtig so aufgeladenen identitätspolitischen Debatten zu positionieren. Denn durch seine sorgfältige und vielschichtig angelegte begriffsgeschichtliche Einordnung sowie seine sensible Selbstverortung gelingt es Sprenger, die inzwischen selbstverständlich gewordene Rede von einem „situierten Standort“ mit einer selbstkritischen und Widersprüche akzeptierenden Haltung zu verknüpfen.

  1. Vgl. einführend zur Rezeption autosoziobiografischer Erzählformen Carlos Spoerhase, Politik der Form. Autosoziobiografie als Gesellschaftsanalyse, in: Merkur 71 (2017), 818, S. 27–37; sowie speziell zu ihrer Bewertung in der Soziologie Carolin Amlinger, Literatur als Soziologie. Autofiktion, soziale Tatsachen und soziologische Erkenntnis, in: Eva Blome / Philipp Lammers / Sarah Seidel (Hg.), Autosoziobiographie. Poetik und Politik, Berlin 2022, S. 43–66.
  2. Die Bezeichnung der Selbstthematisierung geht zurück auf Alois Hahn / Volker Kapp (Hg.), Selbstthematisierung und Selbstzeugnis. Bekenntnis und Geständnis, Frankfurt am Main 1987. Für die Abwertung von autobiografischen Selbstzeugnissen in den Sozial- und Geisteswissenschaften vgl. Pierre Bourdieu, Teilnehmende Objektivierung, in: ders., Algerische Skizzen, hrsg. und mit einer Einl. von Tassadit Yacine, übers. von Andreas Pfeuffer, Achim Russer, Bernd Schwibs et al., Berlin 2010, S. 417–442.
  3. Ende der 1980er-Jahre veröffentlichte Donna Haraway den Text „Situiertes Wissen, seitdem ist die Situierung zu einem Schlüsselkonzept feministischer Epistemologie geworden. Vgl. dies., Situiertes Wissen. Die Wissenschaftsfrage im Feminismus und das Privileg einer partialen Perspektive, in: dies. (Hg.), Die Neuerfindung der Natur. Primaten, Cyborgs und Frauen, übers. von Dagmar Fink, Frankfurt am Main / New York 1995, S. 73–97; Katharina Hoppe / Frieder Vogelmann, Feministische Epistemologien. Genese, Grundlagen, Gegenwart, in: dies. (Hg.), Feministische Epistemologien. Ein Reader, Berlin 2024, S. 7–52.
  4. Vgl. für eine solche Kritik bspw. Maria-Sibylla Lotter, Sind „vulnerable Gruppen“ vor Kritik zu schützen? Die Funktionen der Redefreiheit für die liberale Demokratie und die Ideologisierung der Vulnerabilität, in: Zeitschrift für Praktische Philosophie 9 (2022), 2, S. 375–398.
  5. Vgl. Michel Foucault, Was ist Kritik?, übers. von Walter Seitter, Berlin 1996.
  6. Für eine sich explizit an verschiedenen Strömungen der Phänomenologie orientierende Interpretation von Situiertheit vgl. Thomas Bedorf, Situative Differenz. Situiertheit und Positionierung als Grundbegriffe einer politischen Phänomenologie, in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie 71 (2024), 6, S. 932–942.
  7. Martin Heidegger, Sein und Zeit [1927], Tübingen 1979.
  8. Lucy Suchman, Plans and Situated Actions. The Problem of Human-Machine Communication, Cambridge 1987.
  9. Gerade im Verhältnis zu poststrukturalistischen und pragmatistischen Einflüssen, die in Haraways Arbeiten zu finden sind. Ich danke Katharina Hoppe für diesen Hinweis. Sprenger betont, dass Haraway weder Heidegger noch andere phänomenologische Autor:innen wie Merleau-Ponty oder de Beauvoir in ihrer Bestimmung situierten Wissens zitiert (vgl. S. 311).
  10. Sprenger verweist darauf, dass bei Heidegger der Begriff der Bodenlosigkeit antisemitisch geprägt gewesen ist: „Was bedeutet es, dass der zutiefst antisemitische, schon lange vor Heidegger etablierte Vorwurf, die Juden seien als wanderndes Volk Parasiten, die keinen Boden und keinen Ort haben, sich in den Vorwurf der ‚Unsituiertheit‘, der Ignoranz gegenüber dem eigenen Ort übersetzen ließe?“ (S. 210).
  11. In der von ihm gewählten Terminologie trifft sich Sprenger mit der jüngeren Arbeit des Sozialphilosophen Thomas Bedorf. Ders., Bodenlos situiert. Eine politische Phänomenologie, Berlin 2025. Dessen Projekt ist stärker in der phänomenologischen Tradition verankert.
  12. Ein Zusammenhang, der gerade in den Medienwissenschaften seit einigen Jahren diskutiert wird. Vgl. zum Schreiben und Publizieren Noam Gramlich / Annika Haas, Situiertes Schreiben mit Haraway, Cixous und Grauen Quellen, in: Zeitschrift für Medienwissenschaft 20 (2019), 1, S. 38–52.

Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Henriette Liebhart.

Kategorien: Epistemologien Feminismus Kommunikation

Abbildung Profilbild Marc Strotmann

Marc Strotmann

Marc Strotmann arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Wissenschafts- und Innovationsforschung der Universität Hamburg. In seiner im Sommer 2024 eingereichten Dissertation „In Zwischenräumen. Performanz und Formgebung in der Forschung an Neurotechnologien“ untersucht er das Auftreten emergenter Wissensfelder am Beispiel neurowissenschaftlicher Forschung. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen der soziologischen Wissenschaftsforschung, den Science & Technology Studies und der Affektforschung.

Alle Artikel

Empfehlungen

Martin Bauer

„Good Luck!“

Bericht zu den „Walter Benjamin Lectures“ von Sally Haslanger am 14., 15. und 16. Juni 2023 im Otto-Braun-Saal der Staatsbibliothek zu Berlin

Artikel lesen

Julia Grillmayr

Interessiert im Sinne von engagiert

Rezension zu „Feministische Epistemologien. Ein Reader“ von Katharina Hoppe und Frieder Vogelmann (Hg.)

Artikel lesen

Julia Grillmayr

Ein revisionärer Realismus

Rezension zu „Die Kraft der Revision. Epistemologie, Politik und Ethik bei Donna Haraway“ von Katharina Hoppe

Artikel lesen

Newsletter