Peter Wagner | Rezension | 09.09.2026
Der „Urakt der menschlichen Vereinnahmung“
Rezension zu „Fossile Moderne. Eine Naturgeschichte der Gegenwart“ von Andreas Folkers
Die fossile Verschmutzung ist der „Urakt der menschlichen Vereinnahmung des gesamten Planeten“ (S. 339). Dies ist Ausgangspunkt und Leitgedanke von Andreas Folkers’ beachtlichem Buch Fossile Moderne. Er liest die Geschichte der letzten zwei Jahrhunderte aus dem Blickwinkel einer „Vereinnahmung“, die mit der Extraktion von Kohle, Erdöl und Gas begonnen, dank der abstrakten Neudefinition dieser Materialien als Energie fortgeführt und aufgrund der Durchdringung der Gesellschaft mit entsprechenden Infrastrukturen und Praktiken beschleunigt wurde. Soweit ist die Geschichte durchaus bereits bekannt – insbesondere als Geschichte des Klimawandels, seines Ursprungs und seiner Folgen, gestützt auf die Autorität des Weltklimarats, der seine Diagnose mit immer größerer Dringlichkeit seit mehr als drei Jahrzehnten wiederholt. Andreas Folkers’ Buch will jedoch sehr viel mehr als eine Auffrischung dessen sein, was wir schon wissen. Es strebt einen Perspektivenwechsel an. Passenderweise erscheint es in einem Sommer, in dem die fossile Moderne Infrastrukturen mehr denn je zum Kollabieren gebracht und Zehntausende Hitzeopfer allein im mutmaßlich hochmodernen Europa gefordert hat.
Folkers nennt sein Buch im Untertitel eine „Naturgeschichte“, denn Kohle, Erdöl und Gas seien dem Menschen in der Erdgeschichte vorangegangen und über lange, der menschlichen Erfahrung unzugängliche Zeiträume geschaffen worden. Dies trifft zwar auch auf viele andere Elemente dessen zu, was wir als Natur begreifen. Allerdings konnten wir plausiblerweise annehmen, dass jene Natur sich nach menschlicher Nutzung regeneriert; nicht so fossile Materialien. Die fossile Moderne eröffnet ein Zeitalter der Unumkehrbarkeit. Dies steht im Mittelpunkt von Folkers’ Diagnose, und zwar in zweierlei Hinsicht. (Genau betrachtet sogar in dreierlei Hinsicht, aber zum dritten Aspekt komme ich später, da er im Buch nicht explizit angesprochen ist.) Zum einen sind die fossilen Materialien, die unsere Moderne prägen, nicht unerschöpflich. Es ist das bekannte Problem der „Grenzen des Wachstums“, insbesondere in der Energienutzung, wie es der Club of Rome 1972 prominent diagnostizierte. Aufmerksamen Beobachtern fiel dies bezüglich der Kohlenutzung schon im 19. Jahrhundert auf. Apologet:innen der kommenden ‚Energiewende‘ tun manchmal so, als ließe sich die fossile auf eine ‚erneuerbare‘ Moderne umstellen, und übersehen (oder leugnen) dabei, dass Knappheit und Endlichkeit mit der Einführung einer neuen Technologie keinesfalls verschwinden.
Für Andreas Folkers geht Irreversibilität zudem über Verknappung hinaus. Zum anderen nämlich betrachtet er die Ausbreitung der Rückstände der Nutzung fossiler Materialien über den ganzen Planeten und in den Lebewesen. Er beginnt mit der Akkumulation von Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre, auf die sich die Diskussion über Klimawandel konzentriert, und analysiert darüber hinaus sowohl die Anreicherung natürlich vorkommender Elemente wie Stickstoff oder Phosphor „an den falschen Stellen“ (S. 299) als auch die Dissipation neuer Elemente wie Mikroplastik oder PFAS („forever chemicals“), die nicht oder nur über sehr lange Zeiträume abbaubar und nicht oder kaum rückholbar sind.[1] Dies haben sie mit dem Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre weithin gemeinsam. Ihre Rückstände konstituieren „die molekulare Monumentalität der fossilen Moderne“ (S. 242) und erfordern es, sich der Irreversibilität der jüngeren Geschichte selbst dann zu stellen, wenn unwahrscheinlicherweise Knappheit an Ressourcen vermieden werden könnte. Der zweite Teil des Buches über „Residuen“ ist die innovativste Komponente in der Neulektüre der Gegenwart, die Andreas Folkers unternimmt, insbesondere in der Integration der mittlerweile klassischen Betrachtung der Nutzung fossiler Brennstoffe im ersten Teil („Ressourcen“) und in der Verknüpfung mit verbleibenden Handlungsoptionen im dritten Teil („Reparaturen“).
Das Fortschreiten auf dem derzeitigen Weg – weit davon entfernt, Fortschritt zu sein – hätte katastrophale Folgen, deren Konturen wir bereits wahrnehmen könnten.
Diese doppelte Unumkehrbarkeit der fossilen Moderne verlangt ein Umdenken bezüglich der Zukunft und hinsichtlich unserer Handlungsmöglichkeiten in der Gegenwart, das Andreas Folkers im dritten Teil seines Buches skizziert. Das Fortschreiten auf dem derzeitigen Weg – weit davon entfernt, Fortschritt zu sein – hätte katastrophale Folgen, deren Konturen wir bereits wahrnehmen könnten. Stattdessen gelte es, so weit wie möglich Reparaturen vorzunehmen, um diese Folgen zu begrenzen und abzumildern und einen neuen Pfad einzuschlagen. Folkers kombiniert bekannte Elemente in einer Weise, dass sie sich – so seine Hoffnung – zu einer Strategie im Umgang mit der fossilen Moderne formieren: Statt zunehmendem Ressourcenverbrauch und weiteren Rückständen setzt er auf eine stärker zirkuläre Ökonomie; Verantwortlichkeit muss Übernahme von Verantwortung mit der Fähigkeit zum angemessenen Handeln verbinden („response-ability“ im Sinne Donna Haraways, S. 359); und Reparatur schließt Übernahme von Verantwortung für historisches Unrecht ein, wie im Begriff der Reparation ausgedrückt. Dem ist nur umfassend zuzustimmen, und erst in der Synthese dieser drei Strategiekomponenten werden die Dimensionen der Aufgabe deutlich.
Folkers stellt diesen dritten und letzten Teil seines Buches zu Beginn als handlungsorientiert dar und weist jene Endzeiterwartungen zurück, zu denen manche heute neigen: „Die Beschwörung des ‚Endes‘ der Zukunft oder gar der Zeit entledigt sich der Verantwortung gegenüber dem beschädigten Morgen.“ (S. 455). Aber am Ende scheinen ihm selbst Zweifel zu kommen, wenn er (selbst-)kritisch fragt: „Muss es angesichts der massiven Limitierungen kompensatorischer Mechanismen nicht eher um Revolution als bloß um Reparation gehen?“ (S. 444) Seine Überlegung veranlasst ihn, Marx’ Revolutionsverständnis Revue passieren zu lassen, um dann zu dem Schluss zu kommen, dass sehr wohl eine Revolution notwendig sei, dass aber im Schatten der fossilen Moderne „revolutionäre Kritik […] reparativ werden“ müsse (S. 446). Er räumt nachfolgend ein, der Gebrauch des Wortes „reparativ“ klinge sehr nach „Abschied von umfassenden gesellschaftlichen Transformationsprojekten“ (S. 461), meine aber die Notwendigkeit von Revolution: „Ökologische Reparatur- und Reparationsprojekte müssen […] ähnlich ambitioniert sein wie die technischen und sozialen Revolutionen der Moderne.“ (ebd.)[2] Mit seinen Betrachtungen der gesellschaftlichen Antwort auf die Industrielle Revolution im Europa des späten 19. Jahrhunderts legt Folkers eine Grundlage zum Vergleich vergangener Revolutionen mit einer heute notwendigen „Naturrevolution“ (S. 449 f.); ein Vergleich, der dann in seinen Schlussfolgerungen fruchtbar weiter entfaltet wird – dazu gleich mehr.
Andreas Folkers hat ein wichtiges Buch geschrieben, das eine anregende und durchaus provokative Diagnose unserer Gegenwart liefert. Wer ökologische Diskussionen aufmerksam verfolgt, wird vielleicht wenig völlig Neues finden, aber die Absicht, wie gesagt, ist auch eher die eines Perspektivenwechsels, oder besser: der Akzentuierung eines Perspektivenwechsels durch umfassendes und kompetentes Zusammenbringen sowohl von theoretischen Ansätzen als auch von Informationen. Das Buch ist schwungvoll geschrieben und reich an Beobachtungen, die manchmal peripher erscheinen mögen, aber die Argumentation anschaulich machen – so etwa ein mich verblüffender Hinweis auf einen Ausdruck für Erfahrungen mit fossiler Moderne im Ruhrgebiet (den ich hier nicht wiedergebe, damit Interessierte ihn im Buch auffinden können, statt ihn im Internet zu suchen). Ein umfangreiches Buch mit großem Anspruch ist nie frei von Schwächen, aber das Anliegen der nachfolgenden kritischen Anmerkungen ist nicht die kleinteilige und kleinliche Analyse, sondern eine Einladung zu weiterer Diskussion mit dem Autor und seinen hoffentlich zahlreichen Leser:innen. Die Kommentare sind aufgereiht, aber sie bauen aufeinander auf und sind eng miteinander verbunden, wie hoffentlich deutlich werden wird.
Mir scheint, Andreas Folkers hat mit „Naturgeschichte“ einen problematischen Untertitel gewählt. Obwohl er beide Aspekte explizit thematisiert, ist es weder eine Geschichte noch handelt diese von der Natur. Beginnen wir mit der Geschichte. Die Dreiteilung des Buches in „Ressourcen“, „Residuen“ und „Reparationen“ ist elegant und leserfreundlich, da übersichtlich, aber sie stützt keine historische Betrachtungsweise. Sie operiert nicht mit einer klaren Chronologie, kennt keine signifikanten Ereignisse und identifiziert keine Dynamik des Wandels – Letzteres jedenfalls nicht explizit, wie ich gleich zeigen werde. Die fossile Moderne erscheint als ein Block in der Zeit, der irgendwann entstand und dessen Existenz Folgen zeitigt. Bei allem Respekt für Gilbert Simondon und Jean-Paul Sartre sind deren Begriffe von „rekursiver Kausalität“ (S. 76) und „dialektischer Zirkularität“ (S. 77) wenig hilfreich, um das zu verstehen, was Folkers später den „Urakt“ der fossilen Moderne nennt. Sie verwischen nur Konturen und sind nicht in der Lage, komplexe historische Veränderungen zu analysieren.
Die Natur in seiner Naturgeschichte drückt sich bei Folkers in der Betonung von Materialität aus. Er spricht damit zu Recht ein langanhaltendes Defizit der sozialwissenschaftlichen Betrachtung großer gesellschaftlicher Transformationen an und ist bestrebt, die Gegenüberstellung von historischem und „Neuem Materialismus“ (S. 42) in einer neuen Synthese zu überwinden.[3] Daher überrascht es, dass von der konkreten Materialität des Fossilen in seinen Varianten Kohle, Erdöl und Gas sehr wenig die Rede ist. Folkers thematisiert zu Recht Begriffe wie „Energie“ und später „Ökonomie“, die fossile Materialien vergleichbar und kalkulierbar machen. In ähnlicher Weise analysiert er die Begriffe „Natur“, „Umwelt“ und „Ökosystemdienstleistungen“ (S. 332 ff.). Aber dadurch scheint es. als sei er mehr an den Formatierungen, nicht zuletzt Wissensformatierungen, mittels derer die fossilen Materialien domestiziert wurden, interessiert als an deren Materialität selbst. Es gibt wenig Reflexion darüber (wenngleich angedeutet, S. 42), dass in deren natürlichem Vorkommen Kohle fest, Öl flüssig und Erdgas eben gasförmig ist und was dies für einen Unterschied hinsichtlich der Extrahierbarkeit, Transportierbarkeit und Verwendbarkeit bedeutet. Es scheint, als ob Andreas Folkers nicht den – allzu sozialen? – Gründen nachgehen will, warum Menschen die Nutzung fossiler Materialien so intensiviert haben, dass es zur fossilen Moderne kam. Dies ist natürlich legitim, wenngleich überraschend.
Überraschend aus einem spezifischen Grund. Quantifizierende Beobachtungswerkzeuge haben sich in den letzten Jahren in rasanter Geschwindigkeit verbreitet. Sie erlaubten es mir, festzustellen, dass der Wortstamm „kapital*“ in dem Buch 480 mal vorkommt, also im Durchschnitt auf fast jeder der 500 Seiten, während „material*“ 152 mal auftaucht. Es ist nicht ganz klar, ob Andreas Folkers Kapitalismus als Ursache für das Entstehen und Fortwirken der fossilen Moderne ansieht. Er sagt es nicht explizit (wenn ich nichts übersehen habe), aber an vielen Stellen sieht es ganz so aus. Jedenfalls präsentiert er keine Argumentation dafür, warum dem so sein sollte – oder eben nicht. Vielleicht ist dies nicht seine Frage oder vielleicht hält er die Antwort auf die Frage für offensichtlich. Oft wird die unvermeidliche Akkumulationsdynamik des Kapitalismus als Bindeglied angesehen – etwa wenn Folkers Rosa Luxemburgs Begriff der „Landnahme“ erwähnt und diesen zu „Luftnahme“ erweitert. Aber dann ist die fossile Extraktion nichts anderes als ein Schritt in der langen Geschichte des Kapitalismus, dem „resilienteste(n) Geschöpf im Bestiarium der Moderne“ (S. 448). Die Materialität wird zweitrangig.
Damit komme ich zum Kumulationspunkt meiner Reihe von Anmerkungen: In welchem Sinne konstituieren die fossilintensiven Gesellschaften der Gegenwart eine fossile Moderne? Ist „Moderne“ hier nur ein konventioneller, vertrauter Begriff für eine historische Epoche, mehr oder weniger die letzten zwei oder drei Jahrhunderte? Oder ist die Moderne im Lichte der Analyse notwendigerweise fossil? Oder – dritte Möglichkeit – steht Moderne in einer Spannung zum Fossilen, die hier gerade thematisiert werden soll? Andreas Folkers scheint es einerseits vorzuziehen, der Frage auszuweichen: Das Thema wird am Anfang kurz angerissen, etwas mehr in der ersten Zwischenbetrachtung, aber nicht wirklich entwickelt. Das Buch durchzieht der Eindruck, es handle sich um einen homogenen Zeitblock, in dem Moderne und Fossilität umstandslos miteinander einhergehen. Andererseits aber provoziert der Gedanke einer kommenden Revolution den Vergleich mit den Revolutionen, die zur Moderne führten, wie oben angesprochen. In seinem Schlusskapitel kann und will Folkers daher dieser Frage nicht mehr aus dem Weg gehen.
Verkürzt gesprochen sieht Folkers die Moderne der Aufklärung als Wegbereiter der fossilintensiven Lebensweise. Wie viele andere zitiert auch er zustimmend Dipesh Chakrabartys Wort, wonach das Gebäude der modernen Freiheiten auf dem immer größer werdenden Fundament der Nutzung fossiler Brennstoffe errichtet wurde (S. 189 f.). Dies ist bedauerlich, zunächst, weil die Aussage einer näheren Betrachtung nicht standhält, und nachfolgend, weil sich dadurch Folkers’ Blickwinkel verengt. Fossile Moderne wirft somit zwei Fragen auf, die über Ansatz und Anliegen des Buches hinausweisen. Da ist zunächst die Frage der angemessenen Interpretation geschichtlichen Wandels und daran anschließend die Frage nach dem Verständnis von Unumkehrbarkeit in der fossilen Moderne.
Aber zwischen den beiden historischen Momenten – der Aufklärung und der Industriellen Revolution – besteht keine bruchlose Kontinuität. Es macht keinen Sinn, den Freiheitsbegriff der Aufklärung im Nachhinein als „fossile Freiheit“ (S. 16 und passim) zu kennzeichnen.
Eins nach dem anderen: Wie auch Folkers sagt, wurde der Freiheitsbegriff der Aufklärung von Denker:innen im 17. und 18. Jahrhundert entwickelt, die weder den schnell intensivierten Kohleabbau im 19. Jahrhundert noch die sich daran anschließende gesellschaftliche Transformation, später generell als Industrielle Revolution bezeichnet, vorhersahen. Folkers zeigt deutlich und überzeugend, dass mit der zunehmenden Nutzung fossiler Materialien seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ein „Vermächtnis“ der Moderne (S. 259) geschaffen wurde, das in unumkehrbarer Weise die gegenwärtigen Möglichkeiten für die Zukunft einengt. Dies steht in starkem Kontrast zum weit offenen Erwartungshorizont, der sich im Verlauf der Revolutionen des ausgehenden 18. Jahrhunderts herausgebildet hatte. Aber zwischen den beiden historischen Momenten – der Aufklärung und der Industriellen Revolution – besteht keine bruchlose Kontinuität. Es macht keinen Sinn, den Freiheitsbegriff der Aufklärung im Nachhinein als „fossile Freiheit“ (S. 16 und passim) zu kennzeichnen. Sucht man nach der Verbindung zwischen den zwei verschiedenen Freiheitsbegriffen, so ist es plausibler, hier eine Reinterpretation der aufklärerischen Prinzipien, angestoßen durch deren Aufeinanderprallen mit der Gesellschaft ihrer Zeit, zu erkennen: Erst für das späte 19. Jahrhundert mag man dann zu Recht annehmen, dass so etwas wie „fossile Freiheit“ als handlungsleitendes Prinzip existierte und sich dieses über weitere Reinterpretationen und Konflikte bis zumindest ins späte 20. Jahrhundert erhielt, vielleicht bis heute. Oder mit anderen Worten: Die Moderne war nicht immer schon fossil.
Damit komme ich zur zweiten Frage. Andreas Folkers betont die Konfrontation mit der Unumkehrbarkeit der fossilen Moderne als größte Herausforderung der Gegenwart. Dies sehe ich als die zentrale – und überaus wichtige – Botschaft seines Buches. Was aber, wenn die Reinterpretation hegemonialer politischer Prinzipien, wie etwa dem der Freiheit, und deren Umsetzung in Normen und Institutionen auch einen Pfad der Irreversibilität eingeschlagen hat? Auch die Residuen soziopolitischer Revolutionen verteilen sich in diffuser und unkontrollierter Weise in Raum und Zeit. Sie wieder in geordnete und wünschenswerte Bahnen zu bringen, mag noch schwieriger sein, als Kohlenstoffdioxid wieder einzufangen. Die Vision einer kommenden Naturrevolution, die Andreas Folkers skizziert, ist bereits hochgradig voraussetzungsvoll. Wenn aber zwei parallele Revolutionen erforderlich sind, eine material und die andere soziopolitisch, die sich beide der Unumkehrbarkeit in den Weg stellen müssen, erscheint dies als Aufgabe, die die Kraft eines Herkules und die Beharrlichkeit eines Sisyphos vereinen muss.[4] Im Angesicht dessen verbleibt vielleicht nur die Hoffnung des gescheiterten Revolutionärs Louis-Auguste Blanqui, dessen Spätwerk Folkers am Ende recht unvermittelt diskutiert: die Möglichkeit, dass „wir alles, was wir hier auf Erden hätten gewesen sein können, irgendwo anders sind“ (Blanqui, zit. auf S. 451).
Fußnoten
- Man vermisst an dieser Stelle Verweise etwa auf die Arbeiten von Marco Armiero, z.B. ders., Wasteocene. Stories from the Global Dump, Cambridge 2021.
- Vgl. dazu ähnlich Maxim Khomyakov, Imaginary Temporality of the Anthropocene, in: Filozofia 81 (2026), 10 (im Erscheinen); und die Schlussfolgerungen in Maxim Khomyakov / Peter Wagner, Horizons of Revolutionary Time. Russia in the Twentieth Century and the Logic of Radical Social Transformation (im Erscheinen).
- Vgl. dazu auch Oriol Batalla, Ecologies of Loss. Cultural Approaches to Extinction in the Necrocene, Diss. Barcelona (in Vorbereitung).
- Vgl. Peter Wagner, The Anthropocene and the Direction of History, Filozofia 81 (2026), 10 (im Erscheinen).
Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Henriette Liebhart.
Kategorien: Arbeit / Industrie Kapitalismus / Postkapitalismus Moderne / Postmoderne Ökologie / Nachhaltigkeit
Empfehlungen
Eine andere Geschichte des Kapitalismus
Rezension zu „Stoffwechselpolitik. Arbeit, Natur und die Zukunft des Planeten“ von Simon Schaupp
Freiheit neu erfinden
Rezension zu „Überfluss und Freiheit. Eine ökologische Geschichte der politischen Ideen“ von Pierre Charbonnier