Mechthild Bereswill, Thomas Schmidt-Lux, Julian Müller, Julia Böcker | Veranstaltungsbericht |

Mainzer Splitter III: Mittwoch

Bericht vom 43. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Mainz


Vom Eigensinn der Wissensproduktion

Über welches gesellschaftliche Wissen werden wir zukünftig verfügen? Welche möglichen Zukunftsentwürfe sind in unserem gegenwärtigen Wissen angelegt? Diese doppelte Blickrichtung auf das Verhältnis von Wissen und Zukunft präge,so Michael Müller (Chemnitz) in seiner Einführung, die Beiträge der von ihm gemeinsam mit Silke Steets (Berlin) und Julia Wustmann (Dortmund) organisierten Veranstaltung mit dem Titel „Zukunft des Wissens – Öffnung und Schließung gesellschaftlicher Möglichkeitsräume“. Thematisiert wurden technologische Entwicklungen (Stichwort: KI), Diskurse und Subjektivierungsweisen, institutionelle wie politische Voraussetzungen der Produktion von wissenschaftlichem Wissen sowie die Bedeutung von Ungleichheitserfahrungen für die Genese von Wissen. Mit den vier ausgezeichnet vorgetragenen Beiträgen (ein geplanter fünfter musste entfallen) und der fokussierten Moderation von anschließenden Fragen und weiterführenden Kommentaren verging die Zeit wie im Flug. Dabei wurde ein großer thematischer Bogen geschlagen, vom wissenschaftlichen Lesen über das ‚Modellsubjekt‘ der Diskursforschung und die Governance von Forschungssicherheit bis hin zu einer kritischen Reflexion epistemischer Ungerechtigkeit im Kontext verschiedener Wissenskulturen. 

Im Fokus des ersten Vortrags von Nina Meier (TU Berlin) mit dem Initialakronym „TL; DR (too long; didn’t read)“ im Titel standen grundsätzliche Fragen zum Charakter und zum Wandel der Praxis des wissenschaftlichen Lesens bezogen auf die Zukunft der „Wissensrezeption in Zeiten generativer KI“. Ihrer Frage, wie Lesen sich als epistemische Praxis in solchen Zeiten verändert, stellte sie die These zur Seite, wir hätten es mit neuen hybriden Wissenspraktiken „zwischen interpretativem Sinnverstehen und maschineller Unterstützung“ zu tun. Diese Praxis beleuchtete Meier, indem sie wissenschaftliches Lesen grundlegend als einen interaktiv-kommunikativen Prozess beschrieb, dessen Erkenntnisgewinn zwischen genauem und distanziertem Lesen oszilliere. Dieser Prozess verändere sich durch den Einsatz generativer KI, beispielsweise im Hinblick darauf, ob und in welcher Weise Leser:innen eigene Fragen an einen Text stellen würden. Die mit KI verbundenen Möglichkeiten und Grenzen untersuchte Meier unter anderem anhand derLesetagebücher von Studierenden, deren Erfahrungen und Reflexionen sie aus den Aufzeichnungen rekonstruierte. Im Zusammenspiel mit der differenzierten theoretischen Einordnung des wissenschaftlichen Lesens als generell anspruchsvollen Prozess öffnete dieser erste Vortrag sehr konkret den Blick auf das komplexe Wechselspiel von Dynamiken der Öffnung und Schließung im Kontext gegenwärtiger Wissenspraktiken, die in die Zukunft weisen. Entsprechend regte der Beitrag zu einer ganzen Reihe weiterführender Fragen sowohl zur Untersuchungsperspektive der noch in den Anfängen begriffenen Promotionsstudie als auch zum normativen Gehalt des wissenschaftlichen Lesens an.

Im zweiten Vortrag stellte Martin Blessinger (Augsburg) eine subjektivierungstheoretische Perspektive auf diskursive Zukunftsentwürfe zur Diskussion. Im Rahmen seiner abgeschlossenen Promotion hat er 49 Ratgeber zur nachhaltigen Geldanlage (aus den Jahren 1990 bis 2023) untersucht und mithilfe der wissenssoziologischen Diskursanalyse das in diesen Ratgebern hervorgebrachte „Modellsubjekt“ zu einer Typologie verdichtet. In dieser idealisierten Vorstellung von einem verantwortungsvoll Geld anlegenden Subjekt entstehen, so Blessinger, diskursive Zukunftsentwürfe eines durch die eigene Verantwortungsübernahme möglich werdenden besseren Lebens. Der Vortragende stellte drei Ausprägungen der verantwortungsvollen Geldanlage vor, deren Kern jeweils das Selbstverhältnis des Subjekts bildet: (1) ein auf das eigene Selbst zielendes Modellsubjekt, (2) ein auf das eigene Selbst in Relation zu anderen zielendes Modellsubjekt, (3) ein Selbst, das Teil eines größeren Ganzen ist, in dessen Interesse es handelt. Diese Typologie bettete Blessinger anschließend in den breiteren subjektivierungstheoretischen Forschungsstand ein und fasste die Diskursfigur der verantwortungsvollen Geldanlage als eine diskursive Praxis zwischen der Sorge um sich selbst und utopischen Entwürfen einer sozialökologischen Zukunft von Gesellschaft. Auch dieser empirisch wie theoretisch pointierte Vortrag gab Anlass zu zahlreichen Fragen und Anmerkungen, die sowohl methodologische Aspekte des Konzepts Modellsubjekt als auch die politisierten Bedeutungsdimensionen von Finanzprodukten betrafen. In der Diskussion wurde zudem deutlich, dass die Untersuchung den sozialökologischen Diskurs in den Fokus rückt und keine generellen Aspekte des Investierens von Geld als Zukunftspraxis.

Im Anschluss lenkte Lynn Sibert (TU Berlin) die Aufmerksamkeit auf grundlegende Fragen der global science und global sociology. Im Rahmen ihrer Promotion zu internationalen Forschungskooperationen zeigte Sibert, die dies am Beispiel von China und Deutschland untersucht hat, wie sich Risikobewertungen von Wissenschaftskooperationen  und deren Governance aktuell entwickeln. In ihrem dichten, durch breites und zugleich spezielles Wissen fundierten Vortrag veranschaulichte sie einen unübersichtlichen, ungleichzeitigen und durch viele Akteur:innen in keineswegs eindeutig erkennbare Richtungen gesteuerten Prozess. Forschungssicherheit offenbarte sich dabei als politisches Konzept im Kontext eines geoökonomischen Wandels, in dessen Verlauf sich Interdependenzen und Kooperationen rekonfigurieren. Die Vortragende warb dafür, solche Prozesse nicht zu einseitig als große Transformationen einzuschätzen. Sie sehe darin eher einen eigenen Wandlungsmodus der Refiguration globaler Wissensproduktion und auch konkreter Kooperationen, der soziologisch bislang wenig erfasst würde. Das Streben danach, nationale Wissensbestände im Verhältnis zur Freiheit globaler Wissensproduktion zu sichern, versteht Sibert nicht als reine Schließung, sondern vielmehr als eine Verknüpfung von Netzwerken und Pfadabhängigkeiten. Vor diesem Hintergrund schloss sie ihren Vortrag mit der Einschätzung, auch in den gegenwärtigen Refigurationsprozessen könne der anarchistische Eigensinn wissenschaftlicher Wissensproduktion durchschlagen. Im Anschluss an den Vortrag wurden unter anderem Fragen zur Privatisierung von Wissenschaft, zur normativen Spannung zwischen Freiheit und Sicherheit sowie zur möglichen Durchsetzungskraft des Eigensinns von Wissenschaft im Kontext restriktiver Regulierungen diskutiert.

Im vierten und letzten Beitrag befragte Angelika Poferl (Dortmund) das mittlerweile auch in den Sozialwissenschaften längst prominente Konzept der epistemischen Ungerechtigkeit der analytischen Philosophin Miranda Fricker. Dabei verortete Poferl zunächst ihre eigene Perspektive in der interpretativen Wissenssoziologie und ordnete Frickers Konzept in neuere Debatten über die machtvolle Produktion von Wissen in der Gesellschaft und im engeren Sinne in der Wissenschaft ein. Vor diesem Hintergrund stellte sie die beiden Ausprägungen epistemischer Ungerechtigkeit, nämlich testimoniale und hermeneutische Ungerechtigkeit, vor und gab an, Frickers Anliegen zu teilen, das darin bestehe, zu problematisieren, wessen Erfahrungen in einer Gesellschaft Gehör finden und wessen nicht. Zugleich reflektierte Poferl ihre Auseinandersetzung mit Frickers Ansatz, differenzierte zwischen philosophischen und soziologischen Wissenskulturen und fragte nach den Möglichkeiten und Grenzen interdisziplinärer Theoriebildung. Aus soziologischer Perspektive, so Poferls Schlussfolgerung, sei es nicht erkenntnisleitend, Gerechtigkeit als Norm zu setzen. Vielmehr gelte es, das Erleben und die Erfahrungen von Subjekten empirisch nachzuvollziehen. Als Modus soziologischer Wissensproduktion schlug Poferl vor, eine „Kosmopolitik des Wissens“ zu praktizieren, die Zugänge zu empirisch vorzufindenden Unterschieden, Ähnlichkeiten und Gleichheiten eröffnet und diese methodologisch mit sinnverstehenden interpretativen Verfahren validiert. Wissen sollte dabei multiperspektivisch eingesetzt und generiert werden, mit besonderem Interesse für gesellschaftliches Problematisierungswissen und die Relevanzhorizonte von Wissen. Dazu betonte Poferl die Frage nach dem Subjekt sowie dessen Erleben und Erfahrungen. Was machen Menschen aus dem, was ihnen zugemutet wird? Wie kann aus etwas Unsagbarem etwas Sagbares werden? Aufgrund dieser und anderer Fragen betonten die Diskutant:innen die Bedeutung von Nicht-Wissen, sie verwiesen auf Ausdrucksformen jenseits von Sprache und reduzierten Nicht-Wissen nicht auf fehlende Begrife. Zudem wurde in der Diskussion die grundlegende wissenschaftstheoretische Perspektive des Beitrags hervorgehoben, die über die konkrete Auseinandersetzung mit epistemischer Ungerechtigkeit hinaus auf generelle Fragen der Normativität von Wissenschaft verweist.

Alle Beiträge dieser Sektionsveranstaltung besaßen ein hohes Anregungspotenzial und waren im besten Sinne eigensinnig auf das Kongressthema „Zukünfte der Gesellschaft“ bezogen. Dabei schienen verschiedene Facetten einer empirisch wie theoretisch fundierten soziologischen Praxis der Reflexion auf Gesellschaft, aber auch auf die eigene Position in Erkenntnisprozessen auf. 

(Mechthild Bereswill)


Sonnenschein und sommerliche Temperaturen laden zum Verweilen auf dem Campus-Gelände ein, hier vor dem Georg-Foster-Gebäude (© Stephanie Kappacher).

Die Wiedererweckung der Sprachsoziologie

Am Mittwochnachmittag traf sich die Ad-hoc-Gruppe „Die Zukunft des Deutschen als Sprache der Soziologie und der Wissenschaft“, organisiert von Hubert Knoblauch (Berlin) und Angelika Poferl (Dortmund). Es ging dabei auf angenehme Weise, dies gleich vorab, sehr grundsätzlich um soziologische Aspekte von Sprache; das Deutsche und seine Stellung im wissenschaftlichen Betrieb war eher das Beispiel, auf das immer wieder Bezug genommen wurde. Überhaupt war es den Protagonist:innen der Gruppe ein Anliegen, die Sprachsoziologie wieder stärker und expliziter werden zu lassen. Hubert Knoblauch erinnerte in seinem einführenden Statement an die Umbenennung der DGS-Sektion Sprachsoziologie in Wissenssoziologie; ein Unternehmen, an dem er selbst beteiligt war, wie er zum Ende der Session offen und leicht reuig zugab. Umso vehementer nun sein Plädoyer für eine Art Wiederbelebung der Sprachsoziologie. Knoblauch umriss die sprachsoziologische und soziolinguistische Forschung der letzten Jahrzehnte, verwies auf die Politisierung von Sprache, die eine wissenschaftliche Analyse als Gegenpart bräuchte, und diskutierte Globalisierungseffekte am Fall des Englischen. Schlussendlich dann sein Appell: „Wir müssen wissen, was wir tun, und das meiste tun wir sprachlich.“ Sprache müsse deshalb deutlich mehr soziologische Beachtung finden.

Den ersten Vortrag bestritt Sarah Boysen (Bochum). Gewissermaßen performativ führte sie in ihr Thema ein, indem sie die ersten Minuten auf Englisch vortrug – ein gelungener Kniff, um das Publikum gar nicht erst im Nachmittagsdämmer verschwinden zu lassen und zugleich zu zeigen, dass es – auf welche Weise auch immer – einen Unterschied macht, in welcher Sprache wir kommunizieren. Sarah Boysen trug zwei wichtige Aspekte zur Session bei. Erstens führte sie das Potenzial der Konzepte von Pierre Bourdieu vor, um Sprache soziologisch zu analysieren. Nicht zuletzt wird damit deutlich, dass etwa die Kenntnisse des Englischen im nicht englischen Sprachraum deutlich positionsabhängig sind und damit weitreichende Folgen über konkrete Sprechsituationen hinaus haben. Zweitens erinnerte sie daran, dass Sprache facettenreich beziehungsweise multidimensional ist, also auch Dialekte, Akzente und Sprechweisen umfasst. Dass die Verwendung etwa von Deutsch oder Englisch wiederum formatabhängig und überraschend sein kann, demonstrierte sie sehr anschaulich an einem Durchgang durch jüngere Calls, Ausschreibungen und Titel von Aufsätzen oder Arbeitskreisen. Hier fanden sich teilweise amüsante Kombinationen, die noch weiter zu interpretieren wären, aber gut die Lage umrissen, um die es auch im Folgenden gehen sollte: die deutliche Präsenz, um nicht zu sagen: die Dominanz des Englischen im Feld der Wissenschaftssprachen.

Der Vortrag von Nina Baur (Berlin) griff einige dieser Aspekte auf, insbesondere mit Sprache verbundene Machtfragen. Auch sie konnte noch einmal zeigen, wie unterschiedlich (fremd-)sprachliche Kompetenzen verteilt sind. Baur vertrat die These, dass dies auch von der Sozialforschung selbst übersehen wird, was zu einem Bias zugunsten der jungen, urbanen oberen Mittelschicht führen würde. Instruktiv diskutierte sie dann die Herausforderungen, die sich der Sozialforschung stellen, wenn sie (etwa vergleichend) in unterschiedlichen sprachlichen Kontexten arbeitet. Die Übersetzung von Fragebögen beispielsweise wird hier zu einem keineswegs trivialen Problem, von ausführlichen Interviews ganz zu schweigen. KI, darin war sich über den Nachmittag die gesamte Session einig, löst dieses Problem (bislang?) nicht; sie übersetzt zu wenig kontextsensitiv und ist zudem spezialisiert auf wenige dominante Sprachen. Insofern konstatierte Nina Baur nur „Teillösungen“ für Übersetzungsprobleme und plädierte deshalb für ein umso intensiveres Weiterentwickeln darauf bezogener methodischer Kenntnisse und die Sensibilisierung für solche Fragen schon in der Ausbildung. 

Bernt Schnettler (Bayreuth) ging die Grundfragen des Panels aus anderer Perspektive an und formulierte ein „Lob der (akademischen) Mehrsprachigkeit“. Das geriet weniger pathetisch, als es vielleicht klingen mag. Schnettler plädierte letztlich für einen produktiven Umgang mit dem Umstand, dass wir es mit einer Vielzahl von Sprachen zu tun haben. Übersetzungen seien ein Problem und könnten vermutlich aus einer ganzen Reihe von Gründen ohnehin nie ‚perfekt‘ gelingen – dies nahm er zum Anlass, eher nach dem Wie des Übersetzens zu fragen. Das erbrachte grundsätzliche Einsichten in Sprache und Übersetzen, das auch als Vermittlung zwischen Denk- und Lebenswelten verstanden wurde und damit als durchaus komplexe Angelegenheit. Neben der Erwähnung der Weber-Übersetzung von Talcott Parsons und dem damit verbundenen Hinweis, dass auch schlechte Übersetzungen erfolgreich sein können, ging es auch kurz um Fragen visueller Unterstützungen. Im Ergebnis plädierte Schnettler eher für die Anerkenntnis und Aneignung von Mehrsprachigkeit, um der Pluralität und Vielfalt sozialer Wirklichkeit gerecht zu werden.

Abschließend umriss Angelika Poferl ihr mit Reiner Keller entwickeltes Programm von „Wissenschaftssprache und Wissenskulturen“. Sie machte dabei zum einen das Konzept von Sprache als Institution stark, zum anderen das Verständnis von Sprache als „Wissenskultur“. Mit Sprache, dies betonte sie noch einmal eindringlich, verbinden sich „wissenschaftliche Konstruktionen von Wirklichkeit“, diskursive Strukturierungen und situierte Erkenntnisorientierungen wissenschaftlichen Handelns. Fragen wie „Was ist erfasst?“ und „Was lässt sich ausdrücken?“ sind eben nicht zuletzt an Sprache gebunden; Sprache ist ein unübersehbar wichtiger Faktor, wenn es um die Bedingungen, Möglichkeiten und Grenzen wissenschaftlicher Kommunikation geht.

Die Session erwies sich insgesamt als sehr gelungene Veranstaltung, die ein klares Erkenntnisinteresse hatte sowie ein engagiertes Publikum, und bei der sich eindeutig das Potenzial sprachsoziologischen Forschens zeigte. Deutlich wurde immer wieder die schon angesprochene Mehrdimensionalität von Sprache: sowohl als System von Bedeutungen, aber eben auch als alltägliche Praxis, bei der es weniger um Wissen, als um basale Verständigung geht. Auf jeder dieser Ebenen aber begegnen sich Menschen nicht als ‚gleich‘; Sprache kann deshalb zum Problem, zum Machtinstrument oder aber zur Chance werden. 

Klar wurde auch: Ohne die Thematisierung von KI können wir heute über Sprache nicht mehr diskutieren. Sowohl die Vorträge, aber auch die Diskussionsbeiträge trugen hier instruktive und differenzierte Beobachtungen bei. Eng verbunden war dies mit einem überaus wichtigen Aspekt des Feldes: dem Übersetzen. Vieles konnte hier nur angerissen werden, aber es wurde doch mehr als deutlich, dass die mit Übersetzungen verbundenen Fragen nicht zuletzt in methodischer Hinsicht für alle Varianten von Sozialforschung überaus relevant sind – unter anderem deshalb, weil (gute) Übersetzungen teuer sind.

Zum Verhältnis von deutscher und englischer Sprache gerade in der Wissenschaft zeigten mehrere Vortragende, wie stark hier das Deutsche an Boden und Relevanz verloren hat. Dies wurde angenehm selten einfach nur beklagt, sondern produktiv diskutiert und kontextualisiert. Blickt man über den deutschsprachigen Raum hinaus, schließen sich Fragen an zu Kolonialität über Sprache oder zu generellen Mechanismen des Wissenschaftssystems. Und es geht immer wieder darum, welche Bedeutung Sprache aus kulturtheoretischer Perspektive hat. Nicht nur diese Session balanciert ja auf dem Grat zwischen den Maximalpositionen von Wir-können-alles-leicht-übersetzen und Sprache-formt-Kollektive. Die Ad-hoc-Gruppe veranschaulichte aber, dass wir hier durchaus differenzierte Wege finden können. 

Die Zukunft (!) wird zeigen, wohin das führt – bezüglich weiterer theoretischer Perspektiven (der Session merkte man die Nähe von deutscher Sprach- und Wissenssoziologie an), aber auch in institutioneller Hinsicht. Im Februar jedenfalls wird es in Leipzig gleich die nächste Tagung zur Sprachsoziologie geben. Der Titel „Eine neue Sprachsoziologie für eine neue Gesellschaft?“ operiert mit einem Fragezeichen; die gestrige Session würde hier wohl eindeutig ein Ausrufezeichen verwenden.

(Thomas Schmidt-Lux)


Apokalypse und Siebträgerkaffee

Die Zukunft vom Ende her denken war das Motto, unter dem sich die Sektion Kultursoziologie am Mittwochnachmittag unter der Leitung von Lars Gertenbach (Osnabrück), Ulrich Bröckling (Freiburg) und Christine Hentschel (Hamburg) versammelte, um verschiedene „kultursoziologische Zugänge zu Apokalyptik und endzeitlichem Denken“ zu diskutieren. In seiner Begrüßungsrede machte Lars Gertenbach deutlich, dass „Zukünfte als Kulturtatsachen“ zu verstehen seien, was konsequenterweise auch Endzeitvorstellungen einschließe. Nach solchen muss man in der Gegenwart nicht erst lange suchen: Die Schreckensbilder einer drohenden Klimakatastrophe, aber auch die Sehnsucht nach einem Katechon in bestimmten politischen Kreisen oder die Warnungen vor einer Auslöschung der Menschheit durch KI seien Beispiele für eine, so Ulrich Bröckling, gegenwärtige Proliferation von „Zukunftslosigkeitserzählungen“. Diese zeichneten sich nicht nur durch Dramatisierung und ein rhetorisches Wechselspiel von Vernichtungsangst und Zerstörungslust aus, sondern wirkten vor allem an einer Verfristung von Zeit mit. Die Vorstellung, dass nicht mehr viel Zeit übrig sei, könne als ein Wesensmerkmal apokalyptischer Erzählungen begriffen werden, die Christine Hentschel ausdrücklich im Plural verstanden wissen wollte.

Den Anfang dieser kultursoziologischen Auseinandersetzung mit dem Ende machte Carolin Amlinger (Basel). Gleich auf der ersten Folie ihrer Präsentation war ein ausgetrockneter Fluss zu sehen. Es war zwar nicht der Euphrat, aber immerhin die Donau, deren Pegel im heißen Sommer 2026 so stark gesunken waren, dass auf dem Grund alte Schiffe der Schwarzmeerflotte der Wehrmacht zu sehen waren. Amlinger ging im weiteren Verlauf des Vortrags der Frage nach, was apokalyptisches Erzählen über die Gegenwart verrate. In Anlehnung an Eric Voegelin wurde die Apokalypse mithin als eine Form der „Selbstinterpretation der Gesellschaft“ interpretiert. Der Dreischritt von Krise – Gericht – Erlösung sei eben nicht nur ein typisches Merkmal apokalyptischer Erzählungen, sondern auch ein Signum der politischen Gegenwart.

Einblicke in ein ethnografisches Forschungsprojekt aus den Niederlanden gab Aurora A. Sauter (Frankfurt am Main / Osnabrück), die zum Einstieg von ihrem eigenen Erstaunen über das Fehlen des Apokalyptischen im niederländischen Alltag berichtete. Obwohl Amsterdam unterhalb des Meeresspiegels liegt und der Druck auf Schleusen und Deiche stetig wächst, konnte sie in Gesprächen mit Einwohner:innen weniger Zukunftsangst als vielmehr raum-zeitliche Kontinuitätserwartung feststellen. Diese „Selbstverständlichkeit von Bewohnbarkeit“ deutete Sauter jedoch nicht als ein naives Verdrängen des Realen, sondern eher als Zeichen einer dezidiert anti-apokalyptischen Vorstellung von Realpolitik. Ein Beispiel dafür sei das als Reaktion auf die Flut im Jahr 1953 ins Leben berufene Delta-Programm, das seither Hochwasserrisikomanagement betreibe und die Süßwasserversorgung des Landes sicherzustellen versuche. Das Delta-Programm sei ein Beispiel für eine „Praxis der Ausweglosigkeit“, bei der die Antizipation des Endes nicht zu Lähmung, sondern eher zu immer neuen Versuchen einer Infrastrukturierung des Endes führe.

Elgen Sauerborn (Berlin) und Greta Wagner (Frankfurt am Main) wiederum beschäftigten sich mit Praktiken der Eigentlichkeit. Gegenwärtig beliebte Reinhaltungs- und Rückkehrpraktiken wie Clean Eating, die Vorliebe für Urgetreide, Eisbaden oder Ayahuasca-Retreats werden von Sauerborn und Wagner als retrotopische Strategien gedeutet, bei denen Menschen, Körpern und Praktiken ein ursprünglicher, aber verdrängter oder verdeckter Kern unterstellt wird. Vor allem zehrten derartige Eigentlichkeitspraktiken von der Vorstellung, das Eigentliche liege „vor dem Sozialen“ – ein Motiv, das aus der langen Geschichte der Großstadt-, Medien-, Kulturkritik bekannt ist. Der Wunsch, zu einem eigentlichen Ursprung zurückzukehren, sei so etwas wie ein Substitut für verlorengegangene Zukunftserwartungen – und werde gegenwärtig von zahlreichen „Eigentlichkeitsunternehmern“ bewirtschaftet.

Im letzten Vortrag von Thomas Hoebel (Kassel/Hamburg), Alexander Leistner (Leipzig) und Barbara Thériault (Montreal) standen dann Momente des Dagegenhaltens im Mittelpunkt. Die Vortragenden stützten sich dabei ebenfalls auf eigene Erfahrungen im Rahmen einer Ethnografie in einer mittelgroßen ostdeutschen Stadt. Was sie dort beobachten konnten, waren zahlreiche Momente des Dagegenhaltens im Angesicht eines zunehmenden Rechtsrucks. Dagegenhalten ist für Hoebel, Leistner und Thériault etwas anderes als Widerstand. Es handelt sich vielmehr um praktische Formen der Beharrlichkeit in der Erwartung der Zerstörung alltäglicher Lebenswelten. An nichts zeige sich das so deutlich wie im Rückgriff auf das Wort „noch“: „Noch gibt es das Café als Begegnungsort“, „noch funktionieren die Institutionen“, „noch …“. Die Apokalypse nimmt in derartigen Äußerungen also eher die Gestalt von alltäglichen „Noch-nicht-Dystopien“ an. Die angenehm unaufgeregte Vortragsweise konnte nichts daran ändern, dass die Veranstaltung vom Publikum insgesamt als „bedrückend“ wahrgenommen wurde. Dagegen konnte auch der abschließende Einwurf Ulrich Bröcklings nichts ausrichten: „Das Schlimme an Apokalypsen ist, dass sie Trost spenden.“

Die bedrückende Stimmung mag auch damit zusammenhängen, dass die kultursoziologische Beschäftigung mit dem Apokalyptischen Gefahr läuft, bisweilen selbst ins apokalyptische Sprechen abzugleiten. Und so konnten die vielen Zuhörenden im abgedunkelten und zunehmend sauerstoffarmen Hörsaal P7 froh sein, dass es keine Posaunen waren, die auf dem Gang vor dem Hörsaal zu hören waren, sondern nur das bedrohliche unregelmäßige Fauchen der Siebträgermaschine. (Julian Müller)


Körper als Zukunft der Soziologie

Der Raum war voll, als die Veranstaltung der Sektion Soziologie des Körpers und des Sports begann. Themen waren Zukünfte der Körpersoziologie und die Stellung der Subdisziplin innerhalb des Fachs, denn: „Machen wir nicht alle ein bisschen Körper?“ Allgemeines Gerutsche und Geraschel noch während der Begrüßung durch Clemens Eisenmann (Konstanz), der auf die ebenfalls gut gefüllte Sektionsveranstaltung vom Vortag verwies und sich für den nächsten Kongress vorsorglich einen größeren Raum wünschte. Eisenmanns Mitorganisator:innen waren Babette Kirchner (Wolfenbüttel), Ajit Singh (Duisburg) und Lisa Wiedemann (Hamburg).

Inhaltlich eröffnete der Mainzer Mitgastgeber Tobias Boll die Session. Ihn trieb die Frage um, warum die Körpersoziologie angesichts von Pandemien, Toxizität und Klimakrise so selten befragt wird. Versprochen waren eine Bilanz der deutschsprachigen Körpersoziologie und ein Szenario zu ihrer Positionierung in der Zukunft – also die großen Linien. Boll skizzierte die historischen („wisst Ihr alles“) und gegenwärtigen Stellungen des Körpers in der Soziologie, den es in seiner Sozialität zu bestimmen gelte. Der Körper sei multipliziert worden, er sei Produkt und Produzent von Gesellschaft, Praxistheorie und Materialität machten den theoretischen Mainstream seiner Beforschung aus. Als Leerstelle benannte Boll, den Körper als lebendigen Organismus (kurz: K-a-l-O) ernst zu nehmen. Die lebendige Selbsttätigkeit des Körpers, seine begrenzte Verfügbarkeit und Manipulierbarkeit, gerate besonders angesichts existenzieller Bedrohungen durch den Klimawandel in den Vordergrund. Körper seien die Möglichkeitsbedingungen des sozialen In-der-Welt-Seins. Wenn unsere Körper kollabierten, etwa bei Hitze in Kongresszelten, rekonfiguriere sich Sozialität, beispielsweise öffentliche Räume – dann brauche es „Crip Spacetime“ (Margeret Price) für alle. Die (Körper-)Soziologie biete eine Antwort auf die Krise körperlicher Existenzgrundlagen. 

Auch der Sitzungsraum rekonfigurierte sich nach der Diskussion, als sich Stehende endlich einen Platz suchen konnten. Empirischer ging es weiter mit dem Vortrag von Julia Sellig (Luzern), die körpernah getragene KI-Technologien als „dritten Player“ des Leib-Körper-Verhältnisses vorstellte. Unter Rückgriff auf die Neue Phänomenologie von Hermann Schmitz und Gernot Böhme zeigte sie am Beispiel des AID-Systems (einer automatischen Insulindosierung) für Diabetiker:innen, wie präskriptive, also handlungsempfehlende KI die Zeitverhältnisse von Leib-Körpern irritiert. Basis ihrer Überlegungen waren qualitative Längsschnittinterviews mit Diabetiker:innen. Leiblichem Spüren im Hier und Jetzt stellte Sellig die prognostische Logik einer KI-Technologie gegenüber, die Handlungsempfehlungen gibt und damit eine bestimmte Zukunft vorschlägt. Daraus entstehe eine Spannung zwischen gegenwärtig spürendem Leib und datenbasiertem Körperwissen – etwa wenn die KI-Technologie plötzlich einen Handlungsbedarf melde, der leiblich nicht gespürt wurde. Dies führe zu einer partiellen Entkopplung von Leib und Körper sowie zu „Identitätsstress“. In der Diskussion kommen grundlagentheoretische Fragen auf, unter anderem nach Technologiebegriffen und der Möglichkeit nicht mediatisierten Wahrnehmens. Darüber hinaus widerspricht Hannah Fitsch aus dem Publikum der These eines dritten Players: KI sei ein Player, der in seiner epistemischen Spezifik verstanden werden müsse. Sie schlägt in Anlehnung an die Science and Technology Studies vor, die Berechnungsgrundlagen der KI im AID-System selbst zu berücksichtigen, um ein Verständnis entwickeln zu können, mithilfe welcher Modelle wir Körper denken beziehungsweise wahrnehmen.

Es folgte der anregende Vortrag von Max Weigelin (Halle), der eine Soziologie der Sinne für die Körpersoziologie fruchtbar machen und als möglichen Forschungsschwerpunkt vorschlagen wollte. Leider ist auch Technik nicht immer verfügbar und Weigelin musste ohne visuelle Präsentation auskommen. Während er also fünf Modi der „Humansensorikkopplung“ vorstellte, erschien ironischerweise nur der Schriftzug „Visual Engineering Lightware“ auf dem Bildschirm, und ich, die ein begrenztes Hörverständnis hat, blieb etwas entkoppelt von den zuweilen hochindexikalen Inhalten. Weigelin fragte nach der schon von Simmel betonten und dann neunzig Jahre vernachlässigten Bedeutung („Leistungsfähigkeit“) körperlicher (Ko-)Anwesenheit. Im Anschluss an Goffman ging Weigelin von mediatisierten Interaktionsordnungen aus, innerhalb derer es eine Hierarchisierung der verschiedenen Sinne gibt. In der Diskussion reformulierte Stefan Hirschauer das Gehörte – sinngemäß: Sinne personalisieren, Sinne fokussieren, sie bieten einen Kanal für Interaktionsfeedback, sind Themenlieferantinnen und Umfeldsensoren –, bevor jemand aus der letzten Reihe die kluge Frage nach der impliziten Setzung ausschließlich ‚voll-sinniger‘ Personen stellte. Wie sich Differenzen von Sinnesfähigkeiten analytisch berücksichtigen lassen und welche Möglichkeiten zu einer „Demokratisierung“ hierarchisierter Sinneswahrnehmungen bestehen, bleibt zu diskutieren. 

Im letzten Vortrag wendete sich Ulrike Kissmann (Kassel) verschiedenen Konzepten von Gewohnheiten zu. Ausgangspunkt ihrer Überlegungen war die Problemkonstellation einer notwendigen sozial-ökologischen Transformation einerseits und der Vehemenz von nicht nachhaltigen Gewohnheiten andererseits. Während von Gewohnheiten gemeinhin entweder im Sinne von „mindset“ oder ganz ohne theoretisches Verständnis gesprochen wird, ging Kissmann verschiedenen, erfrischend wenig prominenten theoretischen Traditionslinien der Auseinandersetzung mit Gewohnheiten nach. Diese differenzierte sie hinsichtlich ihrer jeweiligen Verhältnisse zum Bewusstsein und wie in ihnen das Neue, also der Wandel von Gewohnheiten, konzeptualisiert wird. Das Argument lief darauf hinaus, dass gesetzte Anreize nicht unbedingt zu veränderten Gewohnheiten führen, weshalb Wandel komplexer gedacht werden muss. Dafür schlug Kissmann Merleau-Pontys Ansatz vor, der das Neue als zirkulären Prozess konzipiert, in dem sich Gewohnheiten und Umwelten dialektisch verändern. Die Diskussionsfragen gingen in verschiedene Richtungen, Robert Seyfert erinnerte an die Institutionentheorie, die Routinen als Entlastung versteht, Larissa Schindler sprach sich dafür aus, für empirische Projekte verschiedene Gewohnheitskonzepte zu nutzen, statt sich für eines zu entscheiden, Matthias Grundmann fragte sich, wie Gewohnheiten überhaupt transformativ wirken können. Über die Frage, inwiefern Bewusstseinstheorien (wie die von Merleau-Ponty) geeignet sind, etwas über praxisbasierte Gewohnheiten auszusagen, entbrannte fast ein Streit, bevor Hannah Fitsch eine Lanze für den Versuch brach, Gewohnheiten in Stellung zu bringen in Zeiten, in denen wir zwar sehr viel über klimatische Kipppunkte wüssten, aber nicht ins Handeln kämen.

Es blieben wenige Minuten, um sich übergreifend zur Zukunft der Körpersoziologie zu äußern. Stefan Hirschauer ergriff das Wort: Es sei an der Zeit, den Körper nicht mehr nur zu reklamieren und zu fokussieren. Stattdessen müsse er dezentriert und respezifiziert werden, um über Körper als besonderes Artefakt, als besonderes Medium und als erschöpfbare Ressource nachzudenken. Am Ende war ich auch erschöpft, aber einmal mehr angetan von der Theoriestärke der Sektion, ihrer Begeisterung für den empirischen Gegenstand und das Potenzial, beides in den Diskurs der allgemeinen Soziologie zu tragen.

(Julia Böcker)

Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Stephanie Kappacher, Henriette Liebhart.

Kategorien: Epistemologien SPLITTER

Mechthild Bereswill

Prof. Dr. Mechthild Bereswill ist Professorin für die Soziologie sozialer Differenzierung und Soziokultur an der Universität Kassel. Ihre Arbeitsschwerpunkte in Forschung und Lehre sind feministische Geschlechterforschung, soziale Probleme und soziale Kontrolle, qualitative Methodologien.

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Thomas Schmidt-Lux

Thomas Schmidt-Lux ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig. Er arbeitet zu Fragen von Recht und Gewalt, der Architektursoziologie und zu Qualitativen Methoden.

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Julian Müller

Prof. Dr. Julian Müller ist derzeit Gastprofessor an der Fakultät für Staatswissenschaften der Leuphana Universität Lüneburg. Er leitet zudem das Forschungsprojekt „Re/Präsentation. Neue Formen der politischen Ansprache und Fürsprache“. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen unter anderem Allgemeine Soziologie, Soziologische Theorie, Politische Soziologie sowie Medien- und Kommunikationstheorien.

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Julia Böcker

Julia Böcker vertritt derzeit die Professur für Kultursoziologie an der Leuphana Universität Lüneburg. Ihre aktuellen Arbeitsschwerpunkte sind Mikrosoziologie, qualitative Methoden, Reproduktion und Gefühle.

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