Tilman Reitz | Literaturessay | 14.01.2026
Jenseits des Bilderverbots
Literaturessay zu „Öffentlicher Luxus“ von communia e.V. und BUNDjugend (Hg.), „Creative Construction. Democratic Planning in the 21st Century and Beyond“ von Jan Groos und Christoph Sorg (Hg.), „Anarchistische Gesellschaftsentwürfe. Zwischen partizipatorischer Wirtschaft, herrschaftsfreier Vergesellschaftung und kollektiver Entscheidungsfindung“ von Thomas Stölner, Uwe H. Bittlingmayer und Gözde Okcu (Hg.) sowie „Anarchistische Ökologien. Eine Umweltgeschichte der Emanzipation“ von Milo Probst.
1. Terrainerkundung im (fast nicht mehr) Möglichen
Der 1974 erschienene Science-Fiction Roman The Dispossessed von Ursula K. Le Guin schildert bemerkenswert überzeugend eine nicht kapitalistische Gesellschaft, in der Arbeit freiwillig ist und die Konsumgüter allen frei zur Verfügung stehen. Dass man sich diese Gesellschaft gut vorstellen kann, liegt zum einen an der nüchternen Darstellung der in ihr bestehenden Handlungsoptionen: Entweder sucht man sich (über einen Zentralcomputer) eine berufsartige Aufgabe, oder man fristet sein Leben weitgehend außerhalb sozialer Beziehungen; entweder bemüht man sich gemeinsam um gute Wissenschaft, Fischzucht und Transportwege, oder die Tätigkeit bleibt unbefriedigend. Zum anderen wird Le Guins Fiktion aber auch dadurch plastisch, dass sie ambivalente und negative Seiten der von ihr beschriebenen Ordnung nicht ausspart: Der Mond Anarres, auf dem die Handlung spielt, ist außenpolitisch nur bedingt souverän (er liefert vor allem Rohstoffe an den neofeudalen Zentralplaneten Urras), er kennt überhaupt wenig Politik (da weder zentrale Entscheidungsgremien noch Aussichten auf kollektive Durchsetzung bestehen) – und es gibt auf ihm nahezu keine Luxusgüter. Der Held des Romans lernt erst auf einer Reise nach Urras am eigenen Leib konzentrierten Wohlstand und Kämpfe um dessen Verteilung kennen. Zurück bleibt die Frage, wie eine Gesellschaft nicht nur mit endlichen, sondern auch mit Überflussgütern egalitär und zwangsfrei umgehen könnte.
Solche Fragen zu diskutieren, hat gegenwärtig selbst Züge von Luxus. Wenn autoritäre Herrschaft, ökologische Zerstörung und militärische Gewalt gegen Zivilbevölkerungen die politische Tagesordnung bestimmen, scheint es wichtiger, um realistische Alternativen zu ringen, als sich utopische Gesellschaften auszumalen. Die hier vorzustellenden Bücher, deren Themen von anarchistischer Ökologie bis zu digitaler Planwirtschaft reichen, setzen dem die Ansicht entgegen, dass die anrollenden Katastrophen unter weiterhin kapitalistischen Bedingungen weitgehend unabwendbar sein werden. Nicht zuletzt ökologisch erscheint die Erhaltung des Status quo, wie etwa Kohei Saito im Vorwort zu Creative Construction anmerkt, kaum weniger utopisch als ein systemischer Umbau (S. xxi). Entsprechend haben Begriffe wie „Degrowth" und „ökologische Planung" Einzug in die Systemdebatte gehalten.[1] Zu ergänzen wäre wohl, dass Politik grundsätzlich einen utopischen Horizont braucht, um nicht wie heute in zynischen bis repressiven Perspektiven befangen zu bleiben. Die Autor*innen der vorliegenden Bände zeigen zudem sogar Zuversicht. Die postkapitalistischen Modelle werden trotz allem, was ihre Umsetzung unwahrscheinlich macht, sehr selbstbewusst präsentiert – und sie wagen sich mit Titeln wie Öffentlicher Luxus auch auf das Terrain der Überflussproduktion. Im Folgenden übersetze ich diesen Impuls in die Frage, was Menschen nicht nur argumentativ, sondern auch affektiv für eine fairere und weniger zerstörerische Gesellschaft einnehmen könnte.
Die beiden Sammelbände Öffentlicher Luxus und Creative Construction bezeugen, dass systemische Veränderungen auf verschiedenen Ebenen neu diskutiert werden. Einen wesentlichen Anstoß für den ersten Band bilden die Teilerfolge der Kampagne Deutsche Wohnen & Co. enteignen, die 2021 einen Volksentscheid zur Vergesellschaftung großer profitorientierter Immobilienunternehmen in Berlin initiiert und gewonnen hat. In der Kampagne trat nicht allein mit der Gruppe der Mietenden ein mögliches neues Subjekt sozialer Kämpfe auf, sie hat auch umfassend gegen die Privatisierung öffentlicher Güter mobilisiert und im Gegenzug Vergesellschaftung als übergreifende Gegenstrategie in den Blick gebracht. Wenn es sinnvoll oder erforderlich ist, privat konzentriertes Wohneigentum (wieder) öffentlich zu kontrollieren und in kollektive Selbstverwaltung zu überführen, könnte dies in der Sicht der Herausgebergruppe communia auch für „Energie (Strom und Wärme), Ernährung, Kultur, Medien und digitale Infrastruktur“ gelten: „Öffentlicher Luxus auf Basis einer Ausweitung kollektiven Eigentums ist eine Lösung für die gesellschaftlichen und ökologischen Probleme des Neoliberalismus und weist zugleich einen solidarischen Weg aus der Klimakrise.“ (S. 27) Zu fragen bleibt, was genau diesen Luxus ausmacht, wie sich frühere Fehler und Probleme öffentlicher Versorgung vermeiden lassen und wie Vergesellschaftung in Bereichen wie Ernährung aussehen könnte.
Die „revolutionäre Realpolitik“,[2] die in den Texten des Bandes Öffentlicher Luxus Gestalt annimmt, bewegt sich in einem weiteren Horizont, den der Sammelband von Jan Groos und Christoph Sorg ausleuchtet. Mit dem Zusammenbruch des Staatssozialismus wurde zunächst die Frage akut, ob überhaupt noch systemische Alternativen zum Kapitalismus bestehen. Seit den 1990er-Jahren mehren sich Entwürfe, die neue Antworten mit digitaler Technologie verbinden. In Deutschland hört man schließlich vermehrt, dass das Bilderverbot zur befreiten Gesellschaft gefallen sei.[3] Statt wie Marx davon auszugehen, dass die revolutionäre Bewegung eben praktisch-planerisch tätig wird, sobald sie tatsächlich das Privateigentum an Produktionsmitteln abschafft, oder wie die Frankfurter Schule zu fürchten, dass allzu konkrete Antizipationen einer befreiten Gesellschaft faktisch von oben durchgesetzt würden, begreifen es nun viele Theoretiker*innen als Bringschuld, eine nachkapitalistische Ordnung vorstellbar zu machen. Die Beiträge in Creative Construction diskutieren einerseits solche Entwürfe, andererseits beziehen sie sich auf spezielle Themen wie Wohnen, Sorgearbeit oder die ökologische Krise. Komplettiert wird die Auswahl durch zwei Interviews aus Groos’ Podcast-Serie Future Histories, die einen Anstoß für den Sammelband gegeben hatte, und ein Gespräch von Christoph Sorg mit Nancy Fraser, in dem vorrangig deutlich wird, dass Frasers anarchistische Studierende (wie auch sie selbst) mehr über demokratische Planung wissen sollten (S. 314 f.).
Jenseits solcher allgemeinen Erwähnungen wird die Problematik staatlicher Herrschaft in beiden Bänden wenig diskutiert. Zwar betonen einige Texte mit Engels und Marx, dass eine nachkapitalistische Gesellschaft keinen staatlichen Zwangsapparat mehr bräuchte und auch nicht mehr wie wir zwischen Politik und Wirtschaft unterschiede. Viele Beiträge ziehen dem zentralstaatlichen Durchgriff zudem ein hohes Maß an lokaler Selbstverwaltung oder intermediäre Institutionen mit verschiedener Reichweite vor, und Stefan Meretz und Simon Sutterlütti empfehlen eine besonders dezentrale Gemeinwirtschaft. Dezidiert anarchistische Visionen fehlen jedoch; allenfalls tritt die „Anarchie“ des Marktes und der internationalen Beziehungen als Gegenprinzip zur nötigen Planung auf.[4] Mit Blick auf das Scheitern des Staatssozialismus und die Probleme der westlichen Wohlfahrtsstaaten fragt sich, ob nicht stärkere Visionen von Herrschaftsfreiheit als Korrektiv nötig sind.
Material hierfür verspricht der Band Anarchistische Gesellschaftsentwürfe, in dem nicht zuletzt die Neugestaltung der Produktion diskutiert wird – wenn auch nicht immer mit spezifisch anarchistischer Ausrichtung; zur Debatte stehen vor allem Michael Alberts und Robin Hahnels Konzeption Partizipatorischer Wirtschaft (Parecon) sowie der von Sutterlütti und Meretz vertretene Ansatz des Commonismus. Weitere Anstöße bieten Neuerscheinungen zum älteren Anarchismus. Milo Probst verfolgt in Anarchistische Ökologien, wie sich die Bewegung im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert zur Natur verhielt. Drei Schriften des französischen Anarchisten Élisée Reclus, eines Protagonisten der damaligen Debatten, sind kürzlich unter dem Titel Staat, Fortschritt und Anarchie (Berlin 2024) in deutscher Übersetzung erschienen. Eine Verbindung mit dem sozialistischen Lager bildet die Pariser Kommune, an der Reclus ebenfalls beteiligt war und der sich der Begriff „luxe commun“ verdankt. Schon die differierenden Übersetzungen dieses Begriffs zeigen, dass sehr verschiedene Ziele im Spiel waren. Probst vermeidet das Beiwort „öffentlich" und rückt nicht materielle Güter ins Zentrum: „Für die Anarcho-Kommunist:innen meinte Überfluss ‚kommunalen Luxus‘, wie es Kristin Ross von den Pariser Kommunard:innen inspiriert nennt: Wohlstand an Zeit, Bildung, Kultur und sozialen Beziehungen.“ (S. 88) Zur Vervollständigung des Bildes würden sich auch Texte späterer Klassiker wie Murray Bookchin eignen, dessen visionäre Essays seit „Post-Scarcity Anarchism“ (1968) das ökologische Denken und den Munizipalismus geprägt haben – von dem als deutsche Neuveröffentlichung neben der Essaysammlung Die nächste Revolution (2015) aber bislang nur eine erstmals vollständige Übersetzung der länglichen Ökologie der Freiheit (Münster 2025) vorliegt.
2. Das Wünschenswerte, das Vorstellbare und die geschichtlichen Erfahrungen
Einzeln betrachtet setzen die vorgestellten Bücher jeweils stark an, bleiben jedoch in der Durchführung einiges schuldig. Die Chancen, sozialstaatliche Strukturen wiederzugewinnen und sozialistisch auszubauen, werden in den ersten Aufsätzen von Öffentlicher Luxus schwungvoll umrissen – besonders in George Monbiots Plädoyer dafür, im Gegenzug nur noch „private Suffizienz“ einzuräumen – und anschaulich dargestellt – besonders in der Einleitung der communia-Autor*innen. Doch die weiteren Beiträge führen nur sehr begrenzt aus, wie dieses Programm in den wiederholt genannten Bereichen Gesundheit, Pflege, Bildung, Wissenschaft, Medien, digitale Infrastrukturen, Wohnen, Energie, Mobilität und Ernährung zu realisieren wäre. Außer kommunalen Wohn- und Sorgestrukturen, die Barbara Fried und Alex Wischnewski plausibel miteinander verbinden, sowie Ernährung und Landwirtschaft, zu denen sich Anne Klingenmeier und Gesine Langlotz kenntnisreich äußern, wird kein politisch-ökonomisches Feld potenziell öffentlicher Güter vertiefend erörtert. Die „Klimakrise“ etwa wird zwar mit „(Mehrfach-)Diskriminierung wie Sexismus, Rassismus, Queerfeindlichkeit, Ableismus und Klassismus“ in Verbindung gebracht[5] und als Problem gewerkschaftlicher Akteure erörtert,[6] man erfährt aber nirgends genauer, mit welchen veränderten Energie- und Mobilitätsstrukturen man ihr begegnen könnte. Selbst die inhaltlich stärker ausgeführten Beiträge bieten nur teilweise klare Strategien an. Wenn etwa Klingenmeier und Langlotz plausibel darlegen, dass die Ertrags- und Umweltbilanzen von „kleinen diversifizierten Bauernhöfen“ besser ausfallen als die von „intensiven agrarindustriellen Bewirtschaftungssystemen“ (S. 114), bleibt unklar, wie sich dieser Befund mit ihrer Forderung nach der „Vergesellschaftung von Boden, Wasser, Saatgut und anderen Produktionsmitteln als Baustein von Öffentlichem Luxus“ verträgt (S. 132). Wie auch immer man Vergesellschaftung und öffentliche Versorgungssysteme denkt, sie reichen vermutlich über kleinräumige Selbstverwaltung hinaus – und mit den vorgelegten Argumenten ließe sich auch ein stark reguliertes landwirtschaftliches Kleineigentum vertreten.
Der umfangreichere und systematischer angelegte Textkorpus von Creative Construction vermittelt einen ähnlichen Leseeindruck. Erhellend sind auch hier vor allem die ersten Beiträge, die einschlägige Entwürfe einer postkapitalistischen Wirtschaft teils exemplarisch, teils vergleichend vorstellen, diskutieren und ergänzen. Ideen von Marktsozialismus kommen dabei nur am Rand zur Sprache (etwas ausführlicher hingegen im Gespräch zwischen Fraser und Sorg, S. 316–319). Mehr erfährt man über algorithmisch vermittelte Planung (nach Paul Cockshott, Allin Cottrell und Jan Philipp Dapprich), partizipative Räteökonomien (nach Albert und Hahnel oder nach Pat Devine) sowie dezentrale Gemeingüterwirtschaft oder Commonismus (bei Meretz und Sutterlütti; unerwähnt bleibt der radikale Commons-Theoretiker Massimo de Angelis). Folgerichtig, wenn auch in der Gliederung nicht systematisch verortet, ergänzt der Band zudem Beiträge, welche die genannten Entwürfe insgesamt kritisieren – etwa weil sie individuelle Sorgebeziehungen weiterhin externalisieren[7] – oder geteilte Probleme ansprechen – namentlich den Übergang in die neue Produktionsweise.[8] In den übrigen Texten zu Krisenwirtschaft, Regierungskunst, Wohnen, interpersonalen und internationalen Beziehungen, Degrowth oder KI-gestützter Planung sind die Themen und Ebenen dagegen bunt gemischt, sodass die Ausgänge aus der kapitalistischen Gesellschaft nur teilweise erkennbar werden.
Die möglichen anarchistischen Korrekturen bleiben wohl schon im Sinn der Ordnungsverweigerung unsystematisch. Der Band Anarchistische Gesellschaftsentwürfe präsentiert wie erwähnt nur wenige verschiedene Wirtschaftsmodelle – „anarchist gift economies“[9] kommen allenfalls marginal vor –, beleuchtet aber den Parecon-Ansatz von verschiedenen Seiten. Selbst die in Anarchistische Ökologien monografisch erörterte Frage, „wie die Natur von Anarchist:innen als Ressource gebraucht, als Territorium bewohnt oder als körperlicher Organismus freiheitlich angeeignet werden sollte“ (S. 27), erbringt zwar hoch interessante Funde (siehe unten, Abschnitt 3), aber nur heterogene und stückhafte Antworten. Von prometheischer Umgestaltung der Erde bis zum Respekt für das Eigenleben der Dinge, von instrumenteller Kalkulation bis zur Kultivierung von Naturgefühl sind viele Motive vertreten, die man auch aus anderen politischen Lagern kennt. Die übergreifenden Einsichten erschöpfen sich hingegen beinahe in den Feststellungen, dass „Technologiebegeisterung und Naturverbundenheit für die Akteure von damals zusammenpassten“ (S. 81) und dass für den Anarchismus des 19. und frühen 20. Jahrhunderts Naturbeziehungen besonders wichtig waren. Zudem fehlen in der Zusammenstellung bekannte Bezugspunkte. So interessant es ist, dass die „Marxist:innen und Anarchist:innen“ im Umfeld der Ersten Internationale „nur mit Mühe der bäuerlichen Arbeitsweise und Gebrauchsformen der Natur etwas Emanzipatorisches abzugewinnen“ vermochten (S. 54), so wichtig wären Erwägungen dazu gewesen, weshalb der Anarchismus in Spanien trotzdem gerade bei bäuerlichen Gruppen Fuß fassen konnte.[10]
Ein reicheres Bild ergibt sich, wenn man die Bücher als Arbeit an gemeinsamen Problemen liest. Zunächst kann man dann eine Reihe von Möglichkeiten erkennen, die sich erst auftun, wenn der kapitalistische Rahmen zur Disposition gestellt wird. Erstens muss sich nicht notwendig eine kleine, auf Profitaneignung spezialisierte Oberschicht an der Arbeit und den Nöten fast aller anderen bereichern, große Teile des gesellschaftlichen Lebens bestimmen und dessen natürliche Grundlagen zerstören. Von betrieblicher Selbstverwaltung bis hin zu demokratischen Investitionsentscheidungen sind andere Regelungen denkbar. Zweitens ließen sich desaströse Effekte eines (Welt-)Handels vermeiden, in dem das abstrakte Medium Geld allen sachlichen Erwägungen übergeordnet ist. Statt Cashewkerne in Afrika ernten und daraufhin in Vietnam schälen zu lassen, um sie schließlich in europäische Bio-Supermärkte zu bringen, könnte man die Nahrungsmittelproduktion etwa so organisieren, dass vor allem Kooperativen vor Ort für den regionalen Bedarf sorgen und die Nutzbarkeit des Landes erhalten. Drittens sollte Arbeit vielleicht nicht vorrangig von Lohnabhängigen geleistet werden, die als Alternative zu Fremdbestimmung und einem profitkompatiblen Lebensniveau nur Joblosigkeit kennen. Die Ausübung sinnvoller und erfüllender Tätigkeiten wird so erheblich erschwert.
Bereits hier treten allerdings auch Differenzen hervor. Ob es in einer befreiten Gesellschaft noch Lohnarbeit gäbe, ist notorisch umstritten. In den vorliegenden Bänden argumentieren zwei Beiträge dagegen: James Muldoon und Dougie Booth kritisieren an Devines Entwurf einer partizipatorischen Planwirtschaft allein das Element Arbeitslöhne, das sie durch eine bedürfnisgerecht verteilte „social dividend“ ersetzen wollen;[11] für Sutterlütti sind Parecon und Staatssozialismus im Kern noch kapitalistisch, insofern es in beiden noch Lohnarbeit gibt.[12] Booth und Muldoon argumentieren vor allem normativ. Für sie schränkt Lohnarbeit die „autonomy of labour“ ein und bedingt eine entfremdende „social division of labour“ (S. 73). Sie lasse keinen freien Wechsel zwischen Tätigkeiten zu und erfordere zudem, dass Arbeitsleistungen weiterhin aufwändig kontrolliert werden. Sutterlütti konzentriert sich hingegen unmittelbar auf Funktionsfragen. Wenn man individuelle und betriebliche Verbrauchsrechte durch ein Medium wie Geld an Leistungen binde, entstünden Interessengegensätze, die dazu führten, dass sich selbst Vorteile für die Beschäftigten schädlich auswirken. Auch im „Kommandosozialismus“ habe eine „Herrschaft des Tauschwerts […] Spaltungen der Gesellschaft“ bedingt – „Arbeiter*innen vs. Betriebe: hoher Lohn, gute Arbeitsbedingungen vs. geringe Kosten und hohe Ausbeutung; Betrieb vs. Staat: entspannte Ziele, Qualität sekundär vs. hohe Leistung, gute Produkte, termingerechte Lieferung. Auf der empirischen Oberfläche äußern sich diese Spaltungen in ‚betriebsegoistischer Politik‘, vielerlei Ineffizienz und Unterproduktion.“ (S. 222) Schon um solche Trade-offs zu vermeiden, sei eine Abschaffung der Lohnarbeit wünschenswert.
Gegenüber dieser funktionalistischen Vorstellungskraft erscheinen die Argumente der Gegenseite zunächst blass. Wenn Anders Sandström in seinem auf Parecon bezogenen Beitrag „Anarchistische Buchhaltung“ Lohnarbeit beinahe selbstverständlich voraussetzt, begründet er das mit wenig praxistauglichen Normen: „Wirtschaftliche Gerechtigkeit bedeutet, dass Einkommensunterschiede auf unterschiedliche Belastungen oder persönliche Mühen bei der Verrichtung gesellschaftlich wertvoller Arbeit beruhen sollten und nicht davon beeinflusst werden, wie produktiv die eigene Arbeit ist“ (S. 122). Hahnel selbst macht in seiner (empörten) Replik auf Sutterlütti zwar plausibel, dass wir nach Jahrhunderten der Ausbeutung erst wieder lernen müssten, uns aufeinander zu verlassen, diskutiert jedoch nicht die Probleme der Entlohnung. Allerdings ziehen auch die Lohngegner soziale Mechanismen nur heran, sofern dies zu ihrem Programm passt. Dass Muldoon und Booth freien Tätigkeitswechsel der Arbeitsteilung überordnen, wirkt angesichts der zuvor festgestellten ökologisch-technologischen Herausforderungen (S. 70 f.) tatsächlich utopisch. Und obwohl Sutterlütti negativ anmerkt, dass der Staatssozialismus „keine starke ökonomische Peitsche gegen Arbeiter*innen (hohe Einkommensdifferenz und Arbeitslosigkeit) oder Betriebe (Profitdifferenzen und Konkurs)“ zur Verfügung hatte (S. 222), stellt er die korrespondierenden Vorteile eines solchen Anreizsystems nicht eigens heraus. Dabei wäre zumindest zu überlegen, ob eine (regulierte) Entlohnung nicht das vergleichsweise verträglichste Mittel ist, um eine große Anzahl von Arbeitskräften koordiniert und verlässlich den Einsätzen zuzuführen, auf die sich eine „vernünftige Planung“ (S. 224) verständigt.
Wie diese Verständigung organisiert werden kann, ist die zweite wichtige Frage, zu der die Sichtweisen auseinandergehen. Jakob Heyer hat die Optionen umfassend systematisiert. In Anlehnung an David Laibman sieht er einerseits eine Bandbreite von zentralisierten bis hin zu dezentralen Organisationsformen, andererseits verschiedene Anteile von demokratischer Aushandlung und metrisch-digital vermittelter Koordination (S. 159). Im Extremfall würde jede Arbeits- und Lebenseinheit etwa autonom und ohne formale Anreize entscheiden, ob sie mit anderen kooperiert;[13] am anderen Ende des Spektrums könnte beispielsweise eine Weltregierung oder -abstimmung festlegen, dass viele solcher Einheiten kooperieren, um Fusionsreaktoren zu entwickeln. Und während die Optionen in beiden Fällen – oder, wie häufig bevorzugt, in einem Gefüge von Räten und Föderationen – gemeinsam diskutiert und entschieden würden, lassen sich auch metrisierte und medialisierte Verfahren denken, um individuelle und betriebliche Bedarfe und Prioritäten, Arbeits- und Fertigungszeiten, ökologische und andere Kosten zu erheben sowie in Zielgrößen und Zugriffsbefugnisse zu übersetzen. Neben demokratisierten betrieblichen Entscheidungen werden also sachlich rückgebundene Medien zur Ersetzung von Geld diskutiert.
Diesem Möglichkeitsfeld ist nicht leicht die beste Option zu entnehmen. Heyer empfiehlt, Zentralität und Dezentralität, Aushandlung und Verrechnungsmedien gut auszubalancieren; in seine Überlegungen zu letzteren nimmt er zudem eine in der Debatte weit verbreitete Strukturidee auf: Selbst wenn es Recheneinheiten brauche, um Bedarfe und Ressourcen zu vermitteln, sollten Produktions- und Konsumrechnung strikt voneinander getrennt werden (S. 62), um meritokratisch legitimierte Macht und Ungleichheit zu vermeiden.[14] Ein weitergehendes, in Heyers und Laibmans Schema erkennbares Dilemma wird in den Texten allerdings kaum diskutiert: Während rätedemokratische Ansätze voraussetzen, dass wir viel Zeit in Gremien verbringen und bereit sind, uns deren Entscheidungen zu fügen, weisen im Kopf und am Rechner entstandene Blaupausen für metrisierte und medialisierte Planung stark technokratische Züge auf. Das tritt zuweilen bereits stilistisch hervor. So eröffnet Daniel Saros einen anregenden, in vielen Texten zitierten Entwurf einer algorithmischen Verarbeitung individueller Konsumwünsche mit der Reflexion: „To emphasize the absolute uniqueness of each person […], each person is to be identified using a unique identification number (i.e., one that is sufficiently long to ensure that it must never be used for any other person).“[15]
Für sinnvolle, vorstellbare Umgestaltungspläne ist es vielleicht gar nicht nötig, ein kohärentes und vollständiges System zu entwickeln. Heide Lutosch etwa führt in ihrem Beitrag zwar diverse Gründe an, die für eine „culture of timekeeping“ (S. 304) in der neuen Gesellschaft sprechen: Es gilt zu sehen, wie viel Arbeit anliegt oder für ein bestimmtes kollektives Lebensniveau nötig ist, wann man legitim mit dem Tagwerk aufhören kann und wer permanent überlastet ist. Sie will jedoch gerade nicht klären, inwiefern Konsumrechte an Leistungen gebunden sein sollten, sondern vorführen, dass sich Modelle demokratischer Planung stark ändern müssten, wenn sie aktuell unbezahlte Reproduktionsarbeit wie die Sorge um Kinder ernsthaft einbeziehen wollten. Dass Arbeit, in der individuelle Bindungen eine große Rolle spielen, nur begrenzt kollektiviert werden kann, macht die dafür nötige Zeit nicht irrelevant für die gesellschaftliche Planung. Lutosch bemisst diese Zeit mit 20 Stunden pro Tag für ein Baby und immer noch acht Stunden für Kinder unter zwölf Jahren, sodass selbst eine mehr-als-kleinfamiliale Gruppe von mehr als zwei Wahleltern umfänglich von anderen Aufgaben entlastet sein müsste (ebd.). Selbst wenn man die konkrete Stundenzahl vielleicht auch niedriger einschätzen kann, macht erst die Perspektive der Arbeitszeitrechnung die Größe des Problems deutlich. Zudem geht es Lutosch um mehr als bloße Notwendigkeit: Zu allererst fordert sie zu berücksichtigen, dass Kinder häufig „capricious“ seien (S. 294–296).
Lutoschs Beitrag ist nicht der einzige, in dem die Vorstellung der befreiten Gesellschaft sozusagen luxuriert – und ohne diese Dimension hätte die Übung vielleicht gar keinen Sinn. Als drittes systematisches Problem neben den Nachfolgeregelungen für Lohnarbeit und Geld lässt sich jedenfalls die zu Beginn benannte Frage ausmachen, wie eine solche Gesellschaft mit Überschüssen umgeht und inwiefern sie Luxus ermöglicht. In gewisser Weise steht hier eine Nachfolgeregelung für Profit zur Debatte, zumindest für die Gestalt, die er im individuellen Konsum annehmen kann.
3. Luxus in der befreiten Gesellschaft
Der Band zum Öffentlichen Luxus zeigt wenig Ehrgeiz, seinen Titel zu erklären. Eine Formel wie „Möglichst viel zur Befriedigung der Bedürfnisse aller“ dürfte den Sinn wohl am ehesten erfassen. Luxuriös ist dabei höchstens, dass niemand zahlen muss, um Nahverkehr, Schwimmbäder, Parks und andere öffentliche Angebote zu nutzen. Klarer wird vielerorts, inwiefern privater Luxus abgelehnt wird: Wenn Villen, Swimmingpools, Sportwagen, Yachten, Flugzeuge und umfassende Bedienung nur wenigen unter Ausschluss aller anderen zukommen, überproportional viel Arbeit erfordern und auch ökologisch betrachtet nicht für alle bereitgestellt werden können, sollte es sie nicht geben. Nicht nur Monbiot stellt dem „öffentlichen Luxus“ daher „private Suffizienz“ gegenüber. Die letztere wird zuweilen recht streng gedacht. Eva von Redecker schlägt im Gespräch mit Jan Groos zwar eine ergebnisoffene Aushandlung von Bedürfnissen vor, kann aber auch dem Gedanken der Rationierung (etwa in Form begrenzter individueller Heizbudgets in einer Energiekrise) etwas Befreiendes abgewinnen: „[R]ationing can, I think, change a lot in terms of the overall societal feeling, because you get away from this resentment of always thinking that someone else is somehow doing better“ (S. 233).
So schön eine neidfreie Gesellschaft wäre – unter den gegebenen Bedingungen dürfte eine Welt mit begrenztem Privatkonsum und ausgebauter öffentlicher Versorgung nicht nur attraktiv wirken. Auf der privaten Seite droht sie hauptsächlich einzuschränken oder zu verbieten, was viele bisher genießen oder sich wünschen, und auf der öffentlichen Seite stellt sie nur wenig Fülle, geschweige denn Überfülle[16] in Aussicht. Stellenweise malen die besprochenen Bücher die Zukunft aber auch farbiger aus. Starke Bilder von öffentlichem Luxus finden sich etwa bei den anarchistischen Klassikern, bei denen Probst aktuelle Problemsichten umgekehrt sieht: „Begrenzt waren die menschlichen Bedürfnisse, grenzenlos hingegen die Güter, die kollektiv erwirtschaftet werden konnten.“[17] Ein Beispiel hätte auch gut in Benjamins Passagen-Werk gepasst: Für die Pariser Weltausstellung von 1900 schlug Reclus einen begehbaren Globus zu bauen vor, der im Maßstab von 1:100.000 und mit einem Durchmesser von 127,5 Metern den Erdball abbilden sollte. Von Naturwissen bis hin zur korrekten Vorstellung von Landesgrößen hätte das Publikum hier vieles lernen können – und eine kostspielig hergestellte Freizeitattraktion geboten bekommen, die vielleicht spätere Entwicklungen wie Disneyland überflüssig gemacht hätte. Eine weitergehende, offene Frage ist, ob der Bau eines solchen Objekts ohne Lohnarbeit oder sozialistische Anordnungen möglich gewesen wäre. In der utopischen Literatur wäre hierfür Charles Fouriers Begriff „attraktiver Arbeit“[18] einschlägig, die in der Erfahrung wie im Produkt das Notwendige übersteigt. In Creative Construction kommt dem Thema auf abstrakte Weise Evgeny Morozov in seinem Gespräch mit Jan Groos nahe. Postkapitalistische Visionen haben für ihn nicht vorrangig die Aufgabe, eine effektive Befriedigung unserer Bedürfnisse denkbar zu machen; sie müssten vielmehr mit dem neoliberalen Versprechen mithalten, deren möglichst dynamische Entwicklung zu organisieren: „[S]ocialism is about [,,,] allowing people to live in ways that they want outside of the market […]. We want to have all this immense variety of behaviours, lifestyles, forms of lives, however you want to call it. The task is to allow for this complexity while at the same time making sure that the ship doesn’t sink“ (S. 144).
Morozov erntet wiederholt irritierte Einwände seines Gesprächspartners, dem die Abwendung realer Not doch wichtiger erscheint (S. 145 et passim). Seine Antworten an Groos bleiben allerdings andeutend und ergänzungsbedürftig. Interessant wäre etwa eine Reflexion darauf gewesen, dass der Hunger besonders erfolgreich im neueren, private Bereicherung einräumenden chinesischen Staatskapitalismus bekämpft wurde. Näher bei Morozov dürfte die Erläuterung liegen, dass Bedürfnisentwicklung zwar nicht per se gut sein muss, dass aber doch erst die Aussicht auf verschiedenste öffentliche und private Güter befreiend wirkt. Ob ‚wir‘ jenseits des Markts gutes Essen und Trinken, Berauschung, Sex, Sport, Sorgeverhältnisse, Kunst, Reisen oder Wissen kultivieren wollen, ob wir das je individuell oder kollektiv tun, jeweils ähnliche oder sehr unterschiedliche Ressourcen benötigen, sollte offen bleiben. Eine solche Offenheit erfordert schließlich (wie die Ökonomie insgesamt) soziale und technologische Formen, die Wünsche nach bestimmten Gütern mit der Bereitschaft zu deren Bereitstellung unaufwändig und effizient koordinieren können. Morozov betont, dass die Technologien von Netzmonopolisten wie Google Informationen, Tätigkeiten und Motivationen inzwischen viel besser vermittelten als Preise (S. 154), verdeutlicht dies aber fast nur anhand von Terminplanern. Komplexere Ideen, von einer Digitalisierung der Fourierschen Attraktionsökonomie bis hin zu Saros’ Bedürfnis-Verrechnung, werden in den vorliegenden Texten insgesamt nicht vertieft und auch nicht mit Blick auf den weiterhin wünschbaren Luxus verhandelt.
Eine Ausnahme bildet der Vorschlag, dass eine befreite Gesellschaft ihren Mitgliedern immerhin Taschengeld anbieten könnte. Booth und Muldoon entwickeln diesen Gedanken, um den Übergang in die neue Produktionsweise denkbar zu machen: Da sich für unangenehme Tätigkeiten zunächst nicht immer Freiwillige finden dürften, sehen sie als Anreiz „pocket-money wage labour“ vor (S. 69 ff.). Der zusätzliche Anteil an Gütern, die dieses Taschengeld einem verschaffen würde, soll dabei gedeckelt sein, der Zweck wird von den Autoren jedoch konventionell bestimmt: „to purchase additional luxuries“ (S. 75). Vielleicht könnte ein solches Element auch nach dem Übergang dazu beitragen, jenseits demokratischer Aushandlung und regulierter Verteilung Leistungen sicherzustellen und Bedürfnisse einzuräumen. Die Aufgaben, Produktionsmittel effektiv einzusetzen und eine großzügige allgemeine Versorgung zu organisieren, würden durch dieses dritte Element von Extrakonsum sicher noch einmal anspruchsvoller – und natürlich bestünde die Gefahr, dass mit ihm eine Privilegienwirtschaft heranwächst. Doch eine Ordnung, die solche Gefahren ganz ausschließt, wäre vermutlich in ihren Prinzipien und ihrem Alltag zu streng, um wirklich als befreite Gesellschaft gelten zu können.
Mit oder ohne Taschengeld bleibt die Frage, weshalb sonderlich viele Menschen sich eine Verwirklichung der vorgelegten Entwürfe wünschen sollten. Auf den ersten Blick scheint hier wenig zu fragen. Armut, Unsicherheit, Ressourcenverschwendung, Naturzerstörung, Arbeit für die Bereicherung weniger sowie Kriege um das immer knappere nutzbare und bewohnbare Land sind schlechthin nicht wünschenswert; wer nicht zynisch ist, wird dieser Aussicht einen Zielhorizont verlässlicher Grundversorgung, rationalerer Entscheidungsfindung und breiter verteilter Freiheitsspielräume vorziehen. Die Umstellungen, mit denen sich eine derartige Ordnung erreichen ließe, wurden jedoch auch in der neuen Phase utopischer und radikal-reformistischer Diskussion nicht hinreichend geklärt, um größere oppositionelle Gruppen zu orientieren und miteinander zu verbinden. Darüber hinaus besteht nach wie vor die Befürchtung, dass der Versuch eines systemischen Umbaus in Versorgungskrisen, Bürgerkrieg oder Diktatur stranden könnte.[19] Zudem können die Systemalternativen weder viel Unterstützung von denen erwarten, die in der bestehenden Ordnung das Sagen haben, noch eignen sie sich bisher dafür, Unzufriedenheit in Aufruhr gegen die herrschenden Klassen zu übersetzen. Die linke Anklage des privaten Luxus müsste sich dafür wohl mit dem Überdruss an Bevormundung verbinden, wie er aktuell vor allem von rechts gegen Angehörige der Bildungseliten mobilisiert wird.
Zu ergänzen ist schließlich, dass weder die Utopien noch Realisierungsversuche außerhalb der Gewaltordnungen stehen, in deren Schatten wir leben. Probst hat am Beispiel argentinischer Agrarkommunen „Grauzonen zwischen kolonialer Herrschaft und sozialkritischer Utopie“ herausgearbeitet, die auf einer „Wahrnehmung des […] Territoriums als menschenleere ‚Wüste‘“ basieren (S. 165). Die vermeintliche Tabula rasa, auf der das Neue gebaut werden kann, hat eine eigene geschichtliche Materialität; bis heute sind realutopische Projekte mit Gebietskonflikten verklammert. Während sich die selbstorganisierten Gemeinschaften in Chiapas und Rojava gegen die Gewalt der jeweiligen Zentralregierungen zu behaupten versuchen, wurden die Erben der israelischen Kibbuz-Bewegung im Oktober 2023 zum Ziel antikolonialen Terrors und mussten zusammen mit den anderen Opfern als Anlass für Israels radikale Zerstörung von Leben und Lebensgrundlagen in Gaza herhalten. Die ambivalente reale Einbettung des möglicherweise ganz Anderen sollte nicht nur in dieser Hinsicht zukünftig stärker mitgedacht werden. Im besten Fall könnte das auch seine wieder zulässigen Bilder plastischer machen.
Fußnoten
- Vgl. hierzu die Beiträge von Samia Zahra Mohammed, Simon Schaupp sowie vor allem von Elena Hofferberth, Cédric Durand und Matthias Schmelzer in Creative Construction.
- So das Stichwort von Rosa Luxemburg, das in Creative Construction explizit Gabriele Winker und Matthias Neumann (S. 221 f.) aufnehmen.
- Vgl. Alexander Neupert-Doppler, „Ich halte das anti-utopische Bilderverbot für erledigt“ – Gespräch mit Bini Adamczak, in: ders. (Hg.), Konkrete Utopien. Unsere Alternativen zum Nationalismus, Stuttgart 2018, S. 23–38.
- Vgl. hierzu vor allem den Beitrag von Christoph Sorg in Creative Construction, S. 185–200.
- So die Vertreterin der mitherausgebenden BUNDjugend, Fatim Selina Diaby, S. 52–63, hier S. S. 53.
- Diese Problematik diskutiert Astrid Schöggl, S. 134–151.
- So der Text von Heide Lutosch, S. 294–307, auf den ich weiter unten genauer Bezug nehme.
- So der Beitrag von Samuel Decker, S. 201–217, der ein radikal-reformistisches Programm veranschaulicht.
- James Muldoon und Dougie Booth erwähnen unter diesem Stichwort in Creative Construction neben Meretz und Sutterlütti auch Beiträge von Anitra Nelson und Terry Leahy S. 68–82, hier S. 70.
- Vgl. dazu etwa Murray Bookchin, The Spanish Anarchists. The Heroic Years 1868–1936, New York 1977, S. 59–73.
- Das ist das Hauptargument ihres Beitrags in Creative Construction, S. 68–82.
- So lautet die These seines Beitrags zu Anarchistische Gesellschaftsentwürfe, S. 218–229.
- So der Ansatz von Meretz und Sutterlütti, S. 83–97.
- Diese Idee vertreten etwa auch Devine, Muldoon und Booth sowie Daniel Saros; systematisch ausgeführt hat sie jüngst Aaron Benanav in „Beyond Capitalism – 2. Institutions for a Multi-Criterial Economy”, in: New Left Review 154, Juli/August 2025, S. 97–143; bes. S. 104–112.
- Daniel Saros, Information Technology and Socialist Construction. The End of Capital and the Transition to Socialism, London u.a. 2014, S. 173. Eine weniger perfekte Version schildert Le Guin: Auf Anarres werden Namen automatisch erzeugt, doch mit Buchstaben, recht kurz und daher nicht vollständig individualisierend. Als ihr Held Shevek zufällig einen anderen Shevek trifft, wird er von diesem verprügelt,
- So eine zumindest annähernde Bestimmung von Luxus; spezifischer kommt dafür Konsum infrage, der über das als nötig und angemessen Geltende hinausgeht. Vgl. Lambert Wiesing, Luxus, Berlin 2015, S. 149–161.
- Probst, S. 88.
- Vgl. Tilman Reitz, Utopie, Spiel, Menschenmaschine. Charles Fourier und die Avantgarden, in: Arbeitsgruppe Kunst und Politik (Hg.), Kunst Spektakel Revolution, N° 2, Erfurt 2011, S. 9–14.
- Diese Gefahren betont etwa Erik Olin Wright in der Einleitung zu Reale Utopien. Wege aus dem Kapitalismus, übers. von Max Henninger, Berlin 2017, S. 39–49. Wright will so vor allem die Perspektive einer gewaltsamen Umwälzung ausschließen.
Dieser Beitrag wurde redaktionell betreut von Karsten Malowitz.
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